Kommunaler Wärmeplan
Kommunale Wärmeplanung Stadt Sindelfingen 2024
Grundlagen für eine nachhaltige und klimaneutrale Wärmewende
Die Stadt Sindelfingen verfolgt mit der Erstellung des kommunalen Wärmeplans das Ziel, eine belastbare und umfassende Entscheidungsgrundlage für die lokale Wärmewende zu schaffen, gemäß den Anforderungen des Klimaschutzgesetzes Baden-Württemberg (§ 7c KsG BW bzw. § 34 Abs. 2 KlimaG BW).
Ziel und Bedeutung der Wärmeplanung
Der kommunale Wärmeplan soll für die Gestaltung der Wärmewende vor Ort die Grundlagen liefern. Er bildet die Situation vor Ort im Wärmesektor ab und prüft für die Zukunft Möglichkeiten zur Umgestaltung und Weiterentwicklung von Infrastrukturen. Er zeigt Einsparpotentiale, Potentiale der erneuerbaren Energien sowie Transport- und Speichermöglichkeiten von Wärme durch Fernwärmenetze auf. Der Wärmeplan ist damit ein wichtiges Werkzeug der kommunalen Stadtentwicklung.
Der kommunale Wärmeplan der Stadt Sindelfingen besteht aus den Teilen Bestandsanalyse, Potentialanalyse, Verbrauchs- und Versorgungsszenario, Wärmewendestrategie und Schwerpunktsetzung mit Maßnahmen bis 2030.
Zentrale Säulen der Wärmewende
Zentrale Säulen für eine erfolgreiche Wärmewende sind zum einen die Senkung des Gesamtbedarfs an Wärme durch Effizienzmaßnahmen an Gebäuden und die Optimierung von Heizsystemen und zum anderen die Umstellung auf erneuerbare Energien in der Wärmeversorgung.
Bestandsanalyse
Bestandsanalyse
Die Analyse zeigt, dass die Wärmeversorgung in Sindelfingen derzeit noch stark fossil geprägt ist. Rund 50 % der Wärmeerzeugung erfolgt über Erdgas, weitere 16 % über Heizöl. Der Fernwärmeanteil liegt mit etwa 30 % deutlich über dem Bundesdurchschnitt von rund 14 %. Erneuerbare Wärmequellen wie Umweltwärme und Strom tragen bislang etwa 4 % bei, Holz und Biomasse rund 3 %. Gleichzeitig sind rund 20 % der Heizungsanlagen älter als 30 Jahre und damit dringend erneuerungsbedürftig; weitere etwa 20 % sind über 20 Jahre alt.
Potentiale für eine klimafreundliche Wärmeversorgung
Potentiale für eine klimafreundliche Wärmeversorgung
Für die zukünftige Wärmeversorgung wurden umfangreiche Potentiale identifiziert. Besonders relevant sind solare Flächenpotentiale auf Dächern von Wohn- und Gewerbegebäuden, Industriehallen sowie auf öffentlichen und privaten Parkplätzen. Diese können sowohl für Solarthermie als auch für Photovoltaik zur Stromerzeugung für Wärmepumpen genutzt werden. Weitere konkrete Potentiale liegen in der Nutzung von Abwärme aus dem Abwassersystem und der Kläranlage, der geplanten energetischen Verwertung von Klärschlamm im Klärschlammheizkraftwerk sowie der Biogaserzeugung in einer Bioabfallvergärungsanlage auf der Dachsklinge. Das größte Einsparpotential ergibt sich jedoch aus der energetischen Sanierung des Gebäudebestands, insbesondere durch Dämmmaßnahmen.
Verbrauchs- und Versorgungsszenario
Verbrauchs- und Versorgungsszenario
Für die zukünftige Wärmeversorgung wurden zwei Szenarien entwickelt. Hierbei werden zwei Szenarien betrachtet. Das erste geht von einem besonders ambitionierten Ausbau der Fernwärme aus. Hier stellt vor allem die Umstellung auf klimaneutrale Quellen für die Fernwärme eine große Herausforderung dar.
