Langzeitprojekt

Vor 80 Jahren - Sindelfingen im Krieg

Mit dem Überfall Hitler-Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Wie wirkte sich dieser Krieg im heimischen Lebensraum aus?
Welche Spuren hat er in Sindelfingen hinterlassen? War er von Anfang an zu spüren?
In der Reihe "Vor 80 Jahren - Sindelfingen im Krieg" stellen wir monatlich ein Objekt oder ein Thema in den Mittelpunkt, das 80 Jahre zuvor relevant war.
So entsteht eine Reihe mit 69 Beiträgen, die monatliche Blitzlichter auf die Zeit von September 1939 bis Mai 1945 wirft und das damalige Geschehen auf lokaler Ebene lebendig werden lässt.
Das Stadtmuseum präsentiert monatlich wechselnd eine Sondervitrine zum jeweiligen Thema.

Das Stadtmuseum führt das Projekt auch in Zeiten von Corona fort. Da die Museen aktuell geschlossen sind, möchten wir Ihnen hier die Texte in digitaler Form zur Verfügung stellen.

Sollten Sie noch Erinnerungsstücke oder andere Objekte aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs aus Sindelfingen dem Museum zur Verfügung stellen wollen,
dann dürfen Sie sich gerne unter 07031 94357 melden.

August 1940 – August 2020 - Der Pfarrbericht von 1940, Zwischen nationaler Begeisterung und Existenzangst

Wenn wir etwas über das gesellschaftliche, politische und kirchliche Leben in Sindelfingen erfahren wollen, können die Pfarrberichte als eine besonders ergiebige und authentische Quelle dienen. Diese mussten von den örtlichen Pfarrern alle vier Jahre erstellt werden, so auch für das Jahr 1940. Konfessionell war Sindelfingen zu dieser Zeit nach wie vor evangelisch geprägt, auch wenn seit der Ansiedlung der Daimler-Motorengesellschaft im Jahr 1915 vermehrt katholische Arbeitskräfte in die Stadt kamen und in den zwanziger Jahren für diese in einem alten Fabrikgebäude eine Notkirche eingerichtet worden war.
 
Die evangelische Landeskirche war der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 zunächst in weiten Teilen durchaus positiv gegenübergestanden. So formulierte Landesbischof Wurm in einem Brief vom 2.Februar 1933 beispielsweise: „Der Dank für Rettung aus unmittelbar drohender schwerer Gefahr und die Freude darüber, dass der neue Staat inbezug auf die innere und äußere Volksgesundheit Aufgaben sieht und anfasst, zu denen wir den Staat der Vorkriegs- und Nachkriegszeit [gemeint ist der Erste Weltkrieg] vergeblich mahnten, überwiegt auch die Besorgnis, ob nicht die vielbesprochene Gleichschaltung ein allzu rasches Tempo anschlage.“
Tatsächlich führten die Gleichschaltungsmaßnahmen bald zu einer Polarisierung innerhalb der evangelischen Kirche, die ihre Pole in den NS-treuen „Deutschen Christen“ (DC) auf der einen Seite und der um Erhalt der Unabhängigkeit kämpfenden „Bekennenden Kirche“ auf der anderen Seite fand. Diese Flügelkämpfe verloren zwar in Kriegszeiten an Bedeutung, sind aber auch im Pfarrbericht von 1940 deutlich erkennbar, wobei klar wird, auf welcher Seite Stadtpfarrer Fischer stand: „Die Ortsgruppe der Deutschen Christen ist sehr rührig. In einem Saal der Volksschule halten sie ihre Versammlungen, zu denen am Sonntag oder Dienstags häufig auswärtige Redner kommen, auch Taufen und Beerdigungen halten. Selbst Reichsbischof Müller sprach hier vor 2 Jahren in der städt. Festhalle. Aber diese, wie andere öffentliche Reden wirkten eher gegen die D.C., deren Wichtigtun im umgekehrten Verhältnis zu ihrer schon lange gleichbleibenden Wenigkeit von etwa 20 aktiven Mitgliedern steht. Die Kirchensteuer verweigern sie beharrlich. Neuerdings treten einige aus der Kirche aus.“
Der Pfarrbericht von 1940 macht auch deutlich, dass das kirchliche Leben ein permanenter Drahtseilakt zwischen Anpassung einerseits und dem Versuch der Wahrung eines Rests von Eigenständigkeit andererseits war: „Zwischen Kirche und Partei gab es keine besonderen Vorkommnisse. (…) Was die Führung von HJ, B.d.M. [nationalsozialistische Jugendverbände] und ihr Verhalten der Kirche gegenüber betrifft, so können wir hier gegenüber vielen anderen Orten für korrekte, ja rücksichtsvolle Haltung dankbar sein. (…)
Sonst ist trotz des persönlichen Einvernehmens die allgemeine Stellung der Partei die übliche, während letztere sich in nationaler und sozialer Hinsicht gerade auch im Krieg treu betätigt und durch Pflege des wahren Evangeliums die innere Front stärkt.“
Wir sehen an diesen Formulierungen das Spannungsfeld zwischen der nationalen Grundeinstellung auf der einen Seite und der Angst vor staatlicher Übermacht auf der anderen, das für viele evangelische Pfarrer in der NS-Zeit typisch war. Diese Ambivalenz spiegelt sich auch im Nachwort von Pfarrer Fischer zum Pfarrbericht 1940 wider, in dem es heißt: „Was der Krieg mit dem schon von Ferne winkenden, gewaltigen Sieg des nationalsozialistischen großdeutschen Reiches für die evang.-christliche Kirche bedeuten wird an äußerer und innerer Wandlung, an Not und Heil, das steht in Gottes Hand. Ein etwaiger nächster Pfarrbericht wird eine neue Lage und Welt vorfinden. Möge darin die christliche Gemeinde der Deutschen Volksgemeinschaft ferner dienen können und dürfen.“
(Verfasser: Horst Zecha)

