Boden
Böden sind eine zentrale Lebensgrundlage für Menschen, Tiere, Pflanzen und unzählige Bodenorganismen. Gemeinsam mit Wasser, Sonnenlicht und Luft bilden sie die Basis allen Lebens auf der Erde. Trotz ihrer enormen Bedeutung erhalten Böden im Alltag oft nur wenig Aufmerksamkeit – dabei erfüllen sie vielfältige und unverzichtbare Funktionen.
Als schützenswertes Gut bieten Böden zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten: Sie dienen der land- und forstwirtschaftlichen Produktion, sind Rohstoffquelle, Grundlage für Siedlungen, Infrastruktur und Erholungsflächen und spielen eine entscheidende Rolle beim Schutz des Grundwassers. Durch ihre Filter-, Puffer- und Stoffumwandlungseigenschaften halten sie Schadstoffe zurück und tragen zur Reinhaltung unseres Trinkwassers bei. Böden tragen durch ihre Funktion als Kohlenstoffspeicher und -senken maßgeblich zum Schutz des Klimas bei. Darüber hinaus sind Böden Archive der Natur- und Kulturgeschichte.
Gleichzeitig ist der Boden vielfältigen Gefährdungen ausgesetzt – insbesondere durch menschliche Eingriffe. Abbau, Übernutzung, Bodenverdichtung, Versiegelung sowie der Flächenverbrauch durch Bautätigkeiten und Infrastrukturmaßnahmen setzen die Ressource Boden zunehmend unter Druck. In Baden-Württemberg gehen täglich rund 5 Hektar Boden verloren – das entspricht etwa 7 Fußballfeldern (Umweltportal BW, 2022).
Bodenschutz
Bodenschutz
Um die zunehmenden Gefährdungen des „Schutzguts Boden“ entgegenzuwirken, ist ein gefahrenbezogener als auch vorsorgender Bodenschutz unerlässlich. Der gefahrenbezogene Bodenschutz befasst sich mit bereits bestehenden oder konkret drohenden Bodenbelastungen. Dazu zählen schädliche Veränderungen durch Schad- und Fremdstoffe sowie durch Bodenverdichtung, etwa infolge unsachgemäßer Aufschüttungen, Lagerungen oder des unerlaubten Einbringens von Chemikalien. Zur Klärung des Belastungsumfangs werden Bodenuntersuchungen durchgeführt und darauf aufbauend notwendige Maßnahmen festgelegt.
Beim vorsorgenden Bodenschutz steht die Vermeidung zukünftiger Beeinträchtigungen im Vordergrund. Bodenschutzaspekte werden systematisch in Planungsprozesse wie Flächennutzungs- und Bebauungspläne, Planfeststellungsverfahren sowie Bauprojekte eingebunden. Ziel ist ein flächensparender und bodenschonender Umgang. Hierfür kommen Instrumente wie nachhaltige Managementsysteme und Bodenschutzkonzepte zum Einsatz.
Das Bundesbodenschutzgesetz (BBodSchG) und die Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) geben Regeln und Pflichten zum schonenden Umgang mit dem Schutzgut Boden vor. Neben technischen Regeln ist beim Umgang mit Aushub, Lagerung und Wiederverwendung von Boden die anerkannte gute fachliche Praxis anzuwenden. Darunter fällt zum Beispiel, dass nur bei ausreichend abgetrockneten Bodenverhältnissen gearbeitet wird, zum Überfahren Matten o.ä. verwendet werden oder Bodenaushub nach Ober- und Unterboden getrennt, locker und auf zwei Meter Höhe begrenzt gelagert wird. Bei einem Aushubvolumen ab 500 m³ ist nach dem Landeskreislaufwirtschaftsgesetz (LKreiWiG) vom Bauherrn ein Bodenverwertungskonzept vorzulegen.
Im Stadtgebiet von Sindelfingen befinden sich u.a. auch hochwertige Lößlehmböden, welche hervorragende Filter-, Puffer- und Stoffumwandlungseigenschaften aufweisen. Bei weiterem Interesse hierzu empfehlen wir die Karten des Landesamts für Geologie, Rohstoffe und Bergbau sowie die Seiten der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW).
