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„Drehscheibe Flugfeld“ als Katalysator für die Luft- und Raumfahrt Baden-Württemberg

Schon seit einiger Zeit beschäftigte die Verantwortlichen des Zweckverbands Flugfeld Böblingen/Sindelfingen, der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH und des Forums Luft- und Raumfahrt Baden-Württemberg der Gedanke, auf dem Gelände ein Zentrum für Luft- und Raumfahrt zu errichten, in dem unter anderem eine Akademie untergebracht sein soll. Gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart wurde nun eine Studie beim Forum Luft- und  Raumfahrt Baden-Württemberg e.V. in Auftrag gegeben mit dem Ziel, die Standortvoraussetzungen des Flugfelds zu prüfen.

Dr. Bernd Vöhringer, Vorsitzender des Zweckverbands Flugfeld und Oberbürgermeister der Stadt Sindelfingen, freut sich, auch im Namen von Alexander Vogelgsang, Oberbürgermeister der Stadt Böblingen und derzeit stellvertretender Verbandsvorsitzender,  über ein neues „Leuchtturmprojekt mit großer Strahlkraft für alle Produktionsstandorte der Luft- und Raumfahrtbranche in Baden-Württemberg.“

Die Luft- und Raumfahrtindustrie hat sich inzwischen zu einer Leitbranche entwickelt, die andere Technologie- und Innovationsfelder nachhaltig beeinflusst. Diese Position wird gestärkt von der intensiven Zusammenarbeit mit Betrieben aus anderen Bereichen und dem überdurchschnittlichen Forschungs- und Entwicklungsaufwand. So ist der Umsatz dieser Branche zwischen 1995 und 2006 von 7 Mrd. Euro auf 18 Mrd. Euro angestiegen. Insgesamt arbeiten bundesweit 76.000 Personen in der Branche. Weitere 950.000 Beschäftigte sind direkt im Luftverkehrsbereich und bei  Luft- und Raumfahrtunternehmen tätig.

Großes Potential

Auf Grund des auf dem Flugfeld vorhandenen Potenzials stießen die Städte Böblingen und Sindelfingen gemeinsam mit der Wirtschaftförderung der Region Stuttgart in 2006 die regionale Clusterinitiative an. Gemeinsames Ziel ist es, die Region Stuttgart als bedeutenden europaweit agierenden Luft- und Raumfahrt-Standort zu positionieren.

So wurde auch gemeinsam eine Studie in Auftrag gegeben, die untersuchen sollte welche Clusterpotentiale bereits vorhanden sind. Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Ergebnisse zu den Fragen, inwiefern Luft- und Raumfahrt an einem Standort wie dem Flugfeld mit anderen Branchen und Wissenschaftseinrichtungen verknüpft werden kann, welches bauliche und logistische Anforderungsprofil damit verbunden ist, wie die Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachministerien aussehen sollte und welche Ansiedlungsvoraussetzungen für die Akademie für Luft- und Raumfahrt Baden-Württemberg von Bedeutung sein werden.

Die Ergebnisse sprechen für sich, denn die Verzahnung ist eigentlich schon vollzogen. Erkenntnisse aus dem Flugzeugbau fanden auch beim Automobil- und Werkzeugbau vielfältige Anwendung und umgekehrt sind Entwicklungen aus diesen beiden Bereichen in die Entwicklung und Fertigung neuer Flugzeuge eingeflossen. Baden-Württemberg bietet in dieser Hinsicht alle Voraussetzungen, um diese Entwicklung zu fördern. Das Land ist durch seine einzigartige Industriedichte, durch eine hoch spezialisierte Ausrüsterindustrie, durch leistungsfähige kleine und mittelständische Unternehmen und durch eine hervorragende Forschungsstruktur geprägt.

Ausbildung auf dem Flugfeld

Auch beim Thema Ausbildung hat das Ländle die Nase vorn. Die Universität in Stuttgart-Vaihingen beheimatet die größte  Fakultät Luft- und  Raumfahrttechnik und Geodäsie Europas. Sie ist zudem die einzige öffentlich zugängliche Universität, mit einem eigenständigen Diplom-Studiengang für Luft- und Raumfahrttechnik. Dort werden hoch qualifizierte Ingenieurinnen und Ingenieure ausgebildet, die in anwendungsorientierten Projekten ihre Grundlagenkenntnisse vertiefen.

„Die zahlreichen Gespräche und Interviews mit Vertretern der Branche belegen den aktuellen Strukturwandel in der Luft- und Raumfahrtbranche. Den Zulieferern, Dienstleistern und Unterauftraggebern wird in den nächsten Jahren eine enorme Bedeutung zukommen“, erklärt Dr. Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH. In diesem Bereich darf man sich auf ein enormes Wachstum einstellen: nach konservativen Schätzungen werden sieben Prozent erwartet.

Die Aussichten sind also bestens, die örtlichen und die zeitlichen Voraussetzungen passen.

Den Städten Böblingen und Sindelfingen bietet sich nun die Chance, einen Zusammenschluss von High Tech-Unternehmen auf dem Flugfeld zu fördern, die gemeinsam auf Initiative des Forums Luft- und Raumfahrt in Südwestdeutschland die Aviation Supplier Corporation bilden. Durch die Bündelung von Kräften und das Nützen von Synergien kann ein Nukleus für eine florierende Luft- und Raumfahrtindustrie in der ganzen Region entstehen. In enger Verbindung zwischen Industrie und der Uni Stuttgart könnten aktuelle Projekte initiiert werden, um Anliegen der Luft- und Raumfahrtindustrie kurz- bis mittelfristig umzusetzen. Die Vorteile liegen auf der Hand. „Durch die Bündelung von Ressourcen können große Auftragsvolumina akquiriert und abgearbeitet werden“, so der Vorsitzende des Forums für Luft- und Raumfahrt Baden-Württemberg, Dr.-Ing. Rolf-Jürgen Ahlers.  Dem Forum Luft und Raumfahrt kommt darüber hinaus die Aufgabe zu, die Zulieferer nach außen zu repräsentieren Zudem kann das Forum als Verband umfangreiche Beratung anbieten.

Dr. Vöhringer: „Derzeit konzentrieren wir uns in dem Projekt auf 2 Schwerpunkte – die Akademie und ein Technologiezentrum“. Die Akademie steht als Bindeglied zwischen Hochschulausbildung und den Weiterbildungsmöglichkeiten in der Industrie. Im Technologiezentrum sollen anwendungsorientierte Services angeboten werden. Für das erforderliche hoch leistungsfähige System – und Datenmanagement ist eine entsprechende Plattform vorgesehen.

Die nächsten Schritte sehen vor, die Ergebnisse der Studie den zuständigen Ministerien zu präsentieren. „Wir werden nun einen Businessplan erstellen, den wir mit den entsprechenden Stellen abstimmen werden“, sagt Dr. Bernd Vöhringer. „Damit verstärken wir die Akquise und sprechen potentielle Interessierte und Firmen aus einem branchennahen Umfeld an. Parallel dazu werden wir die Vernetzung mit den Akteuren in anderen Städten und Regionen vorantreiben – denn mit einem gemeinsamen Auftritt im Spannungsbogen zwischen Konkurrenz und Kooperation vergrößern wir unsere Chancen im bundes- und europaweiten Wettbewerb. Unser Ziel ist es, dass der Standort Flugfeld den Kern der regionalen Clusterinitiative bildet.“

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