Stadt Sindelfingen entwickelt ihre Integrationsarbeit weiter. Das Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien der Universität Osnabrück stellt Konzept zur Weiterentwicklung der Integrationsarbeit vor

Das Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien der Universität Osnabrück (IMIS) hat ein Konzept zur Weiterentwicklung der Integrationsarbeit erarbeitet, das in den Gemeinderat eingebracht wird. In sieben Handlungsfeldern sollen Maßnahmen das Zusammenleben aller in Sindelfingen zukünftig noch weiter verbessern.
 

Sindelfingen ist eine internationale Stadt, deren Geschichte auch durch Zuwanderung geprägt ist. Diese Migration trägt dazu bei, dass die Stadt vielfältig und lebenswert ist. Und es ziehen nach wie vor Menschen hierher, für die Sindelfingen ihr neues Zuhause wird. Das Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien der Universität Osnabrück (IMIS) hat in der Stadt geforscht, Erhebungen durchgeführt und insbesondere Schlüsselpersonen aus unterschiedlichen Bereichen in Interviews befragt. Seine Erkenntnisse und Vorschläge hat das Institut nun in einem Konzept zur Weiterentwicklung der Integrationsarbeit zusammengefasst.
 
Die Erfolgsgeschichte der Integration in Sindelfingen weiterführen
„In Sindelfingen leben 127 Nationen friedlich zusammen, und wir konnten in den vergangenen Jahrzehnten bereits vieles in Punkto Integration erreichen. Wir möchten uns auf diesem Erfolg jedoch nicht ausruhen, sondern die Erfolgsgeschichte der Integration in Sindelfingen aktiv in die Zukunft fortschreiben. Zudem nehmen wir mit Sorgen wahr, dass europaweit populistische und fremdenfeindliche Tendenzen zunehmen. Um uns dem entschieden entgegenzustellen und die Potenziale der Vielfalt unserer Stadt zukünftig noch besser zu nutzen, wollen wir die Ansätze unserer Integrationsarbeit hinterfragen und weiterentwickeln. Wir wollen Antworten finden auf die Frage: Wie sieht eine erfolgreiche Integrationsarbeit der Zukunft aus? Dazu haben wir IMIS beauftragt Potenziale zur Weiterentwicklung unserer Integrationsarbeit zu eruieren.
Denn unser Ziel ist es, dass alle Menschen, die hier leben, sich bei uns wohlfühlen und aktiv unser Zusammenleben mitgestalten“, so Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer.
 
Professor Dr. Andreas Pott, Leiter des IMIS: „Sindelfingen stellt sich den Herausforderungen von Migration und Flucht schon seit Jahrzehnten und gestaltet sie aktiv. Uns beeindruckt, dass die Stadt die eigene Integrationsarbeit nun selbstkritisch auf den Prüfstand stellt, auch ohne drängenden Problemdruck. So lässt sich Zukunft verantwortungsvoll gestalten. Investieren statt reparieren. Weichen für die Zukunft stellen, statt der Entwicklung hinterherzulaufen.“
 
Herausgekommen sind neben Erkenntnissen zur Bevölkerungsstruktur insbesondere Leitlinien für die zukünftige Integrationsarbeit sowie sieben konkrete Handlungsfelder und erste Maßnahmen.
 
Ein Aspekt der dabei deutlich wurde: „Sindelfingen ist unsere Heimat. Sindelfingen ist unser gemeinsamer Nenner. In Sindelfingen ist seit Jahren klar zu erkennen: das Gefühl lokaler Zugehörigkeit ist unabhängig von Herkunft, Religion oder Ethnie. Das haben wir beispielsweis im Jubiläumsjahr 2013 erlebt, bei der Biennale, aber auch in vielen anderen Momenten, in denen unser Sindelfinger Ehrenamt gemeinschaftlich Ideen und Projekte auf die Beine gestellt hat – nations- und religionsübergreifend“, so Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer. „Wir möchten zukünftig Integration noch umfassender sehen, uns dem Wandel der Zeit stellen, aktuelle Herausforderungen angehen und dabei auch Dinge auf den Prüfstand stellen. Im Kern dieses Perspektivwechsels steht die Vielfalt unserer Gemeinschaft. Denn diese Vielfalt ist es, die unsere Stadt lebendig und lebenswert macht.“
 
Der Konzeptvorschlag wird dem Gemeinderat am 10. November vorgestellt. Im Rahmen einer Bürgerinformationsveranstaltung können interessierte Bürgerinnen und Bürger dann am 11. November Anregungen und Ideen einbringen. Nach Diskussion in der kommenden Gremienrunde möchte die Verwaltung dann das „Sindelfinger Konzept für Vielfalt, Teilhabe und Dialog“ dem Gemeinderat in der Dezemberrunde zum Beschluss vorlegen, um schon 2021 erste Maßnahmen umsetzen zu können.
 
Integrationsbeauftragte Jana Zeh kann es kaum erwarten in die Umsetzung zu gehen: „Vielfalt, Teilhabe und Dialog sind die Schlüsselbegriffe, an denen sich unsere Integrationsarbeit zukünftig orientieren soll. Vielfalt aber nicht nur auf Migration und Herkunftsländer bezogen, wir wollen unterschiedliche Vielfaltsdimensionen in den Blick nehmen. Teilhabe als Einladung und Aufforderung, unsere Stadtgesellschaft mitzugestalten. Und Dialog als Grundlage, um uns über unser Zusammenleben auszutauschen.“
 
Mit sechs konkreten Maßnahmen geht es los
Zu Beginn sollen zunächst sechs konkrete Projekte umgesetzt werden:
 
Mehrsprachige Willkommensordner sollen zukünftig über die zahlreichen Angebote der neuen Heimat Sindelfingen informieren und auch Personen, die die deutsche Sprache noch nicht vollständig verstehen, helfen, sich schnell zurechtzufinden.
Eine zentrale Anlaufstelle für Neuankommende soll zukünftig die Willkommenskultur der Stadt verdeutlichen und den Start in Sindelfingen erleichtern. Mögliche Orte hierfür wären beispielsweise die Teilorte und das zukünftige Kultur- und Bürgerzentrum.
 
In Kooperation mit den Stadtteiltreffs sollen zudem lokale Dialogforen die Begegnung von Menschen und deren Austausch anregen.
 
Außerdem sollen die Kooperationen zwischen den weiterführenden Schulen und den Ausbildungsgebern intensiviert werden, um die jungen Sindelfingerinnen und Sindelfinger auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt zu unterstützen.

Und auch die Sindelfinger Erfolgsgeschichte der Einwanderung soll sichtbarer werden. Beispielsweise durch Stadtführungen, die über Migrationsgeschichte(n) in Sindelfingen berichten.
 
Nicht zuletzt hatte der Gemeinderat die Verwaltung auch beauftragt zu prüfen, wie die politische Beteiligung der Sindelfingerinnen und Sindelfinger mit Migrationshintergrund weiterentwickelt werden kann. Das IMIS hat auch hierzu eine Handlungsempfehlung abgegeben. Die Stadt wird den Vorschlag der politischen Beteiligung im kommenden Jahr ausgestalten.
 

(Erstellt am 10. November 2020)