Im Vordergrund befindet sich die katholische Notkirche im Hintergrund die evangelische Martinskirche.Bei der Fabrik mit den zwei Schornsteinen handelt es sich um die Ziegelei Hamm, dahinter die ehemalige Gartenstraßenschule. Sie wurde 1936 in Horst-Wessel-Schule umbenannt.
Fotonachweis: Stadtarchiv Sindelfingen
Im Vordergrund befindet sich die katholische Notkirche im Hintergrund die evangelische Martinskirche.
Bei der Fabrik mit den zwei Schornsteinen handelt es sich um die Ziegelei Hamm, dahinter die ehemalige Gartenstraßenschule. Sie wurde 1936 in Horst-Wessel-Schule umbenannt.

Archiv

Juli 1940 – Juli 2020 - Heldentod und Kriegsende?

Der Sommer 1940 stand im Deutschen Reich unter dem Eindruck des militärischen Erfolgs in Nord- und Westeuropa. Die Sindelfinger Zeitung erschien am 3. Juli 1940 mit dem Aufmacher „Der größte Feldzug aller Zeiten – Abschlussbericht über den Feldzug in Frankreich“. Nachdem zuvor bereits Dänemark, Norwegen, Belgien, Luxemburg und die Niederlande besetzt wurden, machte sich allgemein die Erwartung breit, dass der Krieg nun zum baldigen Ende kommen würde. Es fehlte „nur“ noch der Sieg über Großbritannien.
 
Für die Sindelfinger Bevölkerung schien der Krieg im Juli 1940 wie ein Grollen in der Ferne. Die Zeitung veröffentlichte ausführliche Kriegsberichte und sonstige Propaganda. Aber auch Alltägliches war vertreten, es fanden Fußball-, Handball und Faustballspiele statt, auch die Leichtathleten und Turner veranstalten Wettkämpfe. Der Schwarzwaldverein bot Wanderungen an. 
 
Und doch war für einige Familien der Krieg bittere Realität. Von Mitte Juni bis Anfang Juli 1940 erschienen mehrere Todesanzeigen von Gefallenen. Die jungen Männer waren zwischen 19 und 24 Jahre jung. Die Traueranzeigen vermitteln neben den allgemeinen, damals üblichen Floskeln auch den tiefen Schmerz der Familien. Man sorgte sich auch um die, von denen noch Nachrichten fehlten.
 
