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Start - Planen, Bauen + Umwelt - Stadtplanung - Entwicklung der Innenstadt

„Allem liegt ein Plan zu Grunde …“

oder

"Permanente Veränderung ist der Normalzustand einer Stadt"

Historische Stadtkarte von Sindelfingen 1831

Städte "wuchsen" nicht ungeplant aus "wilder Wurzel", auch wenn dies oft so gesagt wird. Die Anlage einer Stadt war eine gewaltige Gemeinschaftsaufgabe, die sich über Generationen erstreckte und die sich nur durch sorgfältige Planung = Vorausschau meistern ließ. Einige der damaligen Planungsentscheidungen wirken bis heute fort und sind im Stadtbild ablesbar.

Auch im mittelalterlichen Sindelfingen musste der zur Verfügung stehende Raum verteilt, gegliedert und vorausschauend genutzt werden. Mauern und Tore mussten der beabsichtigten Größe der Stadt und dem Gelände entsprechend angelegt werden, die Lage der öffentlichen Gebäude (Rathaus, Zehntscheuer, Fruchtkasten, etc.)  und der Straßen und Gassen war zu bestimmen.

Die Lage der Kirche innerhalb oder ausserhalb des Ortes war nicht zufällig. Mühlen waren für die Brotversorgung extrem wichtig und konnten nur an einem Bach mit ausreichender Wasserführung angelegt werden. Trinkwasserbrunner mussten hergestellt und mit Wasser versorgt werden. Auch die Entwässerung galt es zu organisieren.

Der Sindelfinger Stadtplan aus der Landesvermessung 1831 zeigt die kreuzförmige innere Haupterschließung, den Mauerring, den vorgelagerten Stiftsbezirk und die beiden außerhalb der Stadt liegenden Mühlen, wobei eine wegen unsicherer Wasserführung über einen Speichersee verfügt. Die überörtlichen Straßen führen nach Norden, Süden und Osten. An ihnen entlang entwickeln sich außerhalb der Mauern die Vorstädte. Die langgestreckte, teilweise bebaute Struktur im Osten der Stadt ist der ehemalige Lagerplatz  einer Ziegelei und wird als Viehmarktplatz genutzt.

Die Stadt ist noch mit einem dichten Kranz von Obst- und Krautgärten umgeben.

Historische Stadtkarte von Sindelfingen 1930 (links) und Stadtplan von 1928 (rechts)

Hundert Jahre später hat sich der Stadtkern auf den ersten Blick wenig verändert. Im Westen ist die Wurmbergstrasse erkennbar. Die Bebauung wurde entlang der nach aussen führenden Strassen angelegt, teilweise ist bereits die Anlage von Parallel- und Querstrassen erkennbar. Der Mauerring wurde entfernt, der Stadtgraben planiert und bebaut (daher Grabenstraße und Planie!). Der Ziegeleiplatz ist nun Rathausplatz. Rathaus und Gartenstraßenschule sind die größten kommunalen Gebäude. Ganz im Südwesten ist der Komplex einer Weberei/Zwirnerei/Färberei erkennbar. Ganz im Südosten der städtische Friedhof.

Auf dem rechten Plan sind im Südwesten die Daimler-Motorenwerke erkennbar. Im Südosten der unbebaute Goldberg. Schnödeneck-Siedlung und Zimmerplatz-Siedlung sind ablesbar. Die Bahnlinie schwingt sich durch das Bild, die Bahnhofstraße führt schnurgerade nach Süden zum Bahnhof Böblingen.

Historische Stadtkarte von Sindelfingen 1977

Rund 40 Jahre später ist die dargestellte Fläche fast völlig überbaut. Im Nordwesten, am Übergang zum Wohngebiet "Schleicher" ist bereits das Ergebnis der ersten grossen Stadtsanierung erkennbar: das Domo, das die Fläche eines mittelalterlichen Stadtquartiers überdeckt. Im Norden in der Bildmitte die Klostergartenschule und die Realschule, im südlichen Osten das neue Rathaus, gegenüber die Bibliothek. Wie klein jetzt das ehemalige Rathaus am Rathausplatz  wirkt ! Der Rathausplatz ist zentraler Verkehrsplatz und Omnibusbahnhof.

Stadtkarte von Sindelfingen 2007

Wiederum 30 Jahre später hat sich die Bebauung des Stadtkerns nicht wesentlich weiter verdichtet. Erkennbar ist, dass der Rathausplatz  nicht mehr Omnibusbahnhof ist, er heißt jetzt auch Marktplatz.
Nördlich des Rathauses wurde die Musikschule errichtet.

Die Entwicklung der Stadt fand in den letzten 50 Jahren außerhalb des Zentrums statt: Die Innenstadt ist umgeben von einem dichten Ring von Neubaugebieten. Die überbaute Fläche beträgt ein zig-faches des mittelalterlichen Stadtkerns, selbst das Daimler-Werk ist mehrfach grösser als das ursprüngliche Sindelfingen.

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