Neujahrsempfang 2008
Am 6. Januar lud die Stadt Sindelfingen zum traditionellen Neujahrsempfang in die Sindelfinger Stadthalle ein.
„Fortschritt braucht Mut“
Unter dem Motto „Fortschritt braucht Mut“ informierte Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer in seiner Neujahrsansprache die zahlreichen Gäste über aktuelle Entwicklungen und Ziele der Stadt.
Das Stadtoberhaupt spannte gleich eingangs den Bogen zum Motto: „2007 war für uns ein Jahr wichtiger Weichenstellungen. Und die Herausforderungen für dieses und die folgenden Jahre sind keinen Deut geringer.“
Finanzlage
Die aktuelle Finanzlage bereite der Stadt vor allem vor dem Hintergrund mutiger Entscheidungen durchaus Kopfzerbrechen, so Dr. Vöhringer. „Kurz vor Weihnachten erreichte uns die Mitteilung, dass wir für 2008 mit 5 Millionen Euro weniger Gewerbesteuer rechnen müssen, als wir es in der ursprünglichen Finanzplanung vorgesehen hatten. Für uns heißt das, dass der bereits fertige Haushaltsentwurf - wieder einmal - ein Werk für den Papierkorb ist und wir diesen erneut überarbeiten dürfen.“
Finanzpolitische Strategien der Stadt müssten daher mit dem Gemeinderat intensiv diskutiert werden. Der Oberbürgermeister erinnerte daran, dass die Stadt nach wie vor eine hervorragende Infrastruktur habe, nun aber dringend in die Erhaltung unserer Gebäude und in die Sanierung von Straßen investiert werden müsse.
„Zudem“, so Dr. Vöhringer, „müssen wir die gesellschaftlichen Herausforderungen und die Anforderungen des Wettbewerbs annehmen und in die Zukunft unserer Stadt investieren, um ein attraktiver Standort zu bleiben. Haushaltskonsolidierung und eine mutige Investitionspolitik sind dabei kein Gegensatzpaar, sondern die zwei Seiten derselben Medaille. Beides ist notwendig, um Sindelfingen auf die Zukunft vorzubereiten.“
Schlüsselbereiche für die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt
Dr. Vöhringer nannte insbesondere die Förderung von Kindern und Jugendlichen sowie die wirtschaftliche Entwicklung und Infrastruktur als „zwei Schlüsselbereiche, die ich zentral für die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt halte. Sie haben für unsere Stadt oberste Priorität.“
Kinder und Jugend
„Eine Stadt hat nur dann Zukunft, wenn sie kinderfreundlich ist und ihren Kindern und Jugendlichen optimale Bildungschancen eröffnet.“
Dr. Vöhringer appellierte dabei eindringlich an die Vertreter von Bund und Land, sich ihrer Verantwortung für die junge Generation zu stellen und nicht Aufgaben und Kosten auf die Kommunen abzuwälzen.
„Unabhängig von diesem Konflikt der staatlichen Ebenen ist es aber zunächst unsere Aufgabe vor Ort, für unsere Kinder und Jugendlichen die Bildungs- und Betreuungssituation so gut wie möglich zu gestalten. Unser Anspruch ist, dass wir bei diesen Angeboten weiterhin eine Spitzenposition einnehmen wollen. Und hier sind wir mit hohen Investitionen, attraktiven Angeboten und vielen engagierten Köpfen auf einem sehr guten Weg.“
Einen Investitionsschwerpunkt stelle dabei die Pflege und Weiterentwicklung unserer Kindertagesstätten dar, für die Erweiterungs- und Sanierungsprogramme aufgelegt wurden.