Die Gemeinde überlegte, in welcher Form die Gefallenen geehrt werden sollten. Ein Runderlass des Reichsministeriums des Inneren vom 17. September 1940, verfügte hier jedoch mit Ehrenmalen zurückhaltend zu sein: „Die Ehrung der für das Vaterland Gefallenen und die Pflege der Erinnerung an die glänzenden Waffentaten des Großdeutschen Freiheitskampfes wird die vornehmste Ehrenpflicht des deutschen Volkes nach diesem Kriege sein. Der Führer wird der würdigen Ausgestaltung der Ehren- und Erinnerungsmale seine besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Die Zeit für die Errichtung solcher Male erachtet der Führer jedoch noch nicht für gekommen.“
Zwei Monate später jedoch wurden „Richtlinien für die Gestaltung von Ehrenfeldern für Kriegsgefallene“ erlassen.
 
Kehren wir nochmals in den Sommer 1940 zurück. Sicherlich war die Erwartung des Kriegsendes groß. So findet sich in den Gemeinderatsprotokollen häufiger die Bemerkung, dass Entscheidungen „erst nach Ende des erfolgreichen Krieges“ getroffen werden sollten. Doch die Nachrichten verhießen nichts Gutes.
Am 2. Juli 1940 wurden die Jahrgänge 1900 bis 1903 zur Musterung aufgefordert. Trotz des militärischen Erfolges plante man also die 37- bis 40-Jährigen zu den Waffen zu rufen - darunter auch Männer, die bereits im Ersten Weltkrieg gekämpft hatten.
 
Die Erwartung eines kommenden Kriegsendes unter nationalsozialistischer Herrschaft schürte auch Befürchtungen. Aus dem Pfarrbericht von 1940:
„Nachwort: Was der Krieg mit dem schon von Ferne winkenden, gewaltigen Sieg des nationalsozialistischen grossdeutschen Reiches für die evang.-christliche Kirche bedeuten wird an äusserer und innerer Wandlung, an Not und Heil, das steht in Gottes Hand. Ein etwaiger nächster Pfarrbericht wird eine neue Lage und Welt vorfinden. Möge darin die christliche Gemeinde der Deutschen Volksgemeinschaft ferner dienen können und dürfen.“
 
(Text: Illja Widmann)

Juni 1940 – Juni 2020 „Ein großer Teil der netten Häuser sind bezogen worden…“ – Wohnungsbau in Kriegszeiten

Mit fortschreitender Dauer und spätestens seit Einsetzen der alliierten Luftangriffe auf deutsche Städte beeinflusste der Krieg immer stärker alle heimischen Lebensbereiche. In der frühen Kriegsphase, die von militärischen Erfolgen auf deutscher Seite gekennzeichnet war, erscheint der Krieg oft noch fern der Heimat und der Alltag in vielen Bereichen noch weitgehend unbeeinflusst. Dieses Bild wird allerdings von der NS-Propaganda bewusst gepflegt, so dass bei der Auswertung entsprechender Quellen stets Vorsicht geboten ist.
 
Am 4. Juni 1940 findet sich in der Sindelfinger Zeitung unter der Überschrift „Besuch in der Fronäcker – Siedlung“ ein blumiger Bericht über den Bezug der letzten fertiggestellten Häuser der neuesten Sindelfinger Siedlung entlang der Bahnlinie Sindelfingen-Maichingen. In befremdlich verniedlichender Form nimmt der Schreiber auf die Zeitverhältnisse Bezug: „Man kann sich denken, dass diese Arbeiten während der letzten acht Monate nicht ganz den Fortschritt nahmen, wie er gemacht worden wäre, wenn der Krieg nicht einen Teil der Handwerksleute vom Schaffen abgehalten hätte und noch abhält. Aber das eine kann man doch sagen: ein großer Teil der netten Häuser sind bezogen worden…“
 
