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Ausstellung: Michael Deiml - Von Mikro zu Makro

Am Freitag, den 21. September, 20 Uhr wird in der Galerie der Stadt Sindelfingen eine Ausstellung mit Werken des 1949 in Prag geborenen Michael Deiml eröffnet. Nach einer technischen Ausbildung und fast zehnjähriger Ingenieurstätigkeit in der Elektronikindustrie studierte Michael Deiml von 1982 bis 1988 Bildhauerei an der Stuttgarter Kunstakademie. Seit 1988 ist Michael Deiml als freischaffender Künstler tätig.

Deimls künstlerische Tätigkeit liegt im Spannungsfeld verschiedener Kunstgattungen, zwischen Skulptur, Plastik, Installation, konzeptueller Arbeit, Musik, Performance und Tanz. Die Beschäftigung mit Farbe ist erst in den letzten Jahren in seine Arbeit eingeflossen. Die Vielfalt der künstlerischen Ansätze und der in seinen Arbeiten verwendeten Materialien (z. B. Stahl, Stein, Sand, Glas, Kunststoff, Tannenzapfen, Licht, Klang u.a.) ist auf die Unterschiedlichkeit der Entstehungsorte und Ausgangssituationen zurückzuführen. Die Orte selbst begreift er als Inspirationsquelle und Ausgangsmaterial zugleich. In die Raum- und Materialkonzepte seiner Werke fließen nicht nur architektonische, landschaftliche, geographische und physikalische Eigenschaften des jeweiligen Ortes ein, sondern auch das Nicht-offen-sichtliche des Ortes, wie etwa dessen Geschichte.

Rolle seiner Werke

Eine wichtige Rolle in seinem Werk spielen unter anderem auch die zahlreichen „Kunst am Bau“ - Wettbewerbe, an denen er sich beteiligte. Die in der Ausstellung präsentierten Werke sind im Zusammenhang solcher Wettbewerbe entstanden.

Die Ausstellung „Von Mikro zu Makro“ versucht das sehr Kleine und Verborgene mit künstlerischen Mitteln sichtbar zu machen. Sie präsentiert zwei grundlegende Aspekte von Deimls künstlerischem Schaffen, die sich in ihren Themenfeldern deutlich voneinander unterscheiden.

Beim ersten Themenfeld regten Abbildungen winziger organischer Strukturen, die in der Forschung gewonnen werden, seine Arbeit an. Das Interesse an Technik und Wissenschaft beeinflusste von Anfang an Deimls künstlerisches Schaffen.

Die in der Ausstellung „Von Mikro zu Makro“ gezeigten Werke, die Installation „Polymixa Graminis“ und die Bilderreihe Mikrowelten entstanden im Zusammenhang mit einem Kunst-am-Bau-Wettbewerb für den Neubau der „Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen“ (BAZ) in Quedlinburg, zu dem Deiml 2005 eingeladen wurde. In diesem wissenschaftlichen Institut wird mit Elektronenmikroskopie gearbeitet, um sich Einblicke in die Innenwelt von Pflanzen zu verschaffen. Die ursprünglichen Elektronenmikroskopbilder zeigen Darstellungen von nur wenigen Mikrometer großen Viren, Pilzen und Bakterien, die Kulturpflanzen wie Fenchel, Kartoffel, Zuckerrübe, Gerste und andere Getreidearten befallen. Die Farbigkeit der Makrowelt, die wir mit bloßem Auge sehen, kann jedoch ein Elektronenmikroskop nicht darstellen, sondern lediglich Graustufenabbildungen erzeugen. Diese nimmt Deiml als Grundlage für seine Werke und taucht sie mittels Computertechnik in Farbe. Seine Eingriffe und Verfremdungen führen zum Verlust des ursprünglich wissenschaftlichen Gehalts und dessen Aussagekraft. Stattdessen entsteht eine Reihe abstrakter farbiger Bilder.

Sindelfinger Präsentation

Zentrum der Sindelfinger Präsentation ist die Rauminstallation “Polymyxa graminis”, der ebenfalls ein Elektronenmikroskopbild zugrunde liegt. Der Titel verweist auf einen relativ harmlosen Bodenpilz, der in der Gerstenwurzel gefunden wurde. Die Abbildung einer solchen, in Wirklichkeit lediglich ca. 20 Mikrometer großen organischen Struktur, wird für die Sindelfinger Ausstellung etwa dreihunderttausendfach vergrößert und als Deckenbild installiert. In der Rauminstallation “Polymyxa graminis” bleibt es jedoch nicht nur bei der tausendfachen Vergrößerung und der Zweidimensionalität des ursprünglichen Objektes. Durch die Installation erhalten Objekte des flachen Deckenbildes räumlichen Bezug zu Marmorsteinen, die von der Decke hängend, über dem Zentrum des Galerieraumes schweben.

Im Kontext dieser Rauminstallation wird zur Eröffnung der Ausstellung die Tänzerin Nicole Weyandt eine gemeinsam mit Michael Deiml erarbeitete Choreographie aufführen.

Das zweite Themenfeld in Deimls Arbeit ist die deutsche Geschichte und das Ringen um die geeignete Form des Erinnerns an die Zeit des Nationalsozialismus.

Seit Mitte der achtziger Jahre beteiligte sich Deiml mit eigenen Entwürfen an zahlreichen Kunstwettbewerben zu diesem Thema. Unter anderem nahm er am umstrittenen Berliner Holocaust-Denkmalwettbewerb 1994/95 teil. Das in der Ausstellung gezeigte Modell, das er mit Erläuterung zu diesem Wettbewerb einreichte, verdeutlicht seine damalige Zielsetzung.

Deimls künstlerische Konzeption unterschied sich von allen anderen Wettbewerbsentwürfen dadurch, dass er nicht nur die Toten zu den Opfern des Holocaust zählte, sondern auch die Überlebenden in sein Konzept einbezog. Darüber hinaus schlug er bereits 1994 vor, in das Berliner Holocaustdenkmal eine unterirdische Stätte zu integrieren, eine Idee, die sich der Deutsche Bundestag 1999 im Erweiterungsvorschlag des Eisenmanschen Stelenfeldes zu Eigen machte. Einige wesentliche konzeptuelle Elemente von Deimls Entwurf von 1994 sieht man heute in der nachträglich konzipierten unterirdischen Informationsstätte des Berliner Denkmals realisiert. Die damalige Korrespondenz mit Dr. W. Thierse, Fr. Dr. Rita Süssmuth und weiteren Abgeordneten im Kultur- und Medienausschuss des Deutschen Bundestages wird ebenfalls in der Ausstellung dokumentiert.
Im Jahr 2001 wurde Deiml beauftragt eine Holocausterinnerungsstätte in der Tschechischen Republik zu konzipieren und zu bauen. Diese Stätte, die 2002 fertig gestellt und eingeweiht wurde, wird in der Ausstellung ebenfalls vorgestellt.

Begleitprogramm zur Ausstellung:

- Freitag, 28. September, 19 Uhr
„Inspirationen und Orte“, Vortrag von Michael Deiml zu seiner Arbeitsweise und seinem Werk

- Freitag, 19. Oktober, 19 Uhr
„Mahnmale wider das Erinnern“, Vortrag von Michael Deiml zu Wettbewerben von Holocaustdenkmalen in Deutschland

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