Treffpunkt für Bürgerinnen und Bürger und Vereine

Umsetzung eines Kultur- und Bürgerzentrums am Standort Alte AOK

Beispielhafte Visualisierung / ARP Stuttgart

Der Gemeinderat der Stadt Sindelfingen hat am 27. Juni beschlossen, am Standort der Alten AOK, ein Kultur- und Bürgerzentrum einzurichten. Das Projekt stammt aus dem Bürgerbeteiligungsprozess „Sindelfingen 2025 - Stadtentwicklung im Dialog“. Der Entscheidung vorangegangen war eine intensive Debatte zum Standort des geplanten Zentrums. Neben dem städtischen Vorschlag, den Standort der Alten AOK zu nutzen, gab es seitens des Vereins Domo Novo e.V. den Vorschlag, das Kultur- und Bürgerzentrum im ehemaligen Kaufhaus DOMO umzusetzen.

Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer und Projektleiter und Leiter des Kulturamts Horst Zecha erläutern im Interview noch einmal die wichtigsten Punkte im Prozess und erklären, wieso sich die Stadt für den Standort Alte AOK ausgesprochen hat.
 
Am Standort der ehemaligen Alten AOK soll ein Kultur- und Bürgerzentrum entstehen. Was genau ist dort geplant?
OB: Wir möchten dort eine multifunktionale Einrichtung schaffen, in der Vereine eine Unterkunft finden, in der es Probenräume gibt, wo aber vor allem auch die Vernetzung zwischen Vereinen und die Öffnung in die Stadt hinein gelingt.
 
Wir haben uns in diesem Zusammenhang die Ergebnisse der umfangreichen Vereinsbefragung sehr genau angesehen und aus diesen Rückmeldungen unsere Ziele und die Vorstellung einer Größenordnung abgeleitet. Gedacht ist daran, dass ein Bauträger das Gebäude erstellt und wir eine Fläche von 2.500 bis 3.000 qm für das Kultur- und Bürgerzentrum anmieten. Das detaillierte inhaltliche Konzept wollen wir zusammen mit den zukünftigen Nutzern und interessierten Beteiligten entwickeln.
 
Da aber dabei der Standort eine wichtige Rolle spielt, war uns wichtig, jetzt die Standortdiskussion abzuschließend und zu entscheiden, damit wir endlich in die konkrete Planung des Kultur- und Bürgerzentrum einsteigen können.
 
 
In der Alten AOK sind doch heute schon Vereine untergebracht. Was soll sich daran ändern und warum wurde der Standort ausgewählt?
Zecha: Jeder, der schon einmal dort war, weiß, dass die Alte AOK baufällig und nur noch für eine begrenzte Zeit nutzbar ist. Eine Sanierung lohnt sich nicht mehr. Wenn wir den jetzigen Gebäudekomplex durch einen attraktiven Neubau ersetzen, können wir damit eine neue Unterkunft für die Vereine in der jetzigen Alten AOK und für weitere Interessenten und Bedürfnisse schaffen und gleichzeitig eine deutliche städtebauliche Aufwertung erzielen. Der Standort liegt außerordentlich verkehrsgünstig und der Neubau kann passgenau auf die vorhandenen Bedarfe und Nutzer zugeschnitten werden. Das Grundstück befindet sich in städtischer Hand, was Planung und Realisierung sehr erleichtert. Natürlich müssen wir für die Bauzeit eine Übergangsunterbringung für die Vereine zur Verfügung stellen, die jetzt die Alte AOK nutzen.
 
 
Es war ja auch im Gespräch, das DOMO für ein Kultur- und Bürgerzentrum zu nutzen. Das Gebäude steht ja leer, warum fiel die Entscheidung nicht auf das DOMO?
OB: Der Vorschlag von Domo Novo, in den leerstehenden Ladenflächen des Domo ein Kultur- und Bürgerzentrum unterzubringen, hat zunächst viel Charme und wir haben uns dieser Idee seitens der Verwaltung und des Gemeinderats auch offen genähert. Bei genauerer Betrachtung ergeben sich allerdings Problemfelder, die uns dazu veranlassen, von einer Weiterverfolgung des Standorts abzusehen. Da ist als allererstes die finanzielle Dimension: Alle Miet- und Kaufangebote (… gestrichen) würden zu finanziellen Belastungen führen, die im städtischen Haushalt keinesfalls darstellbar sind. Aus gesamtstädtischer Sicht sind Summen zwischen über 20 bis hin zu über 50 Millionen Euro, die im Raum standen, nicht zu verantworten. Die Sindelfinger Erfahrung lehrt, dass spätestens im Falle erneuter Haushaltskrisen durch die hohen Fixkosten gewachsene Strukturen gefährdet werden können. Das kann nicht unsere Zielrichtung sein.
 
