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Das Sindelfinger Bevölkerungsmodell

Um auf die Zukunft vorbereitet zu sein, um sie aktiv gestalten zu können, wäre es hilfreich, einen Blick in die Zukunft machen zu können: Wie wird die demografische Situation in 10 oder 15 Jahren sein? Mit Bevölkerungsvorausrechnungen oder -prognosen wird versucht, darauf eine Antwort zu geben.

Im ersten Beitrag wurde aufgezeigt, wie sich Bevölkerungszahl und -struktur der Gesamtstadt Sindelfingen nach den Vorausberechnungen des Statistischen Landesamts und der Bertelsmann-Stiftung künftig entwickeln werden.

In diesem Beitrag wird nun das "Sindelfinger Bevölkerungsmodell" vorgestellt als ein Instrument, mit dem Modellrechnungen zur künftigen Bevölkerungsstruktur, bezogen auf Stadtteile und Bezirke, erstellt werden können.

Das Bevölkerungsmodell der Stadt Sindelfingen ist eine auf Sindelfinger Gegebenheiten angepasste Version des "Bevölkerungsmodells" der Hildesheimer Planungsgruppe, basierend auf der Tabellenkalkulationssoftware Excel. Es dient zum Erstellen von Bevölkerungsprognosen, vorzugsweise für die Stadtentwicklungs-, Schul- und Kindertagesstättenplanung. Es ist speziell dafür eingerichtet, auch kleinräumige Prognosen für Gebietseinheiten unterhalb der Gesamtstadt (z.B. für Schul- oder Siedlungsbezirke) zu erstellen. Im Bevölkerungsmodell wird für Prognosen die Bestandsbevölkerung (Basisjahr 2005) auf der Basis des Melderegisters, differenziert nach Alter und Geschlecht, durch die Jahre hindurch fortgeschrieben. Wegen der Erfahrung im Umgang mit großen raumbezogenen Datenmengen und der engen Verbindung zum Geoinformationssystem der Stadt Sindelfingen wurde die Abteilung Geoinformation, Vermessung und Bodenordnung des Baurechts- und Vermessungsamts mit der Einrichtung und Pflege des Bevölkerungsmodells betraut.

„Stellschrauben"
Die Fortschreibung geschieht durch eine Berechnung mit folgenden Einflussgrößen ("Stellschrauben"):
a) Geburtenfaktoren als Mittel zwischen dem Landesdurchschnitt von Baden-Württemberg (errechnet auf die Zahl der Geburten pro 1000 Frauen, gegliedert nach Altersjahrgängen der Mütter) und dem Geburtenfaktor des Gebietes, für das die Prognose erstellt werden soll. Zur Berechnung des örtlichen Geburtenfaktors wird eine Relation zwischen der Zahl der unter 1-Jährigen und der Zahl der Frauen im Alter von 15 bis unter 50 Jahren hergestellt. Die Jahrgänge gehen unterschiedlich gewichtet in das Ergebnis ein.

b) Überlebensziffern. Die Überlebensziffer dient zur Fortschreibung der bereits geborenen Einwohner. Als Grundlage für die Überlebensziffern dienen die (derzeitigen) Sterbeziffern von Baden-Württemberg, gegliedert nach Jahrgängen und Geschlecht.

c) Veränderungsfaktoren dienen dazu, vermutete Zuzüge bzw. Wegzüge aus dem Bestand zu berechnen. Der Veränderungsfaktor wird auf jede Altersgruppe bis einschließlich 75 Jahre angewendet und kann somit unterschiedliche Entwicklungen in den Altersjahrgängen berücksichtigen. Als Grundlage für seine Ermittlung dient eine Zeitreihe vom Jahr 1998 an.

d) Berücksichtigung von Zuzügen in neue Baugebiete. Die in neuen Baugebieten erwarteten neuen Einwohner werden ab dem Jahr ihres voraussichtlichen Zuzuges in das Bevölkerungsmodell integriert und nach den obengenannten Kriterien weiter behandelt.

Da die örtlichen Verhältnisse bekannt sind, können Veränderungen, die sich nicht aus der vergangenen Entwicklung ableiten lassen - wie z. B. zukünftige Baugebiete oder stärkere Innenverdichtung - mit berücksichtigt werden.