„Zudem werden zusätzliche Kita-Plätze geschaffen. Die katholische Kirche in Maichingen und der Walddorfverein Sindelfingen werden zusammen rund 40 Krippenplätze für Kinder unter drei Jahren schaffen. Die evangelische Kirche in Sindelfingen wird für weitere 25 Kinder eine Kindergartengruppe eröffnen.“
„Diese Vorhaben werden von der Stadt mit rund 1,2 Millionen Euro bezuschusst“, so der Oberbürgermeister. „In 2008 wollen wir in der Kernstadt und in Darmsheim weitere 50 städtische Krippenplätze aufbauen.“
Der bedarfsgerechte Ausbau gelte auch für die Schulen:
„Hier legen wir den Schwerpunkt auf deren Ausbau zu Ganztagesschulen und auf die Weiterentwicklung des Betreuungsangebots.
Zudem wird derzeit an einem langfristigen Sanierungskonzept für die Schulgebäude gearbeitet. An den vier Gymnasien und an drei weiteren Schulen schaffen wir derzeit die baulichen Voraussetzungen für eine Ganztagesbetreuung. Rund 12 Millionen Euro hat der Gemeinderat für die Baumaßnahmen an allen Schulen genehmigt.“
Wirtschaft
Für den Oberbürgerbürgermeister entscheidet neben guten Angeboten für Familien auch die wirtschaftliche Entwicklung über die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt: „Mit der Gründung der Wirtschaftsförderung Sindelfingen GmbH haben wir einen wichtigen Schritt getan, um gleichzeitig eine bessere Vermarktung unseres Standortes nach außen und eine effektivere Unterstützung der mittelständischen Wirtschaft am Standort selbst zu erreichen.
Ein Signal, dass wir bereit sind, uns dem zunehmenden internationalen Wettbewerb zu stellen, ist die zum Jahresbeginn erfolgte Einrichtung eines Europabüros im Rathaus.“
Verkehrswege
„Ohne funktionierende Verkehrswege kann es keine wirtschaftliche Entwicklung geben. Ebenso wie die S 60 zählen auch unsere Verkehrsprojekte A 81 und Nordumfahrung Darmsheim zu den grundlegenden Infrastrukturmaßnahmen unserer Stadt - gleichzeitig sind sie aber auch entscheidend für die Lebensqualität der betroffenen Bürgerinnen und Bürger.“
Dr. Vöhringer dankte der Bürgerinitiative und den Abgeordneten herzlich für ihr Engagement und erläuterte das Ziel des neuen Jahres – dass Bund und Land zügig konkrete Planungen auf den Tisch legen:
„Für unseren Wirtschafts- und Lebensraum Böblingen-Sindelfingen brauchen wir jedenfalls einen schnellen Ausbau der A81 – mit Deckel!“
Bei der Nordumfahrung Darmsheim beurteitder Oberbürgermeister „die Chancen auf eine Realisierung noch nie so gut wie heute“:
„Gemeinsam mit allen Beteiligten haben wir es geschafft, die Nordumfahrung beim Land weit vorne im Wettkampf verschiedener Projekte zu platzieren. Mein Dank gilt hier ebenfalls allen Unterstützern, vor allem der Bürgerinitiative und den Abgeordneten.“
Ziel für 2008, so das Stadtoberhaupt, müsse es sein, auch noch das Problem der Verlegung des Brechers und der dazugehörigen Infrastruktur einvernehmlich zu lösen.
Dr. Vöhringer hofft, eines Tages das Thema „Verkehr“ in seiner Neujahrsansprache mit einem einzigen Satz abhandeln zu können:
„Auf der S 60, auf der überdeckelten A 81 und auf der Nordumfahrung Darmsheim fließt der Verkehr reibungslos!“
Flugfeld
„Es gibt wohl kaum einen Ort, an dem „Fortschritt“ für unsere Stadt zur Zeit so augenfällig wird wie auf dem Flugfeld“, so Dr. Vöhringer.
