Historische Pfade: Ein Rundgang durch die Vergangenheit
Stadtgeschichtlicher Weg Sindelfingen
Hier finden Sie all unsere Standorte übersichtlich aufgelistet.
Mittleres Rathaus
Mittleres Rathaus
Als das Alte Rathaus baufällig und zu klein geworden war, wagte man mit dem Neubau 1843-1845 für die damals 4.000 Einwohner zählende Stadt einen mutigen Schritt: Das politische Zentrum wurde in der Hoffnung auf ein künftiges Wachstum Sindelfingens bewusst aus der Altstadt heraus verlegt.
Durch den Abriss des städtischen Schafstalls wurde erstmals ein großer Marktplatz geschaffen und das Rathaus als repräsentatives Gebäude im klassizistischen Stil errichtet. Das Rathaus erlitt 1944 Bombenschäden. Nach einem Brand 1948 wurde es 1949 mit höherem Dach wieder aufgebaut. Als Rathaus diente das Gebäude bis 1970, danach waren darin die Polizeiwache und die Stadtkasse untergebracht.
Heute wird das ehemalige Rathaus von der Galerie der Stadt Sindelfingen genutzt, außerdem befindet sich darin der „i-Punkt“ als Touristeninformation.
Galerie mit Oktogon
Galerie mit Oktogon
Das Mittlere Rathaus von 1843-1845 beherbergt heute die Galerie der Stadt Sindelfingen.
Diese wurde 1990 als Museum für moderne und zeitgenössische Kunst eröffnet. Zu diesem Zweck war das klassizistische Gebäude 1987-1990 von dem Berliner Architekten Josef Paul Kleihues umgestaltet und mit einem postmodernen oktogonalen Anbau versehen worden. Anlass war der Erwerb der bedeutenden Kunstsammlung des Diethelm Lütze durch die Stadt 1986. Sie umfasst mehr als 1.200 Werke aus den Bereichen Malerei, Bildhauerei und Grafik mit Schwerpunkt auf der süddeutschen Kunst des späten 19. und des 20. Jahrhunderts.
Die Stadt erweitert ihre Sammlung fortlaufend. Es finden regelmäßig Ausstellungen und Veranstaltungen vor allem zu zeitgenössischer Kunst statt.
Stadtbibliothek
Stadtbibliothek
Schon seit 1910 besitzt Sindelfingen eine Stadtbibliothek. Bis 1970 war sie beengt im mittelalterlichen Alten Rathaus untergebracht.
Gleichzeitig mit dem Bau des Neuen Rathauses wurde auch das neue Gebäude der Stadtbibliothek 1970 fertiggestellt. Hier hatte vorher die Städtische Festhalle gestanden. Die Stuttgarter Architekten Reiner Graf, Max Speidel und Wolf Maier entwarfen die Stadtbibliothek als Sichtbetonbau mit großen Glasflächen im Baustil des sogenannten „Brutalismus“ (von frz. „béton brut“ = roher Beton). Das ausladende geschwungene Dachgesims erinnert an Bauten des Architekten Le Corbusier.
Im Inneren überraschen die ungewöhnlichen, futuristisch wirkenden Deckenleuchten.
Neben dem reinen Lesebetrieb ist die Stadtbibliothek durch ihre zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen ein wichtiges Element des Sindelfinger Kulturlebens.
Armesünder-Friedhof
Armesünder-Friedhof
Nachdem der Kirchhof an der Martinskirche nicht mehr genügend Platz bot, wurde hier ab 1570 ein zweiter Friedhof angelegt. Vermutlich stand an dieser Stelle am Ufer des Sees im Mittelalter eine Marienkapelle.
Im 18. Jahrhundert nannte man den zweiten Friedhof „Armesünderkirchhof“. Das bedeutet, dass hier die Menschen begraben wurden, denen ein christliches Begräbnis verwehrt blieb: hingerichtete Verbrecher, Selbstmörder und Ungetaufte. Im Jahr 1688 bestattete man dort auch 17 Franzosen in einem Massengrab, die, nachdem sie in Stuttgart und Sindelfingen geplündert hatten, im hiesigen Rathaus von kaiserlichen Soldaten getötet worden waren. Ein Teil des Friedhofsgeländes wurde 1815 an privat verkauft und überbaut.
Klostersee
Klostersee
Der ehemals 450 Meter lange „Klostersee“ verdankt diesen Namen nur seiner Nähe zum Stiftsbezirk. Vielleicht gab es ihn schon bei der Stadtgründung 1263, oder er wurde danach zu Verteidigungszwecken angestaut.