Die Planungen für einen Siedlungsbau in den Fronäckern gehen bis ins Jahr 1934 zurück und sind im Zusammenhang mit den Bemühungen der Stadtverwaltung zu sehen, die seit der Ansiedlung des Daimler-Werks 1915 notorische Wohnungsknappheit in Sindelfingen zu lindern. Dazu war bereits unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg der Bau- und Sparverein, die spätere Baugenossenschaft, als kommunales Wohnungsbauunternehmen gegründet worden. Der Bau- und Sparverein war auch Bauträger der Fronäckersiedlung. Dabei richteten sich Stadt und Unternehmen nach den Vorgaben und Plänen des „Heimstättenamts der NSDAP“ mit Sitz im Ludwigsburger Schloss. Von dort kamen die Vorgaben für die standardisierten Haustypen, die den Siedlungsbau während der NS-Zeit in ganz Deutschland maßgeblich prägten. Für die einfachste Hausvariante, „Typ 1“ wurde 1935 vom Stadtbauamt eine Kalkulation erstellt, die von Grundstückskosten von 1.100 Reichsmark (10 ar Grundstück a 55 Pfg. pro qm plus Erschließungskosten) und Baukosten von 4.900 RM, also Gesamtkosten von 6.000 RM ausging.
 
Planende Architekten waren die in Sindelfingen etablierten Georg Bürkle, Alfred Hess und Otto Reuff, deren kreative Möglichkeiten sich angesichts der weitgehenden parteiamtlichen Vorgaben aber in engen Grenzen gehalten haben dürften. So entstanden seit Mitte der dreißiger Jahre bis 1940 80 Wohnungen, für eine Stadt mit damals etwa 8.800 Einwohnern ein großes Siedlungsbauprojekt.
 
Allerdings waren die Wohnungsprobleme Sindelfingens damit bei weitem noch nicht gelöst. Im Sommer 1940 beschäftigte sich Bürgermeister Pfitzer auf Anregung des Verbands Württembergischer Wohnungsunternehmen mit „der Vorplanung von Wohnungsbauvorhaben nach dem Krieg“ und legt in diesem Zusammenhang für Sindelfingen einen Fehlbedarf von 500 Wohnungen zugrunde. Tatsächlich wurden mit zunehmender Kriegsdauer sämtliche Planungen für den Wohnungsbau wegen Material- und Arbeitskräfteknappheit eingestellt.  Unter welchen Vorzeichen der Wohnungsbau in der Nachkriegszeit dann tatsächlich stattfinden musste, das hat Bürgermeister Pfitzer im Sommer 1940 sicher noch nicht geahnt.
 
Abbildungen / Ausstellungsstücke
Postkarten, Fotos Pläne Zeitungsartikel 04.06.1940

(Text: Horst Zecha)

Quelle Foto: Strähle Luftbild Aufnahme vom 24.8.1936. Vorne Fronäckersiedlung, im Hintergrund Zimmerplatzsiedlung
Quelle Foto: Strähle LuftbildAufnahme vom 24.8.1936. Vorne Fronäckersiedlung, im Hintergrund Zimmerplatzsiedlung

Mai 1940 – Mai 2020: Ein HJ-Heim für Sindelfingen

Die Hitler-Jugend (HJ) gehörte wohl zu den bekanntesten nationalsozialistischen Organisationen. Nach der Machtergreifung wurde sie fest im NS-Staat institutionalisiert und ihr nahezu alle Jugendvereine und -organisationen einverleibt. Die HJ beeinflusste die Erziehung und das Weltbild von Jungen und Mädchen zwischen zehn und 18 Jahren. Ihren „Führern“ wurde neben Schule und Elternhaus das Erziehungsmonopol übertragen.
Ziel der HJ war es, die Jugend „körperlich, geistig und sittlich im Geiste des Nationalsozialismus zu erziehen“. Vor allem die körperliche Ertüchtigung als Vorbereitung auf den Wehrdienst war fester Bestandteil des „Lehrplanes“. Während man versuchte, die Jungen für alles Soldatische zu begeistern, wurden die Mädchen in das Rollenbild der Hausfrau und Mutter gezwängt. Die ideologische Erziehung fand während des „Heimunterrichts“ statt und befasste sich mit einer heroisierten Form der deutschen Geschichte, der nationalsozialistischen Rassenlehre und Schmähungen gegen den Versailler Vertrag.
Die HJ entwickelte sich in kurzer Zeit zu einer Millionenorganisation. Auch der Anteil der in der HJ organisierten Schüler der Sindelfinger „Adolf-Hitler-Oberschule“ (heute Goldberg-Gymnasium) stieg zwischen 1936 und 1939 von 64 auf 99 Prozent. Wie alle NS-Organisationen war auch die HJ nach dem „Führerprinzip“ aufgebaut. Getreu dem Grundsatz „Jugend führt Jugend“ übernahmen ältere Schüler die Führung von jüngeren. Über ein Viertel der Schüler der „Adolf-Hitler-Oberschule“ bekleidete solche HJ-Positionen im Kreis Böblingen.
 
