Volkstrauertag am 15. November - Gedenken fand Corona-bedingt in kleinem Kreis statt

Das Gedenken zum Volkstrauertag am 15. November fand in diesem Jahr Corona-bedingt im kleinen Kreis auf dem Alten Friedhof in Sindelfingen statt.

Gedenken zum Volkstrauertag am 15. November 2020 auf dem Alten Friedhof in Sindelfingen (v.l.n.r.: Isa Köddritzsch-Fischer, Dr. Bernd Vöhringer, Marc Biadacz)

Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer, Isa Köddritzsch-Fischer, Ortsvorsitzende des VdK Ortsverband Sindelfingen, Marc Biadacz, direkt gewählter Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Böblingen und Beisitzer im Bezirksverband Nordwürttemberg des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge e. V., und Horst Zecha, Leiter des Amtes für Kultur der Stadt Sindelfingen haben sich anlässlich des Volkstrauertags am vergangenen Sonntag um 11 Uhr auf dem Alten Friedhof in Sindelfingen zusammengefunden, um der Kinder, Frauen und Männer aller Nationen und Religionen zu gedenken, die in der Vergangenheit Opfer von Gewalt und Krieg wurden.
 
Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer „Am Volkstrauertag gedenken wir alljährlich der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren, und der unzähligen Soldaten, die in den Weltkriegen ihr Leben ließen. Wir erinnern an jene, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Ethnie zugerechnet wurden, oder die ermordet wurden, weil ihr Leben aufgrund einer Krankheit oder einer Behinderung als ‚lebensunwert‘ galt. Wir denken auch an die Menschen, die ermordet wurden, weil sie Widerstand gegen eine Gewaltherrschaft geleistet haben oder weil sie an ihrer Überzeugung oder ihrem Glauben festhielten. Und wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung. Wir trauern um die Soldaten und anderen Einsatzkräfte, die zur Sicherung des Friedens bei Auslandseinsätzen oder bei der Erfüllung ihres Dienstes in unseren europäischen Ländern ihr Leben verloren haben.“
Corona-bedingt musste die Gedenkfeier in diesem Jahr in kleinem Rahmen stattfinden. So konnten auch die Sindelfinger Partnerstädte nicht vor Ort vertreten sein, beteiligten sich jedoch mit Kränzen, die neben den Kränzen der Stadt, des VdK Sindelfingen und des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge Nordwürttemberg niedergelegt wurden.
„Die notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung einer weiteren Verbreitung des Corona-Virus beschränken den Rahmen für Zusammenkünfte. Sie hindern uns jedoch nicht daran, gemeinsam innezuhalten und uns daran zu erinnern, welch schreckliche Folgen mit Hass, Hetze und Gewalt verbunden sind – und das es an uns liegt, gegenzusteuern. Jeden Tag aufs Neue. Dass wir aktuell beobachten können, wie Rechtsextremisten die Corona-Pandemie für ihre Zwecke missbrauchen und dass antisemitische, rechtsextremistische und rassistische Übergriffe in vielen europäischen Ländern zunehmen, gibt Anlass zur Sorge und muss uns aufrütteln“, so Vöhringer weiter. „Gedenktage wie der Volkstrauertag sind enorm wichtig, um eine bewusste Verbindung zwischen unserer eigenen Vergangenheit mit unserer Gegenwart und Zukunft zu schaffen und tragen zu einer lebendigen Erinnerungskultur bei.“
 
Isa Köddritzsch-Fischer ergänzt: „Seit wir im Frühjahr den Lockdown erlebten, ist in diesem Jahr alles anders. Dem Coronavirus sind viele Veranstaltungen zum Opfer gefallen und auch die Gedenkstunde zum Volkstrauertag kann nicht in gewohnter Weise stattfinden. Den Menschen werden in diesen Zeiten viel Geduld und Verzicht abverlangt. Dennoch sollten wir trotz aller Widrigkeiten und persönlichen Einschränkungen den Volkstrauertag zum Anlass nehmen der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und der beiden Weltkriege zu gedenken. Wir erinnern der einzelnen Menschen und ihrer Familien, die damals zu Opfern wurden. Ihre Schicksale führen vor Augen, dass Leid und Tod von Millionen von Menschen keine anonymen Zahlen sind – es sind menschliche Tragödien. Ebenso gedenken wir der Opfer der jüngsten Anschläge in Hanau, Paris und Wien. Wir dürfen nicht zulassen, dass Extremismus, Hass und Gewalt zu einer Spaltung der Gesellschaft führen oder rechtsfreie Räume entstehen. Nehmen wir den Volkstrauertag zum Anlass um gemeinsam für mehr Solidarität, Toleranz und Verantwortung füreinander einzustehen. Er ist ein besonderer Tag, an dem wir zur Versöhnung und Frieden aufrufen. Zugleich mahnt er uns, dafür zu sorgen, dass auch die kommenden Generationen weiterhin in Frieden, Freiheit und Freundschaft in Europa leben können.“
 
"Wir dürfen niemals vergessen, wie viele Menschen Krieg und Gewalt zum Opfer gefallen sind. Wir dürfen niemals vergessen, wie wertvoll Frieden ist", betont Marc Biadacz. Auch er versteht das Gedenken als Auftrag für die Zukunft: "Demokratie und Frieden in der Welt sind keine Selbstverständlichkeit. Wir dürfen Nationalismus und Rassismus daher keinen Raum in unserer Gesellschaft geben. Es ist unser aller Pflicht, dass wir uns tagtäglich für ein friedliches Miteinander einsetzen."

(Erstellt am 15. November 2020)