Der See war im Besitz der jeweiligen Stadtherren, zuletzt bis 1741 in dem der Herrschaft Württemberg. Danach wurde er stets dem Seemüller übereignet. Die Seemühle bestand ab etwa 1475. Im 19. Jahrhundert war vor allem für die Brauereien die Eisgewinnung im See wichtig. Seemüller Kienle eröffnete hier 1927 ein Freibad. Ab 1930 war die Seemühle außer Betrieb; das Gebäude wurde 1976 abgebrochen.
1958 kam der See in städtischen Besitz. 1990 wurde das Gelände für die Landesgartenschau umgestaltet.
Klostergartenmauer
Klostergartenmauer
Nach Verlegung des Chorherrenstifts an der Martinskirche nach Tübingen wurde 1477 auf Betreiben von Graf Eberhard im Bart und seiner Mutter Mechthild von der Pfalz ein Augustiner-Chorherrenstift angesiedelt (daran erinnert ein Relief in der Martinskirche).
Diese strenge geistliche Gemeinschaft hatte den Charakter eines Klosters und bestand bis 1536. Die Augustiner-Chorherren errichteten bald nach 1477 eine Mauer, die die Klostergebäude umschloss und von der noch große Teile erhalten sind. Der Klosterbezirk umfasste nur rund die Hälfte des früheren Stiftsbezirks. In der Nähe der Kirche sind in der Klostermauer noch Spuren des ehemaligen „Helferhauses“, d.h. des Hauses des zweiten Stadtpfarrers, erkennbar, das von 1664 bis ca. 1905 dort stand.
Im 19. Jahrhundert wurden an die Mauer kleine Weberhäuschen angebaut, die inzwischen abgerissen sind.
Martinskirche
Martinskirche
Die Martinskirche ließ Graf Adalbert II. von Calw für das von ihm 1066 gegründete Chorherrenstift als dreischiffige Basilika mit Hochchor und Krypta (Unterkirche) errichten. Für 1083 ist eine Weihe überliefert. Der Turm stand ursprünglich frei. Darin verbaute Holzteile wurden auf 1085 datiert. 1100 erfolgte die Weihe der Krypta, 1132 wurde das bestehende Dachwerk gezimmert (eines der ältesten Beispiele in Deutschland), 1270 Neubau der Sakristei. Seit der Gründung der Stadt diente die Stiftskirche auch als Pfarrkirche für Sindelfingen; innerhalb der Stadtmauern wurde keine Kirche erbaut.
Nach der Reformation 1576/77 erfolgte der Abbruch des Hochchors und die Planierung der Krypta. Bei der Restaurierung der Martinskirche 1863-69 durch den Architekten Christian Friedrich von Leins wurde die ehemalige Michaelskapelle an der Südseite abgebrochen. Damals entfernte man auch die nachmittelalterliche Ausstattung der Kirche. Die heutige Innengestaltung stammt von 1933 und 1973. Beachtenswert ist das Sandsteinrelief von 1477 mit Bildnissen von Eberhard im Bart und seiner Mutter Mechthild von der Pfalz.
Martinskirche: Chor
Martinskirche: Chor
Die Sindelfinger Martinskirche, erbaut zwischen 1066 und 1132, ist eine der bedeutendsten romanischen Kirchen im deutschen Südwesten. 1925 wurde durch die Entfernung des Außenputzes das Mauerwerk freigelegt.
Die dreischiffige Struktur des Kirchenschiffs setzt sich in den drei Apsiden des Chors fort. Deren Wände sind außen durch „vorgeblendete“ Rundbögen gegliedert. Ähnliche Wandgestaltungen finden sich an romanischen Kirchen in der Lombardei (Provinz Como).
Die kleinen, heute zugemauerten Fenster im unteren Wandbereich belichteten früher die Krypta (Unterkirche), die nach der Reformation 1576/77 eingeebnet wurde. In der Wand der linken (südlichen) Apsis wurden vermutlich bei der Renovierung 1863-68 zwei Grabsteine oder Gedenktafeln (von 1590 und 1676) eingemauert. An der rechten (nördlichen) Apsis ist ein nach der Reformation zusätzlich eingebrochener, inzwischen wieder vermauerter Eingang erkennbar. Rechts an den Chor schließt sich die 1270 erneuerte Sakristei mit den drei ungewöhnlich schmalen gotischen Spitzbogenfenstern an.
Martinskirche: Tür mit Löwenkopf
Martinskirche: Tür mit Löwenkopf
Die Eisen- und Bronzebeschläge der Tür stammen aus dem 12. Jahrhundert. Ursprünglich befand sich die Tür am Südeingang der Kirche. Von dort wurde sie 1863 hierher versetzt, als die Kirchenvorhalle mit Kapelle abgerissen wurde. Vermutlich war diese Vorhalle als Gerichtsstätte genutzt worden.