Aufgrund ihres rasanten Aufstiegs war die HJ im Deutschen Reich größtenteils in Notbehelfen untergekommen. Gleiches galt für die 640 Sindelfinger Jungen und Mädchen, die im Frühjahr 1939 in der HJ organisiert waren. Treffen fanden mittwochs und samstags statt. Die zehn- bis 14-jährigen wurden hierzu eigens von der samstäglichen Schulpflicht befreit. Für Ausflüge in den Wald wurde eine Hütte im Spitzholz und eine „Waldhütte an der Straße nach Leonberg“ genutzt. Für den Samstagsdienst wurden acht Schulräume in der Volksschule beansprucht und ein Dienstzimmer eingerichtet. Zusätzlich belegte die HJ Räume im Alten Rathaus und in einem Jugendhaus in der Ziegelstraße. Für Sport wurde die Halle des VfL Sindelfingen in Anspruch genommen. Diese dezentrale Unterbringung in Gebäuden des „alten Systems“ war der Reichsjugendführung ein Dorn im Auge. Daher erklärte sie das Jahr 1937 zum „Jahr der Heimbeschaffung“, mit dem Ziel, repräsentative HJ-Heime zu schaffen, die den Geist des neuen nationalsozialistischen Deutschlands verkörpern sollten. Hierzu formulierte die HJ in einem Sonderheft der württembergischen Zeitschrift „Führerdienst“ architektonische Ansprüche.
Die Aktion schien auch in Sindelfingen Widerhall zu finden, denn im Oktober 1937 ging bei der Stadtverwaltung eine Bauplatzanfrage der HJ ein. Die Stadt wählte einen Bauplatz im Eichholz aus, an dem sich heute das Alten- und Pflegeheim „Haus Eichholzgärten“ befindet. In der Gemeinderatssitzung vom 30. Mai 1940 präsentierte der Bürgermeister erste Entwürfe des beauftragten Architekten Ernst Dobler aus Stuttgart. Die geplante Anlage hatte riesige Ausmaße: 24 Scharräume, vier Gefolgschaftsräume und eine Festhalle. Herzstück der Anlage sollte überdies eine „Ehrenhalle“ sein, in der mit Fahnen und Symbolen der Geist des Nationalsozialismus wie in einem Schrein verehrt werden sollte und in dessen Zentrum eine Büste Adolf Hitlers stehen würde. Dass dieser Entwurf für das damals 8.500 Einwohner zählende Sindelfingen überdimensioniert war, sah auch die Stadtverwaltung ein. Gegen den Widerstand des HJ- Gebietsleiters Uhland wurde die Anzahl der Scharräume reduziert und die Festhalle gestrichen. Als im Kriegsverlauf ein Baustopp verordnet und der Architekt zum Kriegsdienst eingezogen wurde, beschloss die Stadtverwaltung, das Projekt erst nach (siegreicher) Beendigung des Krieges fortzuführen. Anderen HJ-Heimen muss es ähnlich gegangen sein. Jedenfalls blieb die Heimbeschaffungspolitik der Reichsjugendführung weit hinter ihren Ansprüchen zurück. Von den geforderten 50.000 Heimen wurden nur etwas mehr als 1.000 gebaut.
 
(Verfasser: Oliver Weth)