Im zweiten Szenario wird von einem etwas geringeren Anteil der Fernwärme ausgegangen, was den flächendeckenderen Einsatz von Wärmepumpen und damit erhöhten Ausbaubedarf bei erneuerbaren Stromquellen wie Photovoltaik und Windkraft sowie des Stromnetzes erfordert.
Dazu werden Eignungsgebiete für dezentrale und zentrale Wärmeversorgung ausgewiesen.
Strategie und Umsetzung der Wärmewende
Strategie und Umsetzung der Wärmewende
Die Wärmewendestrategie der Stadt Sindelfingen basiert auf sechs zentralen Säulen: der Beschleunigung der Gebäudesanierung, der gezielten Lenkung der Heizungsumstellung in Gebieten mit dezentraler Versorgung, dem Aufbau von Quartierslösungen zur gemeinsamen Wärmeversorgung, dem Ausbau und der Verdichtung der Fernwärme, der Transformation der Fernwärmeerzeugung sowie einem aktiven Flächenmanagement für den Ausbau erneuerbarer Energien.
Schwerpunktsetzung mit Maßnahmen bis 2030
Schwerpunktsetzung mit Maßnahmen bis 2030
Die Umsetzung des kommunalen Wärmeplans erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den Stadtwerke Sindelfingen, der Energieagentur Kreis Böblingen, den Wohnstätten Sindelfingen, dem Eigenbetrieb Stadtentwässerung, den Schornsteinfegern sowie weiteren Akteuren der Stadtgesellschaft. Der Wärmeplan dient dabei als zentrales Steuerungsinstrument für Investitionen, Projekte und Entscheidungen auf dem Weg zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung in Sindelfingen.
Zur Umsetzung dieser strategischen Ziele wurden im kommunalen Wärmeplan sechs prioritäre Schwerpunkte definiert. Die zugehörigen Maßnahmen sollen schrittweise bis zum Jahr 2030 umgesetzt werden. Sie richten sich insbesondere an die Stadtverwaltung und die Stadtwerke, beziehen jedoch ausdrücklich auch weitere Akteure der Stadtgesellschaft mit ein.
Tabelle Umsetzung von Maßnahmen (PDF-Dokument, 148,49 KB)
M1 – Vorbildwirkung der Stadt ausbauen, Gebäude, Infrastruktur und öffentliche Flächen aktivieren
Schwerpunkte bis 2030: Endenergieverbrauch städtischer Liegenschaften reduzieren und wo möglich an Fernwärme anschließen. PV-Anlagen auf Dachflächen ausbauen, PV auf Parkplatzflächen realisieren.
M2 – Bereitstellung von privaten und öffentlichen Flächen und Infrastruktur für die Wärmewende
Schwerpunkte bis 2030: Ausbau von Solarthermie und PV-Anlagen auf privaten Dächern und Parkplatzflächen sowie Ausbau zentraler Energieversorgungsanlagen für Mikronetze und Quartierslösungen.
M3 – Verpflichtung der städtischen Unternehmen und Zweckverbände auf das Ziel Klimaneutralität 2040
Schwerpunkte bis 2030: Festlegung einheitlicher Ziel- und Umsetzungsvereinbarung zwischen Stadt, Eigenbetrieben, Zweckverbänden und kommunalen Unternehmen sowie kontinuierliche Umsetzung dieser Zielsetzung.
M4 – Dekarbonisierung der Fernwärme
Schwerpunkte bis 2030: Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien in der Fernwärme und weitgehende Dekarbonisierung der Fernwärme bis 2040.
M5 – Entwicklung eines klimaneutralen Pilotquartiers im Hinterweil bis 2035
Schwerpunkte bis 2030: Umsetzung von Pilotprojekten, intensive Beratungen und Begleitung und Verbreitung der Erfahrungen auf die Gesamtstadt.
M6 – Organisatorische Verankerung der Wärmeplanung
Schwerpunkte bis 2030: Implementierung der Ergebnisse des Wärmeplans in den betroffenen Verwaltungsbereichen.