Die Ornamentik um den plastischen Löwenkopf erinnert an einen Rundschild. Der Schild ist Abwehr- und Schutzsymbol; der Löwe verkörpert Christus und Stärke. Durch das Ergreifen des Rings im Löwenmaul konnten Verfolgte Kirchenasyl erlangen oder man schwor daran Eide. Die Kapelle über der Vorhalle war dem Erzengel Michael geweiht, was ebenfalls auf eine Schutz- und Gerichtsfunktion hindeutet: Michael besiegt laut der biblischen Apokalypse den Teufel und fungiert beim Weltgericht als Seelenwäger.
Propstei
Propstei
Dieses Haus ließ der Sindelfinger Chorherr Heinrich Tegen 1420/21 neu errichten. Er hatte in Wien und Bologna studiert, war Doktor des Kirchenrechts und Ratgeber der Grafen von Württemberg.
Ab 1433, nach seiner Wahl zum Propst (Vorsteher des Stifts), wurde es die Wohnung des jeweiligen Propstes. Ursprünglich hatte das Gebäude einen zweigeschossigen Steinsockel. Auf der Gartenseite ist darin eine Schießscharte zu sehen. Vermutlich wurde eine ältere Mauer des Stiftsbezirks in das Gebäude einbezogen. Nach Auflösung des Stifts 1536 waren hier Wohnungen für hohe Beamte (Schultheiß, Vogt, Oberamtmann) sowie verschiedene Ämter (Kameral-, Finanz-, Schulamt) untergebracht.
Direkt neben dem Haus ist noch die Klosterpforte erhalten, die einst Einlass in den Klosterbezirk gewährte.
Klosterbibliothek
Klosterbibliothek
Zwischen Propstei und Kirche entstand 1518 dieser Anbau, in dem sich vermutlich die Bibliothek der Stiftsherren befand.
Von den Buchbeständen des Stifts haben sich nur wenige Bände erhalten, die sich heute in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart und in der Universitätsbibliothek Tübingen befinden. Das Sindelfinger Stadtmuseum bewahrt mehrere Pergament-Einzelblätter aus dem Stift, darunter zwei Notenblätter. Sie waren in späterer Zeit zum Einbinden von städtischen Rechnungen verwendet worden.
Bei Ausgrabungen konnte unter dem Gebäude ein zugeschütteter großer Keller eines Vorgängerbaus nachgewiesen werden. Darin wurden Überreste großer Vorratsgefäße sowie ein interessanter kleiner Backmodel gefunden, von dem eine Nachbildung im Stadtmuseum ausgestellt ist.
Geistliche Verwaltung
Geistliche Verwaltung
An der Stelle eines alten Stiftsgebäudes wurde dieses Haus um 1620 erbaut und war bis 1807 der Sitz des Geistlichen Verwalters. Er hatte die Aufgabe, für den Herzog die Erträge aus den ehemals geistlichen Besitzungen einzuziehen, die bei der Reformation in dessen Besitz übergegangen waren.
1807 wurde das Gebäude dann an privat verkauft, und 1860 erwarb es Johann Jakob Burger, der eine Leinwandhandlung betrieb. Diese bestand hier über vier Generationen. Beim „Leinenburger“ konnten die Sindelfinger bis in die 1950er-Jahre aus einem breiten Sortiment an Textilien für Alltag und Aussteuer wählen und einkaufen.
1972 erwarb die Stadt Sindelfingen das Haus und baute es zur Familien-Bildungsstätte um.
Chorherrenhaus
Chorherrenhaus
An der Stelle eines alten Stiftsgebäudes wurde dieses Haus um 1620 erbaut und war bis 1807 der Sitz des Geistlichen Verwalters. Er hatte die Aufgabe, für den Herzog die Erträge aus den ehemals geistlichen Besitzungen einzuziehen, die bei der Reformation in dessen Besitz übergegangen waren.
1807 wurde das Gebäude dann an privat verkauft, und 1860 erwarb es Johann Jakob Burger, der eine Leinwandhandlung betrieb. Diese bestand hier über vier Generationen. Beim „Leinenburger“ konnten die Sindelfinger bis in die 1950er-Jahre aus einem breiten Sortiment an Textilien für Alltag und Aussteuer wählen und einkaufen.
1972 erwarb die Stadt Sindelfingen das Haus und baute es zur Familien-Bildungsstätte um.
Alte Webschule
Alte Webschule
Weberei und Textilindustrie haben in Sindelfingen eine lange Tradition. 1890 gab es hier 340 (!) selbständige Webmeister. Zur Förderung dieses lokalen Gewerbes ließ die Stadt das Haus 1900 als Web- und Zeichenschule errichten.