Auszug aus der Niederschrift des Gemeinderats 30.05.1940.  Im Herbst 1941 erfolgte der Beschluss, das Vorhaben erst nach Ende des (siegreichen) Krieges fortzuführen.  (Stadtarchiv Sindelfingen)
Auszug aus der Niederschrift des Gemeinderats 30.05.1940. Im Herbst 1941 erfolgte der Beschluss, das Vorhaben erst nach Ende des (siegreichen) Krieges fortzuführen. (Stadtarchiv Sindelfingen)
Der Lageplan, erstellt um 1938, zeigt umfassende Planungen zum Bau des HJ-Heims und seines Umfeldes. So war die Straßenführung direkt auf die neue Anlage ausgerichtet.  Das HJ-Heim sollte im Gebiet, das heute als "Schleicher" bekannt ist, errichtet werden. Heute befindet sich an dieser Stelle das Pflege- und Altenheim "Haus Eichholzgärten". (Stadtarchiv Sindelfingen)
Der Lageplan, erstellt um 1938, zeigt umfassende Planungen zum Bau des HJ-Heims und seines Umfeldes. So war die Straßenführung direkt auf die neue Anlage ausgerichtet. Das HJ-Heim sollte im Gebiet, das heute als "Schleicher" bekannt ist, errichtet werden. Heute befindet sich an dieser Stelle das Pflege- und Altenheim "Haus Eichholzgärten".(Stadtarchiv Sindelfingen)
Sindelfinger HJ auf Fahrt (Foto: privat)
Sindelfinger HJ auf Fahrt (Foto: privat)

April 1940 – April 2020: Der Film unter dem Hakenkreuz

„Frau nach Maß“ (1940) zählt zu den ca. 1000 Spielfilmen, die während des NS-Regimes gedreht wurden. Und doch lässt in der Liebeskomödie nichts auf die menschenverachtende NS-Ideologie schließen. Ausgestrahlt wurden diese Filme auch im 1938 neugebauten Filmtheater in der Sindelfinger Gartenstraße 33. Im modernen Kinosaal für bis zu 374 Besucher fanden Vorstellungen in der Regel freitags bis montags statt. Der ausgestrahlte Film wurde wöchentlich gewechselt und in der Sindelfinger Zeitung beworben. Wie überall im „Dritten Reich“ waren auch die Sindelfinger eifrige Kinogänger. Besonders beliebt: Ausgaben des Illustrierten Film-Kuriers, der in charmanten Sammelheften einzelne Filme porträtierte und von vielen Sindelfingern gesammelt wurde. Doch auch unpolitische Unterhaltungsfilme wie „Frau nach Maß“ werfen dunkles Licht auf die NS-Filmpolitik.
Unmittelbar nach der Machtergreifung im Januar 1933 begannen die Nationalsozialisten durch eine Reihe von Maßnahmen das gesamte gesellschaftliche und politische Leben in Deutschland gemäß ihrer Ideologie umzugestalten. Die bis dato bunte Filmindustrie der Weimarer Republik wurde von diesen Gleichschaltungsbestrebungen nicht verschont.
Zuständig für die nationalsozialistische Filmpolitik waren das neugegründete Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und die Reichsfilmkammer. Beiden Einrichtungen stand der selbsternannte „Schirmherr des deutschen Films“, Joseph Goebbels, vor. Goebbels, seit jeher fasziniert vom Film, hatte bereits vor der Machtergreifung das Potenzial des Films zur Volksbeeinflussung erkannt. Als Propagandaminister verfolgte er eine radikale Politik der „Arisierung“, Zensur und Verstaatlichung der deutschen Filmlandschaft.
Die Gründung einer Zwangsberufsgenossenschaft für Filmschaffende zählte hierbei zu den ersten Maßnahmen. Ausgeschlossen wurden insbesondere jüdische Künstler und Systemkritiker. Dies kam faktisch einem Berufsverbot gleich. In der Folge emigrierten ca. 1500 Filmschaffende aus Deutschland. Viele Künstler, die nicht rechtzeitig flüchten konnten, wurden ermordet.
Die Nationalsozialisten betrieben eine umfangreiche Filmzensur, die insbesondere eine politische Stoßrichtung hatte. Neben der Überprüfung bereits abgedrehter Streifen wurde des Weiteren ein Reichsfilmdramaturg eingesetzt, dessen Aufgabe darin bestand, Drehbücher und Filmentwürfe zu zensieren. Filmunternehmen wurden zu Zusammenschlüssen gedrängt, sodass 1942 lediglich der UFI-Konzern als staatseigene Produktionsgesellschaft übrigblieb. Bei Spielfilmen war der Anteil der offenkundigen Propagandafilme mit ca. 10-15% relativ gering und sank während der zweiten Kriegshälfte nochmals merklich. Die meisten Werke waren Unterhaltungsfilme, in denen nationalsozialistische Alltagssymbolik wie Uniform, Hakenkreuz und Hitlergruß nur selten vorkam. Dies hatte jedoch politisches Kalkül: Propaganda und Indoktrination durchzogen bereits übrige Teile des gesellschaftlichen Lebens. Unterhaltungsfilme sollten hierzu als Ablenkung dienen und insbesondere zu Kriegszeiten die Illusion einer „heilen Welt“ erzeugen. Gerade deshalb war die Naziführung darauf bedacht, den Kinobetrieb so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Die zahllosen Kinosäle wurden, wie auch in Sindelfingen, überwiegend privat betrieben, unterlagen jedoch strengen Auflagen.
Über das Maß der Einflussnahme des Propagandaministeriums auf Unterhaltungsfilme wird bis heute diskutiert. Es gibt Beispiele dafür, dass Goebbels persönlich in Drehbücher eingriff. Andererseits berichten Regisseure auch von künstlerischer Freiheit. Auch wenn nicht alle Filme, die zwischen 1933 und 1945 gedreht worden sind, propagandistische Werke sind, so sind sie dennoch vor dem Hintergrund der Zeit ihrer Entstehung zu betrachten. Nach der Auffassung Goebbels, hatte Unterhaltung eine ausdrücklich politische Funktion; und so kann auch der cineastisch wertvolle, scheinbar unpolitische Unterhaltungsfilm dazu beitragen, von Diktatur, Unterdrückung und Krieg abzulenken.

