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Voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung in Sindelfingen


„Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorauszusagen, sondern darauf, auf die Zukunft vorbereitet zu sein.“ (Perikles)

Die demografische Entwicklung ist ein Thema, das unsere Stadt, ja die ganze Gesellschaft, zunehmend beschäftigt. Es ist zugleich ein sehr komplexes Thema, da die Veränderungen in der Bevölkerungszahl und -struktur alle kommunalen Bereiche betreffen, die wir mit Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit verbinden. Die Bevölkerung in Deutschland altert und schrumpft. Die direkten Ursachen liegen bekanntlich, grob gesagt, an der gestiegenen und weiter steigenden Lebenserwartung und an der anhaltend niedrigen Geburtenrate. Dafür gibt es wiederum sehr vielgestaltige Einflussfaktoren. Im Vergleich zu anderen Regionen, insbesondere in den neuen Bundesländern, steht unser Raum mit seiner hohen Arbeitsplatzzentralität und Wirtschaftskraft derzeit noch sehr gut da. Allerdings weisen alle Studien und Prognosen darauf hin, dass die "Alterspyramide" sich auch bei uns mit gewisser Zeitverzögerung gravierend ändert.

Auswirkungen auf die Infrastruktur

Die Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur haben unmittelbare Auswirkungen auf die Stadtentwicklung und auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Prozesse. Wichtige Infrastrukturbereiche wie Kindertagesstätten, Schulen, Kinderspielplätze, Sportstätten, Jugendeinrichtungen, Alteneinrichtungen, Friedhöfe, Verkehrswesen und Wohnungsbau sind betroffen. Die Veränderungen beeinflussen das Zusammenleben untereinander, die Wirtschaftsentwicklung und die Entwicklung der kommunalen Finanzen. Um auf die Zukunft vorbereitet zu sein und sie aktiv gestalten zu können, sollte man einen Blick in die Zukunft machen können. Dies wird mit Bevölkerungsvorausrechnungen oder -prognosen auf verschiedenen Ebenen versucht. Bisher reichten die Aussagen meist nicht bis auf die Gemeindeebene. Da sich die demografischen Veränderungen aber kleinräumig sehr unterschiedlich ausprägen, sind Informationen auf Landkreis-, Regions- oder Landesebene nur sehr bedingt auf Kommunen übertragbar. Die Kommunen sind jedoch die wichtigste Handlungsebene, weil sich hier die konkreten Konsequenzen zeigen und bewältigt werden müssen.

Bevölkerungsvorausrechnungen

Inzwischen gibt es für Sindelfingen - wie für alle Kommunen über 5.000 Einwohner - sowohl eine Bevölkerungsvorausrechnung des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg als auch eine solche der Bertelsmann-Stiftung. Jede Bevölkerungsvorausrechnung lässt sich auf oben gezeigtes Schema zurückführen.

Für alle Bevölkerungsvorausrechnungen gilt, dass die Entwicklungen der Geburtenrate und der Sterbewahrscheinlichkeit stabiler sind und daher genauer abgeschätzt werden können als die Zu- und Wegzüge. Solche Modellrechnungen zeigen zwar nicht unbedingt, wie es sein wird, aber sie zeigen auf, was sein wird, wenn die gemachten Annahmen während des Vorausrechnungszeitraums Gültigkeit besitzen. Salopp ausgedrückt: Sie machen deutlich, was geschieht, wenn "nichts geschieht".

Die "regionalisierte Bevölkerungsvorausrechnung" des Statistischen Landesamts bis 2025 für Sindelfingen geht von folgenden Annahmen aus:
• Konstanz des derzeitigen Geburtenniveaus
• weiterer Anstieg der Lebenserwartung um etwa 3 Jahre bis 2025
• jährlicher Wanderungsgewinn Baden-Württembergs von ca. 17.000 Einwohnern
• Fortschreibung auf Grundlage der Geburten und Wanderungen (Zu- und Fortzüge) im Mittel der Jahre 2000 bis 2003.

Daraus errechnen die Statistiker für Sindelfingen eine Bevölkerungsabnahme bis 2025 um 4,7 Prozent oder ca. 2.800 Einwohner. Der Anteil der unter 18-Jährigen fällt von 18,5 Prozent auf 15,5 Prozent, der Anteil der über 80-Jährigen steigt von 4,0 Prozent auf 8,2 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Sindelfingen verliert seit 2004 Einwohner

Dieses Szenario bedeutet, dass Sindelfingen den mit 61.269 Einwohnern höchsten Bevölkerungsstand seiner Geschichte aus dem Jahre 2004 nicht mehr erreichen wird. Zum Stichtag 30.06.2006 waren nur noch 60.790 Personen gemeldet. Sindelfingen wies zwar 2005 noch einen geringen Geburtenüberschuss von 57 Personen auf, aber seit einigen Jahren steigt der negative Wanderungssaldo an (2005: -485 Personen), d.h. es ziehen deutlich weniger Menschen zu als weg.

Der "Demographiebericht Sindelfingen"

(www.wegweiserdemographie.de) macht dazu interessante Aussagen. Er ermittelt für jede Kommune spezifische Indikatoren, so z.B. den Indikator "Familienwanderung", der für Sindelfingen bei -4,1 liegt. Der Landkreis Böblingen (0,8) sowie die Städte Böblingen (3,0), Leonberg (0,4), Herrenberg (2,1) und Holzgerlingen (11,2) weisen hier einen positiven Saldo auf. Konkret bedeutet dies, dass sich die jungen Familien, die von außerhalb in den Kreis Böblingen ziehen, überwiegend nicht in Sindelfingen niederlassen und dass darüber hinaus deutlich mehr Familien das Gebiet der Stadt Sindelfingen verlassen als zuziehen. Die Ursachen sind wohl im mangelnden Baulandangebot in Sindelfingen und im relativ hohen Grundstückspreisniveau zu finden.

Auch die Modellrechnung der Bertelsmann-Stiftung prognostiziert fallende Einwohnerzahlen für Sindelfingen, ausgehend vom Basisjahr 2003 bis zu Jahr 2020 um -2,5 Prozent. Dagegen soll der Landkreis Böblingen bis in 13 Jahren noch um 1,7 Prozent zunehmen. Im unteren Schaubild sind die Entwicklungstrends dargestellt.Um diesen unerwünschten Trend zumindest abzumildern müssen möglichst positive Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass sich insbesondere junge Familien in Sindelfingen niederlassen. Zum anderen muss Politik und Verwaltung in verschiedenen kommunalen Handlungsfeldern auf die künftig veränderte Altersstruktur vorbereitet sein.

Im Teil 2 des Beitrags wird nächste Woche das Sindelfinger Bevölkerungsmodell vorgestellt als ein Instrument, mit dem auf der Ebene der Siedlungs-, Schul- und Kindertagesstättenbezirke Modellrechnungen zur künftigen Bevölkerungsstruktur unterhalb der Gemeindeebene erstellt werden können.


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