Zur damaligen Zeit war der markante Backsteinbau mit Elementen aus Jugendstil und Historismus eines der modernsten Gebäude der Stadt. Die Webschule hatte aufgrund einer Reihe von engagierten Schulleitern einen ausgezeichneten Ruf und wurde auch von vielen Auswärtigen besucht. 1976 zog die Webschule in die Gottlieb-Daimler-Schule um. Seitdem befindet sich hier das „Haus der Handweberei“. Die Interessengemeinschaft Handweberei e.V. strebt die Bewahrung überlieferter Handwerkstechniken an und veranstaltet vielfältige Fachkurse. Parallel dazu präsentiert das Webereimuseum seit 2000 die historische Bedeutung der Weberei für die Stadtgeschichte.
Die Handweberei wurde 2023 in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
Alter Marktplatz
Alter Marktplatz
Der frühere Sindelfinger Marktplatz lag nicht innerhalb der Stadtmauern, sondern zwischen Stiftsbezirk und Oberem Tor. Hier stand die „Metzel“, in der die Metzger ihre Waren feilboten, und die Brotlaube der Bäcker. Der einzige laufende Brunnen der Innenstadt wurde 1544 angelegt und trug bis 1919 als Bekrönung eine Herzogsfigur. An Stelle der verwitterten Statue ließ die Stadt 1927 die Figurengruppe „Das Geheimnis“ (genannt „Die Schwätzweiber“) anfertigen. Die Köpfe und Sprüche an der Säule stehen für vier verschiedene Menschentypen nach der antiken Temperamentenlehre. Der Entwurf stammt von dem Stuttgarter Bildhauer Josef Zeitler.
Das 1803 erbaute Haus hinter dem Brunnen erwarb 1830 Panagiot Wergo junior. Er stammte aus einer großbürgerlichen griechisch-deutschen Familie und war zunächst wie sein Vater als Kaufmann in Stuttgart tätig. In Sindelfingen handelte Panagiot Wergo mit Garn, Farben, Porzellan, Glas und Gewürzen. Von 1902 bis 1971 hatte die Familie Hagenlocher mit ihrer Eisen- und Haushaltswarenhandlung ihren Sitz in diesem Haus. Heute werden die oberen Geschosse vom „Haus der Familie“ genutzt.
Ämter und Schulen
Ämter und Schulen
Rund um den alten Marktplatz war bis in das 19. Jahrhundert ein Mittelpunkt des städtischen Lebens. Hier standen mehrere Amtsgebäude: die Geistliche Verwaltung, die Propstei als Sitz des Vogtes und später als Königliches Kameralamt sowie das Kellereigebäude der Universität Tübingen im sogenannten „Storchenhaus“.
Schon zu Zeiten des Chorherrenstifts gab es hier eine Lateinschule, die nach der Reformation weiter bestand. 1560 kam eine deutsche Schule dazu. Dieses Gebäude wurde 1790 als lateinische, deutsche und „Mägdleinschule“ erbaut. Auch die Lehrer wohnten im gleichen Haus. Es beherbergte von 1897-1940 die Realschule. In der Nähe befanden sich zudem bis in neuere Zeit die Gastwirtschaften Hirsch, Rössle und Lichtenstein.
Firstständerhaus
Firstständerhaus
Das 1448 errichtete Gebäude vertritt als Firstständerbau eine vor allem im dörflichen Fachwerkbau und gerade im Umfeld von Sindelfingen häufig nachweisbare Bauform, die jedoch durch die vielen Abbrüche von Fachwerkhäusern in den vergangenen Jahrzehnten selten geworden ist. Die tragenden Ständer und die den Dachfirst tragenden Firstständer sind bei diesem Haus als durchgängige Konstruktion von der Schwelle bis zum Dach ausgeführt. Außer Sparren enthält die Dachkonstruktion auch sogenannte „Rofen“. Die zweigeschossige Konstruktion bis zur Dachtraufe des Sindelfinger Hauses ist eine Besonderheit innerhalb dieser auch „Hochfirstgerüst“ genannten Bauform.
1984 wurde das Fachwerkhaus in der Oberen Vorstadt 33 abgebrochen und 1988/89 hierher versetzt. Das Haus gehörte wohl zu einer Gruppe von Häusern im Stiftsbezirk, die dem Stift zinspflichtig waren und wurde von ärmeren Menschen bewohnt.
Stadtmauer – Schaffhauser Platz
Stadtmauer – Schaffhauser Platz
Die 1263 von Pfalzgraf Rudolf von Tübingen gegründete Stadt Sindelfingen wurde mit einem Graben und mit einer Mauer umgeben. Die Stadtmauer hatte im Norden und Süden zwei Haupttore (Oberes und Unteres Tor) sowie an der nordöstlichen und südöstlichen Ecke der Stadt jeweils einen Turm. Am heutigen Schaffhauser Platz wurde ein großes Stück der Stadtmauer durch den Abriss angebauter Häuser nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs freigelegt.
