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Zeitgenössische Fotokunst aus Ungarn

Eine Ausstellung „Zeitgenössische Fotokunst aus Ungarn“ wird vom 6. Juli bis 31. August in der Galerie der Stadt Sindelfingen, Marktplatz 1 gezeigt. Die Ausstellung findet in Kooperation mit dem Neuen Berliner Kunstverein und dem Mercedes-Benz Werk Sindelfingen statt, mit freundlicher Unterstützung der Mücsarnok-Kunsthalle Budapest, sowie der Allianz Kulturstiftung.


Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, den 6. Juli, 11.30 Uhr in Anwesenheit von Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer und Professor Dr. Eberhard Haller, Leiter Werk Sindelfingen der Daimler AG. Zur Ausstellung spricht Dr. Alexander Tolnay, ehemaliger Direktor des Neuen Berliner Kunstvereins.


An der Ausstellung nehmen teil: Gabriella Csoszó, Ágnes Eperjesi, Anna Fabricius, Gábor Gerhes, Tibor Gyenis, Antal Jokesz, Gábor Arion Kudász, Gegely László / Péter Rákosi, Dezsö Szabó, Lilla Szász und Lenke Szilágyi.


Die vom Neuen Berliner Kunstverein konzipierte, von Zsolt Petrányi und Alexander Tolnay kuratierte Ausstellung ist der heutigen Fotoszene Ungarns gewidmet, die erst seit kurzem ihre uneingeschränkte politische und kulturelle Unabhängigkeit wieder erlangt und ihre Isolierung von der internationalen Entwicklung überwunden hat. Wie auch seine „postkommunistischen“ Nachbarländer befindet sich Ungarn zweifelsohne in einem Übergangsstadium und einer spannenden Auseinandersetzung mit dem eigenen Erbe der politischen und künstlerischen Vergangenheit wie auch den akuten Fragestellungen der Gegenwart.


Am Beispiel von 11 ausgewählten Künstlerinnen und Künstlern der Jahrgänge 1962 bis 1980 aus der ungarischen Fotoszene wird deutlich, welche Bandbreite die künstlerische Fotografie in Ungarn in den Jahren seit dem „Fall des Eisernen Vorhangs“ gewonnen hat.

Den einen Pol bildet eine scheinbar dokumentarische Fotografie, die in den 60er Jahren schulbildend war und bis heute von bedeutenden Positionen aller Generationen vertreten wird. Sie fängt das Ungarische zwischen Puszta und Budapest in Natur, Architektur und Gesellschaft ein, hält die soziale Problematik auf dem Weg vom Sozialismus zum europäischen Kapitalismus mit all seinen positiven als auch negativen Erscheinungen fest.


Dezsö Szabó zum Beispiel gibt ihr eine besondere Wendung, indem er Modelle anhand von Katastrophenbildern aus den Massenmedien, wie Flugzeugabstürze, Terroranschläge oder Naturkatastrophen baut, um sie anschließend wahrheitsgetreu fotografisch nachzuahmen. Er will damit den Betrachter bewusst im Unklaren darüber lassen, ob es sich um einen Fotoabzug oder ein eingefrorenes Fernsehbild handelt.


Den anderen Pol markiert eine inszenierte Künstlerfotografie, deren vielfältige Varianten von der Inszenierung über tagebuchartige (Selbst-)Beobachtung bis hin zu digital manipulierten Bildern reichen. Diese orientiert sich an der allgemeinen Konzeptualisierung in der bildenden Kunst: weg vom Kanon der Moderne und hin zur fotografischen Aneignung von vorgefundenen Bildern in der Medienwelt und zur assoziativen Herstellung von autonomen Bildentwürfen. Dafür steht beispielsweise ein Künstler wie Gábor Gerhes. Dieser, der seine Laufbahn als Fotokünstler erst 1989 begann, zuvor als Gitarrist «Punk against Socialism» spielte, reduziert seine Bildanordnungen auf ein Minimum, verwendet Utensilien, die jeder kennt und die in seinen Inszenierungen wie Werbung wirken. Doch: «Es sieht aus, als hätte es Sinn, aber es hat keinen», so Gerhes.


Der dreisprachige Katalog, der in Zusammenarbeit mit der Edition Braus im Wachter Verlag GmbH, Heidelberg, erschienen ist, kostet während der Ausstellung 19 Euro.

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