„Das Straßennetz konnte im vergangenen Sommer seiner Bestimmung übergeben werden, das Spiel- und Wissenschaftscenter wird voraussichtlich Mitte des Jahres seine Pforten öffnen. Ein Glücksgriff ist ohne Zweifel das Projekt „Meilenwerk“, das mit seiner Idee einer Event-, Handwerks- und Museumswelt rund um das Thema „Oldtimer“ eine ebenso passende wie attraktive Nutzung der ehemaligen Flughafengebäude vorsieht. Aber auch der Wohnungsbau schreitet voran. Der erste Spatenstich für die Wohnungen des Siedlungswerks ist erfolgt, so dass in etwa einem Jahr die ersten Bewohner auf dem Flugfeld einziehen werden.“
Als besonders zukunftsorientiertes und innovatives Projekt hebt Dr. Vöhringer das geplante Zentrum für Luft- und Raumfahrt hervor:
„Zusammen mit der Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart wollen wir das Flugfeld als zentralen Standort im Rahmen der regionalen Clusterinitiative für Luft- und Raumfahrt positionieren.“
Wohnstätten
„Stadtentwicklung ist untrennbar verbunden mit der Frage nach der sozialen Verantwortung für die Bürgerinnen und Bürger.
Nachdem die Firma Daimler sich entschieden hat, ihre Anteile zu veräußern, hat die Wohnstätten Sindelfingen GmbH den bisherigen 50% - Anteil der Firma Daimler an dem Unternehmen für 82,3 Millionen Euro übernommen. Die Stadt Sindelfingen ist damit künftig alleinige Gesellschafterin.
Diesen mutigen Weg sind wir ganz bewusst gegangen. Während andere Kommunen ihre Wohnungen verkaufen, nimmt die Stadt Sindelfingen ihre gesellschaftliche Verantwortung wahr und sichert die kommunale Wohnungsversorgung.“
Maichingen/Darmsheim
Der Oberbürgermeister informierte auch über die Ortskernsanierungen in den Teilorten:
„In Maichingen entsteht ein neuer Gebäudekomplex in der Ortsmitte mit betreuten Seniorenwohnungen, einer Arztpraxis, dem Polizeiposten und Mietwohnungen. Auch in Darmsheim wird sich das Bild des Ortskerns im Bereich Karlstraße positiv verändern.“
Bürgerstiftung/Ehrenamt
„Verantwortung für die Stadt und ihre Entwicklung zu übernehmen – das ist nicht nur Aufgabe der Kommunalpolitik, sondern auch Triebfeder für das vielfältige ehrenamtliche Engagement in unserer Stadt“, so Dr. Vöhringer.
Als besonders eindrückliches Beispiel für bürgerschaftliches Verantwortungsbewusstsein nennt er die Gründung der Bürgerstiftung: „Mit dem Stiftungskapital von rund 650.000 Euro ist ein großartiger Grundstock gelegt, um in den Schwerpunktbereichen Kinder und Jugend, Integration und Bildung schon bald gezielt innovative Projekte fördern zu können.“
Abschließend bedankte sich Dr. Vöhringer bei allen, die sich bereits jetzt in der Bürgerstiftung engagieren, insbesondere dem Stiftungsvorstand unter dem Vorsitz von Herrn Prof. Dr. Hubbert. Darüber hinaus würdigte er auch das Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger, die sich im kulturellen und sportlichen Bereich ehrenamtlich engagieren:
„Ohne das intensive Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger und das Zusammenwirken ehrenamtlicher und professioneller Kräfte wäre das bunte Sport- und Kulturleben in unserer Stadt überhaupt nicht denkbar.“
Rahmenprogramm
Bei der Begrüßung der Gäste wurde Oberbürgermeister Dr. Vöhringer von Schornsteinfeger Detlef Lissner begleitet. Musikalisch begrüßten im Foyer das Duo Tobias Götzmann und Igor Petrov sowie auf der Bühne die Musikkapelle Maichingen. Der Zauberer „Topas“ gab eine Kostprobe aus der Trickkiste, bevor die Sternsinger der Gemeinde St. Joseph die Gäste im Foyer erwarteten.
Der Erlös aus den Spenden beim Neujahrsempfang geht in diesem Jahr an den Verein für Körperbehinderte Kreis Böblingen e.V.