Früher standen hier die Universitätszehntscheuer und Bürgerhäuser, so unter der Adresse Lange Straße 44 das besonders repräsentative Haus des Büchsen(=Schusswaffen)schmieds Johann David Renner von 1698. Ein für Sindelfingen einzigartiger figürlich geschnitzter Holzständer von diesem im Krieg zerstörten Haus befindet sich heute im Stadtmuseum. Johann David Renner war auch der Erbauer des Hauses Lange Straße 25 (heute: Gasthaus „Drei Mohren“).
Stadtmauer – Untere Vorstadt
Stadtmauer – Untere Vorstadt
Die 1263 von Pfalzgraf Rudolf von Tübingen gegründete Stadt Sindelfingen wurde mit einem Graben und mit einer Mauer umgeben. Die Stadtmauer hatte im Norden und Süden zwei Haupttore (Oberes und Unteres Tor) sowie an der nordöstlichen und südöstlichen Ecke der Stadt jeweils einen Turm. Im Bereich der Unteren Vorstadt ist noch ein Stück Stadtmauer mit einem Durchgang erhalten. Auf der Innenseite ist auch der Wehrgang erkennbar.
Große Teile der Stadtmauer wurden nach 1830 abgebrochen und dabei der Stadtgraben teilweise aufgefüllt und planiert. Daher kommt auch der Name „Planiestraße“ im Osten der Altstadt. Nach dem Auffüllen des Grabens an der Unteren Vorstadt haben die Besitzer hier einen Eingang in die dahinter liegende Scheune des Hauses Untere Burggasse 22 gebrochen. Die Scheune wurde inzwischen abgerissen. Den Schuppen rechts neben dem Durchgang gibt es heute noch.
Haus Gußmann
Haus Gußmann
Das 1435 erbaute Anwesen, das bis 1977 hier stand, bildete mit 627 m2 Hof- und Gebäudefläche einst den größten Baukomplex innerhalb der Stadtmauern. Zweistöckige Wohngebäude mit Galerien zum Innenhof schlossen mit einem dreistöckigen Vorbau zur Straße hin ab, dazu kamen Scheuer und Ställe.
Im 18. Jahrhundert ließ der Sindelfinger Bürgermeister Jakob Heinrich Gußmann, der hier lebte, im ersten Geschoss des Hauses seine Stube mit 31 reich bemalten Wand- und 28 Deckentafeln im Rokokostil repräsentativ ausschmücken. Sein Porträt ist im Stadtmuseum zu sehen. Gußmann war bekannt für seinen aufwändigen, am Adel orientierten Lebensstil und für sein rücksichtsloses Verhalten, wodurch er häufig in Konflikt mit seinen Mitbürgern geriet.
Haus Gußmann
Haus Gußmann
Das 1435 erbaute Anwesen, das bis 1977 hier stand, bildete mit 627 m2 Hof- und Gebäudefläche einst den größten Baukomplex innerhalb der Stadtmauern. Zweistöckige Wohngebäude mit Galerien zum Innenhof schlossen mit einem dreistöckigen Vorbau zur Straße hin ab, dazu kamen Scheuer und Ställe.
Im 18. Jahrhundert ließ der Sindelfinger Bürgermeister Jakob Heinrich Gußmann, der hier lebte, im ersten Geschoss des Hauses seine Stube mit 31 reich bemalten Wand- und 28 Deckentafeln im Rokokostil repräsentativ ausschmücken. Sein Porträt ist im Stadtmuseum zu sehen. Gußmann war bekannt für seinen aufwändigen, am Adel orientierten Lebensstil und für sein rücksichtsloses Verhalten, wodurch er häufig in Konflikt mit seinen Mitbürgern geriet.
Lange Straße 25
Lange Straße 25
Im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert ließen wohlhabende Sindelfinger ihre Fachwerk-Neubauten - vor allem an der Langen Straße, der Sindelfinger „Hauptstraße“ – besonders reich schmücken. An diesem Haus des Büchsen(=Schusswaffen-)schmieds Johann David Renner von 1714 finden sich viele dekorative Streben- und Schwellenformen. Die Eckständer sind als gedrehte „Taustäbe“ gestaltet. Es gibt Ritzzeichnungen, Inschriften und farbige, geschnitzte Rosetten.
