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Europa rückt in Sindelfingens Mitte: Stadt richtet Europabüro ein

Dem ehemaligen französischen Wirtschafts- und Finanzminister und langjährigen Präsidenten der Europäischen Kommission Jacques Delors wird folgender Satz zugeschrieben: „Europa ist wie ein Fahrrad. Hält man es an, fällt es um.“

Tatsächlich wirkt die enorme Veränderungsdynamik der Europäischen Union auf viele Menschen eher abschreckend. Was vor rund fünfzig Jahren als loser Zusammenschluss von sechs Ländern begann, ist zu einer kaum noch zu überblickenden Unternehmung geworden. Die heutige EU umfasst 27 Staaten und eine Bevölkerung von fast 500 Millionen Menschen. 23 Amtssprachen sorgen dafür, dass einem immer größer werdenden Apparat an Übersetzern und Dolmetschern die Arbeit nie ausgehen wird. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht, mehrere Beitrittskandidaten stehen schon in den Startlöchern und wollen Teil des Binnenmarktes und der politischen Union werden.

Auch für die Städte ist Europa längst Alltag geworden. Jede Drehleiter, die heutzutage neu beschafft werden soll, muss europaweit ausgeschrieben werden. Auch die Umweltzonen, die derzeit in vielen Städten eingerichtet werden, sind der EU-Gesetzgebung geschuldet.

Die Chancen stehen im Mittelpunkt

Europa auf unnötige Vorschriften und überflüssige Bürokratie zu reduzieren, wäre jedoch nicht nur zu kurz gedacht, sondern schlicht falsch. Zunächst einmal gilt festzuhalten, dass es ganz maßgeblich der europäischen Integration zu verdanken ist, dass nach zwei Weltkriegen Frieden und Wohlstand in den meisten Regionen Europas eingekehrt ist. Und selbst wer dieses Argument mittlerweile für etwas „verstaubt“ hält, wird anerkennen müssen, dass die Europäische Union dem Einzelnen auch ganz aktuell viele Vorteile bringt: Durch den Binnenmarkt ist heute die Auswahl an Waren größer geworden und durch das sogenannte Schengen-Abkommen sind in weiten Teilen Europas die lästigen Grenzkontrollen weggefallen. Pünktlich zu den Sommerferien 2007 hat die EU durch neue Gesetze außerdem dafür gesorgt, dass die Kosten für Handy-Telefonate im Ausland deutlich gesunken sind.

Mit der Einrichtung eines eigenen Europabüros bekennt sich die Stadt Sindelfingen zu Europa und stellt gleichzeitig die Weichen dafür, dass die Chancen und Möglichkeiten der europäischen Integration künftig auch in Sindelfingen verstärkt wahrgenommen werden. „Im Interesse unserer Bürgerinnen und Bürger möchten wir an den Angeboten der Europäischen Union teilhaben und davon profitieren. Damit uns dies gelingt und wir darüber hinaus unsere Interessen selbstständig auf EU-Ebene vertreten können, ist eine Koordination der städtischen Europaarbeit unabdingbar. Das Europabüro wird die Funktion einer zentralen Informationsstelle übernehmen, die bei EU-Fördermitteln ständig am Ball bleibt und entsprechende Anträge für die Stadt Sindelfingen koordiniert.“, so der Kommentar von Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer zur Gründung des Europabüros.

Sindelfingen befindet sich dabei in guter Gesellschaft: Großstädte wie Karlsruhe, Mannheim oder Stuttgart haben bereits vor Jahren eigene Europabüros eingerichtet. Das Beispiel Sindelfingen wird deutlich machen, dass es auch für mittelgroße Städte lohnend ist, sich für und in Europa zu engagieren.

Aufgaben des Europabüros
Die Tätigkeit des Europabüros, das am 1. Januar 2008 seine Arbeit aufnahm, wird auf drei Säulen ruhen:

1. Koordination der städtischen Europaarbeit:

Das Europabüro wird wichtige EU-bezogene Informationen zügig in die Verwatung einspeisen. Dazu gehören insbesondere Informationen über die EU-Förderprogramme.

2. Europabezogene Öffentlichkeitsarbeit

Das Europabüro wird immer wieder mit Veranstaltungen – etwa im Rahmen der Europawoche – auf das Thema Europa aufmerksam machen. „Europa von unten aufbauen“ lautet das Motto. Schließlich soll Europa vor allem ein Europa der Bürgerinnen und Bürger sein und kein Europa der Vorschriften.

3. EU-Beratung für die ortsansässigen Unternehmen

Die Europäische Union bietet insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen vielfältige finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten, etwa bei der Entwicklung neuer Produkte. Zusammen mit der Wirtschaftsförderung Sindelfingen GmbH wird das Europabüro den Unternehmen einen Pfad durch den Dschungel der Förderprogramme bahnen.

Alle Bürgerinnen und Bürger sowie alle Unternehmen in Sindelfingen sind herzlich eingeladen, mit dem Europabüro Kontakt aufzunehmen.

Ansprechpartner: Anna Lenka Schlosser, Europakoordinatorin, Büro des Oberbürgermeisters, Tel. 07031/94-220
Fotos 1-2: © Europäische Kommission; 4: privat

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