Ergebnisse
Für den ersten Berechnungslauf des Sindelfinger Bevölkerungsmodells wurden diese Einflussgrößen ermittelt und zugrunde gelegt. Dabei wurde für den Prognosehorizont 2005 bis 2020 das Gebiet Allmendäcker I als einziges neues Baugebiet angenommen. Nicht berücksichtigt ist in den nachfolgenden Zahlen somit die Aufsiedlung der geplanten Wohngebiete Innerer Bühl - Mitte in Darmsheim und Allmendäcker II in Maichingen. Die Ergebnisse für die Gesamtstadt:

Stetige Bevölkerungsabnahme von 60.559 Einwohner im Jahr 2005 auf 59.744 Einwohner (-815 oder -1,4 Prozent) im Jahr 2015 und 58.869 Einwohner (-1.690 oder -2,8 Prozent) im Jahr 2020.

Bis 2015 gibt's 10 über 100-Jährige
Die Zahl der unter 18-Jährigen wird um etwa ein Fünftel abnehmen. Dagegen werden im Jahr 2020 rund zwei Drittel mehr über 80-Jährige in Sindelfingen wohnen. Statistisch gesehen nimmt die Zahl der über 100-Jährigen bis 2015 jedes Jahr um eine Person zu.

Die Kernstadt Sindelfingen wird bis 2020 um etwa 2.700 Einwohner (-6 Prozent) abnehmen, Maichingen wird um etwa 960 Einwohner (+8 Prozent) zunehmen. Darmsheim wird nach dieser Modellrechnung nur noch sehr wenig wachsen, nämlich um etwa 50 Einwohner oder +1,2Prozent. Wenn allerdings das geplante Wohngebiet Innerer Bühl - Mitte in die Berechnung einbezogen wird, wächst Darmsheim bis 2020 noch um etwa 420 Einwohner oder +10 Prozent.

Die Veränderungen in der Zahlenstärke der Altersstufen 0 bis 100 wird in den "Lebensbäumen" für 2005 (weiße Balken) und 2015 (schwarze Balken) verdeutlicht. Sie gleichen längst nicht mehr der idealen "Alterspyramide".

Wegen der unterschiedlichen Ausgangssituation in den Siedlungs-, Schul- und Kita-Bezirken prägen sich die demografischen Veränderungen, betrachtet im Zeitraum 2005 bis 2020, auch sehr unterschiedlich aus. Am stärksten ist das untere und obere Ende der Altersskala betroffen. Beispielhaft seien einige interessante Ergebnisse herausgegriffen:

- Im Stadtteil Hinterweil wird die Zahl der unter 3-Jährigen etwa konstant bleiben; der Anteil der über 80-Jährigen steigt auf das über Dreifache: von 96 auf 313.
- Im Stadtteil Viehweide werden die unter 3-Jährigen, die heute (bezogen auf die Gesamtstadt) noch leicht überdurchschnittlich vertreten sind, um rund ein Drittel abnehmen. Dagegen steigt die Zahl der über 80-Jährigen ebenfalls aufs Dreifache der heutigen Zahl.
- Die Zahl der Vorschulkinder (0 - 6 Jahre) verringert sich im Stadtteil Eichholz auf rund die Hälfte.

Simulationen und Anwendungen
Außer der Entwicklung der Einwohnerstruktur liefert das Bevölkerungsmodell darauf aufbauend Auswertungen und Prognosen für die Kindertagesstätten- und Schulentwicklungsplanung, indem spezifische Parameter (Gruppenstärke, Klassenteiler, Übergangsquoten usw.) vorgegeben werden.

Das Modell lässt die Simulation von abweichenden Szenarien zu. Zunächst wurde nur das oben beschriebene Szenario berechnet.
Derzeit werden die neuen Einwohnerdaten mit Stichtag 31.12.2006 eingepflegt. Außerdem sind alle Annahmen aktuell auf ihre Plausibilität zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Auf dieser Basis erfolgt dann ein neuer Prognoselauf mit dem fortgeschriebenen Bevölkerungsmodell. Des Weiteren ist geplant, mit Hilfe von Simulationsberechnungen neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Mit dem Sindelfinger Bevölkerungsmodell haben Kommunalpolitik und Verwaltung nunmehr ein Planungswerkzeug an der Hand, um Erkenntnisse für die aktive Gestaltung der Zukunft zu gewinnen. Dazu gehört auch die Möglichkeit, unerwünschten Entwicklungen soweit möglich vorzubeugen.

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