Oben im Giebelspitz ist ein zottiger Menschen- oder Löwenkopf angebracht, der wohl schädliche Einflüsse vom Haus fernhalten sollte. Hier lebten im 19. Jahrhundert viele Textilhandwerker und -händler. Seit 1884 gab es beim Haus eine Schlachterei und spätestens seit 1900 das Gasthaus „Drei Mohren“. Johann David Renner gehörte auch das schräg gegenüber an der Stadtmauer gelegene, im Zweiten Weltkrieg zerstörte Haus Lange Straße 44, das ebenfalls sehr reichen Bauschmuck aufwies.
Gasthaus „Drei Mohren“
Gasthaus „Drei Mohren“
Altes Rathaus
Altes Rathaus
Amtshaus
Amtshaus
1538 erbaute die Stadt Sindelfingen dieses Haus für kommunale Zwecke. Darin war das städtische Salzlager untergebracht, bevor dieses 1592 ins neue „Salzhaus“ neben dem Alten Rathaus umzog. Zeitweise wohnte hier der Stadtknecht, der polizeiliche Aufgaben hatte, und bis 1601 diente ein Raum als Frauengefängnis.
Die meiste Zeit über war das Haus Wohn- und Amtssitz des Stadtschreibers, des wichtigsten städtischen Beamten. Seit dessen Ernennung zum „Amtmann“ 1813 spricht man vom „Amtshaus“. Nach Umzug der Stadtverwaltung ins „Mittlere“ Rathaus 1845 befanden sich hier Lehrerwohnungen.
1904 wurde das Haus an privat verkauft und als Wohn- und Geschäftshaus genutzt. 1950 eröffnete im Erdgeschoss die „Stiftsapotheke“, die bis 1999 bestand.
Alte Badstube
Alte Badstube
Eine öffentliche Badstube in Sindelfingen wird erstmals 1455 erwähnt. Sie stand hier an der südlichen Stadtmauer, gleich hinert dem Unteren Tor.
1515 übertrag die Stadt die Badstube an Konrad Krum mit der Auflage mindestens zwei Badetage wöchentliche abzuhalten. Das heutige stattliche dreistöckige Haus wurde 1524 errichtet. Im steinernen Erdgeschoss fand der Badebetrieb statt. 1662 wurde er eingestellt, so wie es in diesen Zeiten auch in vielen anderen Städten geschah.
Ab dem 16. Jahrhundert mehren sich im Fachwerkbau die Zierformen aus Hölzern, die für die Statik des Baus eigentlich nicht notwendig sind. An der Alten Badstube sind die frühesten in Sindelfingen erhaltenen geschweiften Andreaskreuze zu finden. Im zweiten Obergeschoss ist eine gewölbte Stubendecke erhalten. Zudem wurden im Inneren Reste von Wandbemalung entdeckt. Im Hof hinter dem Haus ist ein Stück der südlichen Stadtmauer erhalten geblieben.
Hintere Gasse 39/41
Hintere Gasse 39/41
Der reizvolle Doppelgiebel ist ein beliebtes Künstlermotiv. Die Häuschen gehören zu einem größeren Gebäudekomplex. Um 1600 wurden sie als Anbauten zu den dahinterstehenden mittelalterlichen Gebäuden Hintere Gasse 39 (1428) und Lange Straße 31 (1497) errichtet. Der rechte Anbau hat heute eine eigene Hausnummer (Hintere Gasse 41). Er wurde, wie die Inschrift am Türsturz besagt, 1603 von Le[o]nhard Speidel (1572-1622) errichtet. Dieser war Ratsbürgermeister und Landtagsabgeordneter; außerdem hatte er zwischen 1612 und 1621 den Vorsitz bei Gerichtsverhandlungen zu mehreren Hexenprozessen in Sindelfingen.
Die Erbauer der beiden in Sindelfingen seltenen dreistöckigen Gebäude Hintere Gasse 39 und Lange Straße 31 gehörten zur städtischen Oberschicht. Die Häuser hatten innerhalb der Stadt eine Sonderstellung: sie grenzten direkt an die Stadtmauer und überblickten diese jeweils mit ihrem obersten Geschoss. In die abgeschrägte Hausecke von Lange Straße 31 ragte bis 1837 das Obere Tor.
Haus am „Hexensprung“
Haus am „Hexensprung“
Das „Haus am Hexensprung“, dessen Hauptgebäude 1475 entlang der Hinteren Gasse erbaut wurde, fällt durch den malerischen spitzwinkeligen Anbau von 1506 auf, mit dem man ein schwierig zugeschnittenes Grundstück kreativ nutzte. Mit der zugehörigen Scheuer (Martinsgasse 2) ist das Ensemble eine typische spätmittelalterliche Hofanlage, wie sie nicht nur in Sindelfingen, sondern auch in den umliegenden Dörfern weit verbreitet war.
Am Anbau wurden als aussteifende Schräghölzer erstmals in Sindelfingen an beiden Enden verzapft ausgeführte, vor allem wandhohe Streben verwendet. Außerdem zählen die geschwungenen Zierhölzer unter den Fenstern in den Giebelgeschossen des Anbaus landesweit zu den ältesten ihrer Art.