Altlasten
Altlasten
Altlasten sind Flächen, auf denen - durch frühere Nutzungen - umweltschädliche Stoffe gelagert, verarbeitet oder entsorgt wurden und dadurch Boden und/oder Grundwasser schädliche Belastungen zugeführt wurden.
Man unterscheidet nach Art der Nutzung zwischen Altstandorten und Altablagerungen. Altstandorte sind Flächen wie ehemalige Fabriken, Werkstätten oder Tankstellen, die durch ihre frühere Nutzung belastet wurden. Altablagerungen sind hingegen Flächen wie Deponien oder Schuttplätze, auf denen Abfälle oder Materialien abgelagert wurden.
Darüber hinaus unterscheidet man zwischen Verdachtsflächen, Altlasten im engeren Sinne und Sanierten Altlasten. Verdachtsflächen sind Flächen, bei denen Hinweise auf schädliche Bodenveränderungen bestehen, aber noch keine Untersuchung vorliegt. Flächen, bei denen eine konkrete Belastung nachgewiesen wurde, handelt es sich um eine Altlast im engeren Sinne, die überwacht oder saniert werden muss. Ist eine Altlast saniert worden und z.B. für eine Bebauung wieder uneingeschränkt nutzbar, fällt sie unter die Kategorie sanierte Altlasten.
Für die Erfassung und Kartierung von Altlasten ist das Landratsamt Böblingen als untere Bodenschutz- und Altlastenbehörde zuständig. Auskünfte aus dem Altlastenkataster können dort direkt beantragt werden. Zudem erhalten Bauherren, Eigentümer als auch Grundstückserwerber beim Kauf oder Verkauf von Grundstücken wichtige Informationen zu möglichen Altlasten.
Für die Erfassung und Kartierung von Altlasten ist das Landratsamt Böblingen als untere Bodenschutz- und Altlastenbehörde zuständig. Auskünfte aus dem Altlastenkataster können dort direkt beantragt werden. Zudem erhalten Bauherren, Eigentümer als auch Grundstückserwerber beim Kauf oder Verkauf von Grundstücken wichtige Informationen zu möglichen Altlasten.
Auf Sindelfinger Gemarkung befinden sich eine Vielzahl von Altlastenverdachtsflächen, bearbeitete Altlastenflächen und Altablagerungen. Die Stadt Sindelfingen betreibt ein aktives kommunales Altlastenmanagement, durch das Verdachtsflächen systematisch erkundet, überwacht und bei Bedarf saniert werden.
Ein anschauliches Beispiel ist das Wohn- und Geschäftshaus „Kubus“ in der Unteren Vorstadt 7. Das Gebäude steht auf dem Gelände einer ehemaligen chemischen Reinigung, in dessen Untergrund Lösungsmittel gelangten. Nach erfolgreicher Sanierung ist das Gelände heute uneingeschränkt bebaubar und hat sich zu einem attraktiven Standort in der Innenstadt entwickelt.
Baugrund
Baugrund
Die Zusammensetzung des Baugrunds bestimmt die Baukosten bei Neubau von Gebäuden in entscheidender Weise mit. Ein stabiler Baugrund, wie der in Sindelfingen weit verbreitete Ton- und Mergelstein sowie die tiefgründigen Böden aus Lösslehm erfordern in der Regel keine kostenintensive Gebäudesicherungsmaßnahmen.
Gleichzeitig sind auch – vorwiegend im Sindelfinger Kernstadtbereich – wechselnde geologische Bodenformationen vorhanden. Hier sind keine einheitlichen Baugrundzusammensetzungen gegeben, sodass hier für jede Neubebauung ein geotechnisches Baugrundgutachten benötigt wird.
Da in Sindelfingen die Zusammensetzung des Baugrunds auf sehr engem Raum häufig wechselt, wird von der Stadt, dem Tiefbauamt und dem Vermessungsamt eine Baugrunddatenbank geführt und kontinuierlich aktualisiert. Diese enthält u. a. Bohrungen und oberflächennahe Erkundungen (Sondierungen).
Karten und Daten zu Geologie und Bodenkunde sowie Bohrdaten können Sie auf den Karten des Landesamts für Geologie, Rohstoffe und Bergbau einsehen.
