Sindelfinger Glaspalast wird zur Notunterkunft

Landrat Roland Bernhard: „Der Dank gilt der Stadt Sindelfingen und dem Glaspalastverein, die unserer dringenden Bitte hier nachkommen“
 
Rund 400 Menschen sollen ab 28. März im Glaspalast Unterkunft finden können

Der Bund hat damit begonnen, Flüchtlinge aus der Ukraine nach dem Königsteiner Schlüssel an die Länder zu überstellen. Den Landkreisen wurde dabei signalisiert, dass die Kapazitäten in den Landeserstaufnahmeeinrichten schnell ausgeschöpft sein werden. „Wir müssen uns deshalb auf kurzfristige Aufnahmen in größerem Umfang vorbereiten, dazu brauchen wir entsprechende Kapazitäten“, erklärt Landrat Roland Bernhard. Schon jetzt sind viele Menschen im Landkreis Böblingen angekommen und die Bereitschaft zur Aufnahme ist herausragend – sowohl seitens Privatpersonen, aber auch seitens aller Städte und Gemeinden, wie Bernhard betont.

Das Land hat nun empfohlen, von der Menge der ankommenden Menschen her in der Größenordnung einer Halle alle paar Tage zu kalkulieren. „Deshalb bin ich sehr dankbar, dass die Stadt Sindelfingen unserer dringenden Bitte nachgekommen ist, den Glaspalast als Notunterkunft zur vorläufigen Unterbringung in der Verantwortung des Landkreises nutzen zu dürfen“, so der Landrat.
Noch Ende der vergangenen Woche hatte eine gemeinsame Begehung stattgefunden, die Vorbereitungen sind bereits gestartet. Wie schon in der Sporthalle der Gottlieb-Daimler Schule sowie der Sporthalle des Berufsschulzentrums Leonberg werden nun auch im Glaspalast Schutzböden verlegt und Trennwände aufgebaut sowie die nötige Ausstattung vorbereitet. „Hierfür können wir uns einmal mehr auf den Katastrophen- bzw. Bevölkerungsschutz verlassen, der uns hier vorbildlich unterstützt“, lobt Landrat Bernhard. „Kreisbrandmeister Guido Plischek koordiniert den Aufbau und ist gemeinsam mit den Katastrophenschutz-Einheiten auch die ersten Wochen im Rahmen der Betreuung, des Sanitätsdienstes und der psycho-sozialen Nachsorge dort tätig.“
Die Vereinbarung zwischen Stadt Sindelfingen und Landkreis Böblingen sieht eine Nutzung durch den Landkreis mindestens bis Ende August dieses Jahrs vor. Schon ab 28. März soll der Glaspalast bereit sein, für Menschen aus der Ukraine im Rahmen der vorläufigen Unterbringung zur Verfügung zu stehen. Rund 400 Plätze sollen so geschaffen werden.

Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer: „In der Ukraine tobt ein brutaler Krieg. Russland greift die Ukraine völkerrechtswidrig an und scheint keine Grenzen in der Zerstörung des Landes zu kennen. Auch viele Zivilisten werden Opfer des Krieges; Frauen, Kinder und ältere Menschen sind auf der Flucht. Aktuell habe ich im Kongress im Europarat erschütternde Berichte der Kolleginnen und Kollegen aus der Ukraine gehört. Es ist unsere humanitäre Pflicht, hier mit allen Kräften zu helfen. Grenzstädte wie unsere polnische Partnerstadt Chelm kommen an ihre Belastungsgrenzen, und in Deutschland werden Flüchtlinge von den großen Ankunftspunkten aus weiterverteilt.
Ich bin daher froh, dass wir gemeinsam mit dem Landkreis den Sindelfinger Glaspalast für eine Unterbringung Geflüchteter herrichten können. Wir werden auch weiterhin Flüchtlinge direkt aus Chelm aufnehmen. Und wir möchten alle Ukrainerinnen und Ukrainer, die zu uns nach Sindelfingen in den Landkreis kommen, willkommen heißen, ihnen Sicherheit und Perspektiven geben.
Dabei setze ich auch auf die Unterstützung der Sindelfinger und Sindelfinger, und ich bin mir sicher, dass wir gemeinsam diese örtliche Herausforderung bewältigen werden“

Landrat Bernhard appelliert: „Wir benötigen alle Kapazitäten, um der Zahl an Menschen, die zu uns kommen, gerecht zu werden. Dazu sind wir alle gefordert – Landkreis, Städte und Gemeinden, und nach wie vor auch Alle, die Wohnraum zur Verfügung stellen können. Ich bin stolz und dankbar, dass wir hier eng mit der Stadt Sindelfingen zusammen arbeiten. Und ich bin zuversichtlich, dass solches auch mit den anderen Städten und Gemeinden im Kreis möglich sein kann.“ Man benötige weitere Kapazitäten, so Bernhard weiter. Dazu werde man sich im Rahmen der nächsten Zusammenkunft im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Ukraine mit den Oberbürgermeistern und Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern austauschen. „Aktuell schauen wir nicht primär darauf, wo wie verteilt werden kann, sondern darauf, dass wir einer gemeinsamen Anstrengung den Menschen aus der Ukraine ein Dach über dem Kopf bieten können“, betont Roland Bernhard.

Die Stadt und der Landkreis begrüßen eine solidarische Beteiligung des Vereins zur Pflege und Förderung des Sports im Glaspalast Sindelfingen e.V. in seiner Eigenschaft als Betreiber der Halle. Darüber hinaus stellt die Stadt ihre Unterstützung über die Sportförderung für Sportangebote mit Geflüchteten in Aussicht. Großer Dank gilt vorab bereits allen Nutzern des Glaspalastes für ihr Verständnis für die humanitäre Hilfe, die durch die Unterbringung von Geflüchteten im Glaspalast geleistet werden kann.

Wer sich weiter darüber informieren möchte, wie man den Geflüchteten aus der Ukraine weiterhelfen kann, - der Landkreis hat diese Infos auf seiner Homepage kompakt gebündelt (www.lrabb.de). Hier finden sich auch Infos zum zentralen Spendenkonto des Landkreises Böblingen, seiner Städte und Gemeinden sowie der Kreissparkasse Böblingen. Interessierte Bürgerinnen und Bürger, die Wohnraum in Sindelfingen zur Verfügung stellen können, Spenden möchten oder aktiv als Helferinnen und Helfer unterstützen wollen, können unter der E-Mail-Adresse www.ukraine-hilfe@sindelfingen.de direkt Kontakt mit der Stadtverwaltung aufnehmen.