Darüber hinaus sind aber auch die rechtlichen Verhältnisse in der Immobilie mit über 70 Teileigentümern sehr kompliziert, so dass es nicht empfehlenswert ist, sich hier durch Eigentumserwerb oder Miete mit hinein zu begeben.
 
Zecha: Zudem sehen wir in der Größe von 12.000 qm ein massives Problem. Aus unseren Ermittlungen ist ein Bedarf in dieser Größenordnung bei weitem nicht vorhanden. Um diese Flächen zu füllen, müsste es zwangsläufig zu einer Zentralisierung sozialer und kultureller Einrichtungen kommen. Sowohl Geld als auch Inhalt müssten von anderen Stellen abgezogen und im Domo konzentriert werden. Damit würden wir aber unsere bewährte dezentrale Struktur im sozialen und kulturellen Bereich gefährden, an der wir aus guten Gründen festhalten und die wir gezielt weiterentwickeln wollen. Gerade, wenn uns wieder einmal finanziell schwierigere Zeiten einholen sollten, wären die riesigen Domo-Flächen eine problematische Belastung.
 
 
4. Bei der Bürgerinformation vor 2 Jahren wurde ja behauptet, die Zahlen der Verwaltung seien falsch. Wurde das inzwischen geklärt.
OB: Ja, der Eigentümer hat inzwischen bestätigt, dass die Zahlen der Verwaltung richtig sind. Geringe Abweichungen gibt es natürlich immer.
Nachdem ein Vertreter des Eigentümers in der Bürgerinformationsveranstaltung im Sommer 2016 sehr vehement, aber ohne sachliche Grundlage, die von der Verwaltung präsentierten Zahlen als bewusst irreführend pauschal in Frage gestellt hat, führte die anschließende Verunsicherung zu detaillierten Prüfaufträgen an die Verwaltung. Der Gemeinderat hat von der Verwaltung die Einholung von Gutachten eingefordert.
Inzwischen sind die Zahlen der Verwaltung unumstritten und vom Eigentümer bestätigt. Aber die damaligen unbegründeten Anschuldigungen haben im Enddefekt zwei Jahre Zeit gekostet. Insofern hätte die Stadtortentscheidung aus unserer Sicht auch schon früher fallen können.
 
 
Ein Kultur- und Bürgerzentrum am Standort Alte AOK klingt logisch, löst jedoch nicht das Problem des nahezu leerstehenden DOMOs. Was plant die Stadt um den Bereich DOMO wieder attraktiver zu machen?
OB: Bereits in der Vergangenheit haben wir uns gemeinsam mit dem Eigentümer immer wieder um die Belegung der leerstehenden Ladenflächen bemüht. Der Eigentümer steht nach eigenen Angaben derzeit in vielversprechenden Gesprächen mit potentiellen Nutzern für die Ladenflächen. Selbstverständlich werden wir auch hier wieder nach Kräften unterstützen.

Zecha: Darüber hinaus gibt es Überlegungen zur Einrichtung eines Sanierungsgebietes rund um das Domo, so dass auch die Nachbarschaft in eine positive zukünftige Entwicklung mit einbezogen wäre. Der jetzt gefasste Gemeinderatsbeschluss enthält ja den ausdrücklichen Auftrag, einen Vorschlag für die weitere städtebauliche Entwicklung des Domo und seines Umfeldes zu erarbeiten.
 
 
Wie wird es nun weitergehen mit dem Kultur- und Bürgerzentrum? Und wer wird am Prozess beteiligt?
OB: Wir möchten das Konzept für das neue Kultur- und Bürgerzentrum in einem möglichst breiten Beteiligungsprozess erarbeiten. Damit die Einrichtung später gut angenommen wird und den Bedürfnissen der Nutzer entspricht, ist eine solche Vorgehensweise unabdingbar.
 
