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Vortrag und Dialogführung
Erstelldatum02.10.2026
in der Galerie Stadt Sindelfingen
Zum Abschluss der Ausstellung „online since 1996“ der Netzkünstlerin und Net-Art-Pionierin Olia Lialina lädt die Galerie am Freitag, 9. Oktober 2026, um 19 Uhr zu einem Vortrag von Marloes de Valk sowie am Sonntag, 11. Oktober 2026, um 15 Uhr zu einer Dialogführung mit Olia Lialina und der kuratorischen Assistentin der Galerie, Roberta Čebatavičiūtė, ein. Der Eintritt in die Galerie sowie die Teilnahme an beiden Veranstaltungen sind kostenfrei.
Vortrag: „Die Lords des KI-Mülls: Warum die Geschichte des Internets keine Heldenreise ist“ (in englischer Sprache)
Am Freitag, 9. Oktober, um 19 Uhr beleuchtet die niederländische Softwarekünstlerin und Schriftstellerin Marloes de Valk die Geschichte des Internets aus einer ungewohnten Perspektive.
Wenn es einen Ring gäbe, der alle beherrscht, dann wäre es kein Webring. So gerne sich Technologieunternehmen und ihre Führungspersönlichkeiten als Helden darstellen: Die Geschichte des Internets endet nicht wie ein Fantasy-Abenteuer mit einer glücklichen Rückkehr ins Auenland. Stattdessen führt sie zu steigenden CO₂-Emissionen und zu riesigen Rechenzentren, aus denen schwarzer Rauch aufsteigt. Der in englischer Sprache gehaltene Vortrag von Marloes de Valk betrachtet die Geschichte des Internets deshalb nicht als klassische Heldenreise, sondern als ein Geflecht vieler unterschiedlicher Netzwerke – einige sind längst verschwunden, andere noch im Aufbau. Viele davon bieten menschlichere und weniger dystopische Formen der Kommunikation als die heutigen „Lords“ des KI-Mülls.
Dialogführung mit Olia Lialina und Roberta Čebatavičiūtė
Am Sonntag, 11. Oktober, um 15 Uhr bietet die Galerie im Rahmen einer Dialogführung die Gelegenheit, die Ausstellung gemeinsam mit Olia Lialina zu entdecken. Im direkten Austausch mit der Künstlerin und der kuratorischen Assistentin Roberta Čebatavičiūtė erhalten die Besucherinnen und Besucher Einblicke in die künstlerischen Überlegungen hinter den ausgestellten Arbeiten und erfahren mehr über die Entstehung einzelner Werke. Auch eigene Fragen an die Künstlerin sind ausdrücklich willkommen.
Olia Lialina: Pionierin der Netzkunst
Als Teil der ersten Generation von Net-Art-Künstlerinnen und -Künstlern, nutzte Lialina von Beginn an die technischen Komponenten des Internets, um browserbasierte Arbeiten zu schaffen, die maßgeblich zur Etablierung eines vollkommen neuen künstlerischen Mediums und einer neuen Immaterialität in der Kunst beitrugen. Schon früh erforschte sie sowohl dessen erzählerischen Möglichkeiten als auch die Erscheinungen einer Online-Kultur, die gerade erst im Begriff war sich zu formieren und die eigenen Strukturen und Daseinsformen zu entwickeln. Wie eine digitale Archäologin archiviert und konserviert sie in vielen Werken und Serien die ästhetischen Potentiale dieser Anfänge.
Ihre Arbeiten zeigen, dass das Web zunächst ein heterogener, demokratischer Raum war, der die Kreativität der Nutzerinnen und Nutzer sowie individuelle Ausdrucksweisen gleichermaßen herausforderte und ermöglichte. Erst die Vereinnahmung durch kommerzielle Interessen, verbunden mit der Prämisse der „Nutzerfreundlichkeit“, führte zu jenen glatten Benutzeroberflächen, die das Internet, wie wir es heute kennen, prägen.
In Olia Lialinas Praxis schwingt somit stets eine medienkritische Dimension mit, die offenlegt, was für gewöhnlich im Verborgenen bleibt. Ihre Werke sind auch ein Plädoyer an uns Nutzerinnen und Nutzer, uns selbst zu ermächtigen und die technischen Mechanismen hinter digitalen Benutzeroberflächen zu verstehen, um uns so den freien und dezentralen Charakter des World Wide Web wieder anzueignen.