Von 1495 bis 1652 lebten hier Mitglieder der Familie Schafhauser, die städtische Ämter bekleideten sowie einen umfangreichen Grundbesitz und Viehbestand hatten. Der Name „Hexensprung“ stammt wohl aus dem 19. Jahrhundert und steht nicht in Zusammenhang mit den hiesigen Hexenverfolgungen.
Hintere Gasse 8
Hintere Gasse 8
Dieses Haus ist der älteste bisher nachgewiesene Fachwerkbau in Sindelfingen und hat eine spannende Baugeschichte. Vier Bauhölzer darin konnten auf das Jahr 1363 datiert werden. Es gibt Hinweise darauf, dass es ursprünglich wie Lange Straße 48 ein altertümliches Firstständerhaus, bzw. Hochfirstgerüst war. In diesem Falle wäre es eines der ältesten bekannten Häuser dieser Bauart in Deutschland.
Das Haus wurde mehrfach umgebaut (1489, 1622, zweimal im 19. Jahrhundert, im 20. Jahrhundert), wobei jedoch die Grundstruktur stets die gleiche blieb. Dabei wurden auch ältere Bauteile integriert, die technisch nur schwer zu halten waren – eine unkonventionelle Form von Nachhaltigkeit. Die Balkendecke im Erdgeschoss stammt noch von 1489. Seit 1642 gab es in diesem Haus nachweislich eine Bäckerei, die über 200 Jahre Bestand hatte.
„Storchenhaus“
„Storchenhaus“
Spätestens seit dem 14. Jahrhundert gab es hier einen Hof, der dem Chorherrenstift gehörte. Mit der Verlegung des Chorherrenstifts nach Tübingen 1477 kam das Anwesen in den Besitz der Universität Tübingen, die es als ihr Sindelfinger Verwaltungszentrum nutzte. Ein als „Keller“ bezeichneter Beamter war verantwortlich für die Vorratslagerung und Abrechnung der Natural- und Geldabgaben vieler Sindelfinger Bauern an die Universität.
Das 1601 erstellte eindrucksvolle vierstöckige Haus hat einen hohen Steinsockel und einen großen Vorratskeller. Beachtenswert sind die profilierten steinernen Türrahmen. Im zweiten Obergeschoss gibt es unter den zwei linken Fenstern Zierfachwerk mit Flachschnitzereien, was einzigartig in Sindelfingen ist. Ab 1814 befand sich das Haus, zu dem auch ein Waschhaus, ein Back- und Dörrhaus sowie Ställe für Schweine und Geflügel gehörten, im Besitz wohlhabender Kaufleute. 1879 erwarb die Stadt das Gebäude und nutzte es für verschiedene Zwecke, z.B. waren darin Lehrerwohnungen und eine öffentliche Badeanstalt. Das Haus wird wegen seiner früheren Dachbewohner auch „Storchenhaus“ genannt.
Kurze Gasse 10
Kurze Gasse 10
Das 1455 erbaute Haus wurde 1682 von Georg Ganzhorn, dem Stammvater des Sindelfinger Zweigs dieser Familie, erworben und bis 1978 von dessen Nachkommen bewohnt. Bei der Renovierung nach dem Verkauf des Hauses wurden 1979 im Dachgeschoss mehrfarbige Wandmalereien mit Pflanzenornamenten aus dem 16. Jahrhundert freigelegt.
Wilhelm Ganzhorn, der Dichter des Liedes „Im schönsten Wiesengrunde“, das vielen Einheimischen als typisches Sindelfinger Heimatlied gilt, lebte allerdings nicht hier. Er stammte aus der Maichinger/Döffinger Linie der Familie und wurde in Böblingen geboren. Seine Kindheit verbrachte Wilhelm Ganzhorn jedoch in Sindelfingen, wo sein Vater 1826 ein Haus in der ehemaligen Stuttgarter Straße 1 (gegenüber dem Mittleren Rathaus, heute Neubau Baugenossenschaft) erworben hatte.
Untere Burggasse „Burg“
Untere Burggasse „Burg“
Im südöstlichen Stadtmauerwinkel lag ein wohl bald nach der Stadtgründung 1263 aus Stein erbautes herrschaftliches Haus mit Wirtschaftsgebäuden. 1351 wird es als „Fronhof“, um 1420/30 als „Schloss“ bezeichnet. Der Name „in der Burg“ für dieses Stadtgebiet kommt erstmals 1495 vor. Dort bildeten 17 Häuser einen abgegrenzten Bezirk, der von Abgaben an die Herrschaft befreit war.