Zecha: Gerade darin sehe ich eine Stärke unserer Vorgehensweise: Wir legen noch kein fertiges Konzept vor, sondern erarbeiten dieses zusammen mit den zukünftigen Nutzern und weiteren Interessierten aus den Vereinen und der Bürgerschaft. Zu diesem Prozess möchte ich auch ausdrücklich diejenigen einladen, die sich bisher für Domo Novo engagiert haben und den Vorschlägen der Verwaltung kritisch gegenüber stehen.
 
OB: Ich denke, wir haben jetzt die große Chance, für unsere Vereine, aber auch für unsere ganze Stadtgesellschaft, eine Einrichtung zu schaffen, die die Zusammengehörigkeit und das bürgerschaftliche Engagement in unserer Stadt langfristig stärken und voranbringen kann.

Historie

2016 - Bürgerinformation Kultur- und Bürgerzentrum

Die Verwaltung schlägt die Errichtung eines Kultur- und Bürgerzentrums in einem neuen Gebäude an der Stelle der Alten AOK vor. Bei einer Bürgerinformationsveranstaltung am 5. Juli 2016 im Rahmen des breiten Bürgerbeteiligungsprozesses präsentierte die Stadtverwaltung ihre Vorschläge, Gabriele Steffen vom Institut WEEBER+PARTNER präsentierte die Ergebnisse der Vereinsumfrage. Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer, Erster Bürgermeister Christian Gangl, Bürgermeisterin Dr. Corinna Clemens sowie der Leiter des Kulturamts und Projektleiter Horst Zecha und Hans-Georg Burr, Leiter des Amts für soziale Dienste beantwortet die Fragen der Bürgerinnen und Bürger. Im Rahmen der Informationsveranstaltung hatte auch die DOMO NOVO Gruppe die Möglichkeit ihr Konzept vorzustellen und den Interessierten Rede und Antwort zu stehen.

>> download Präsentation der Bürgerinformationsveranstaltung (6,331 MiB)

>> download Präsentation DOMO NOVO (2,012 MiB)
Präsentation von Herbert Rödling Förderverein Bürger- und Kulturzentrum DOMO-NOVO e.V.

>> Präsentation aus dem Gemeinderat vom 21.06.2016 (4,737 MiB)

Vereinsumfrage 2015

Rund 300 Sindelfinger Vereine und Organisationen wurden im Sommer 2015 aufgefordert, einen Fragebogen auszufüllen. Ziel der Befragung war es, einen Überblick über die Sindelfinger Vereinslandschaft, ihre aktuelle Lage und ihren Bedarf an Räumlichkeiten zu erhalten.

Das Sindelfinger Vereinsvorsitzendentreffen im Juli 2015

Vereine sind unverzichtbar für das Leben in unserer Stadt – dank ihres Engagements und das ihrer Mitglieder ist Sindelfingen eine Stadt der Vielfalt. Darauf sind wir stolz! Es ist uns ein Anliegen, sie bei Ihren Aktivitäten zu begleiten. Bereits heute arbeiten wir eng zusammen: So haben beispielsweise viele Vereine städtische Räumlichkeiten angemietet. Auch die Gewährung von Fördermitteln ist heute schon ein wichtiger Bestandteil unserer Zusammenarbeit. Bei Veranstaltungen, wie dem Vereinsvorsitzendentreffen, schätzen wir den persönlichen Dialog mit Ihnen.

Der Fragebogen gliederte sich in drei Teilbereiche:

  1. Im ersten Teilbereich wurden allgemeine Daten abgefragt, die auch zur Veröffentlichung im Vereinsregister auf der Homepage von Sindelfingen gedacht sind.
  2. Die internen Informationen aus dem zweiten Teil der Befragung werden nur zusammengefasst veröffentlicht. Das bedeutet, dass diese Daten nur anonym erscheinen, man kann die Daten also nicht mit Ihrem Verein in Verbindung bringen.
  3. Im dritten und letzten Teil erfragten wir schließlich Ihr Interesse an einem möglichen Kultur- und Bürgerzentrum. Diese Daten sind nur für die interne Verwendung bestimmt.

>> Ergebnis der Vereinsumfrage (463,1 KiB)