Die Straßennamen Obere und Untere Burggasse weisen, obwohl sie größtenteils außerhalb des „Burgbezirks“ liegen, noch heute auf den ehemaligen Herrschaftssitz hin. In der Unteren Burggasse erinnern die Ringe in der Mauer zum Anbinden des Viehs an den ehemaligen Viehmarkt dort.
Eine vergleichbare städtebauliche Situation gibt es in Herrenberg, das wie Sindelfingen eine Gründung der Pfalzgrafen von Tübingen ist und einen ähnlichen Grundriss aufweist. Dort steht in der Südostecke der Stadt ein herrschaftliches Steinhaus aus dem 13. Jahrhundert, das heute von dem 1683/84 errichteten Fruchtkasten überbaut ist.
Haus Heinrichmann
Haus Heinrichmann
Als Besitzer des 1467 errichteten Hauses ist 1495 Konrad Heinrichmann nachweisbar, der erstmals 1465 das Amt des Schultheißen (Bürgermeisters) bekleidete. Das Haus ist einer der bedeutendsten mittelalterlichen Fachwerkbauten Sindelfingens und besitzt noch große Teile seiner ursprünglichen Bausubstanz. Außergewöhnlich sind die Größe des Hauses sowie die Höhe der beiden Stockwerke (bis ca. 3,30 m).
Im Inneren waren zwei Stuben mit Bohlenwänden und gewölbten Bretterbalkendecken schwarz ausgemalt, womit man kostbares Ebenholz imitieren wollte. Die kleinere Stube hat noch ihre originalen Fenstererker. In drei Räumen ist ein aufwändiger mittelalterlicher Ziegelspitt-Terrazzo (fugenloser Bodenbelag aus Bindemitteln und mineralischen Körnungen) aus der Erbauungszeit nachgewiesen. 1573 und um 1620 wurden bei Umbauten verschiedene Wände im Haus dekorativ bemalt, wovon sich Reste bei der Restaurierung fanden.
Bedingt durch die in Württemberg übliche Erbteilung hatte das Haus um 1900 fünf Besitzer. In dem einst repräsentativen Haus wohnten nun zahlreiche arme Menschen.
Alter Friedhof
Alter Friedhof
Der Alte Friedhof, der 1825/26 angelegt und ab 1827 genutzt wurde, ist die vierte Begräbnisstätte der Sindelfinger. Zuerst wurde im Kirchhof der Martinskirche bestattet, ab 1570 auf dem Kirchhof am See und 1595-1826 auf dem Friedhof bei der Kelter am Ziegelwasen (jetzt Bibliotheksvorplatz, Oktogon und Mittleres Rathaus).
Obwohl der Alte Friedhof teilweise wiederbelegt und fünfmal erweitert wurde, reichte der Platz nicht. Seit dem Bau des Burghaldenfriedhofs ab 1949 finden auf dem Alten Friedhof nur noch Bestattungen in berechtigte Familiengräber und seit einigen Jahren auch Urnenbestattungen statt. 1912 wurde die Aussegnungshalle erbaut und 1917 ein Ehrenfriedhof für Gefallene angelegt. Aus dem Jahr 1921 stammt das Gefallenendenkmal in Form eines steinernen Kruzifixes, das der Bildhauer Jakob Brüllmann schuf. Gestiftet wurde dieses von der Sindelfinger Fabrikantenwitwe Mina Zweigart.
Der Alte Friedhof hat durch seinen alten Baumbestand den Charakter eines stimmungsvollen Parks.
Alte Aussegnungshalle
Alte Aussegnungshalle
1912 wurde die städtische Friedhofskapelle bzw. Aussegnungshalle als städtisches Bauprojekt nach Plänen von Oberamtsbaumeister Otto Baumann durch den Sindelfinger Architekten Georg Bürkle erstellt. Damit wurden Begräbnisse erstmals der Zuständigkeit der Kirche entzogen.
In dem Bau mischen sich Elemente von historistisch interpretiertem Barock und Klassizismus mit Einflüssen des gerade aktuellen Jugendstils. Das Relief über dem Eingang, ein Christuskopf, der von anbetenden, jünglingshaften Engeln flankiert wird, ist ein Entwurf des Stuttgarter Bildhauers Rudolf Stocker. Die Stuttgarter Kunstglaserei Valentin Saile fertigte die farbenfrohen Fensterscheiben.
Kurzfristig gab es die damals revolutionäre Idee, im Keller ein Krematorium einzurichten. Die Verbrennung der Leichen widersprach jedoch der von den Kirchen damals vertretenen Meinung, dass eine leibliche Auferstehung möglich sein müsse. Der Plan des Krematoriums ließ sich zu dieser Zeit in Sindelfingen nicht durchsetzen.