(Verfasser: Oliver Weth absolviert im Kulturamt eine Praxisphase im Rahmen seines Verwaltungsstudiums. Zuvor studierte er einige Semester Geschichte)

Illustrierter Film-Kurier, 1940  Die Liebeskomödie „Frau nach Mass“ beruht auf einem Bühnenstück von Eberhard Foerster. Hinter dem Namen verbirgt sich Erich Kästner, der seit 1933 Berufsverbot hatte.  Der Illustrierte Film-Kurier (1919-1944) war Vorbild für spätere Kinoprogramme. In grafisch aufwendiger Gestaltung wurden in den mehrseitigen Heften Filminhalte attraktiv dargestellt.  Auch in Sindelfingen waren sie als Sammelobjekte begehrt. Im Jahr 1940 kostete ein Heft 10 Pfennig.  Scan: Stadtmuseum Sindelfingen
Illustrierter Film-Kurier, 1940
Die Liebeskomödie „Frau nach Mass“ beruht auf einem Bühnenstück von Eberhard Foerster. Hinter dem Namen verbirgt sich Erich Kästner, der seit 1933 Berufsverbot hatte. Der Illustrierte Film-Kurier (1919-1944) war Vorbild für spätere Kinoprogramme. In grafisch aufwendiger Gestaltung wurden in den mehrseitigen Heften Filminhalte attraktiv dargestellt. Auch in Sindelfingen waren sie als Sammelobjekte begehrt. Im Jahr 1940 kostete ein Heft 10 Pfennig.
Scan: Stadtmuseum Sindelfingen
Anzeige in der Sindelfinger Zeitung, 1940Am 26. April 1940 kam der Film „Sommer, Sonne, Erika“ ins Sindelfinger Kino. Filmwerbung erschien damals fast täglich in den Zeitungen. Scan: Stadtarchiv Sindelfingen
Anzeige in der Sindelfinger Zeitung, 1940
Am 26. April 1940 kam der Film „Sommer, Sonne, Erika“ ins Sindelfinger Kino. Filmwerbung erschien damals fast täglich in den Zeitungen.
Scan: Stadtarchiv Sindelfingen

März 2020 / März 1940: Propagandamaschinerie auf Hochtouren

Mit dem deutschen Überfall auf Polen begann am 1.September 1939 der Zweite Weltkrieg. Entsprechend ihrer Bündnisverpflichtungen erklärten Frankreich und England am 3.September dem Deutschen Reich den Krieg. Allerdings war diese Kriegserklärung zunächst nur mit geringen Kampfhandlungen an der Westfront verbunden. Während von der deutschen Propaganda für den schnellen Sieg über Polen der Begriff „Blitzkrieg“ geprägt wurde, wurde die zeitgleiche Situation an der deutsch-französischen Front häufig ironisierend als „Sitzkrieg“ bezeichnet. „Drôle de guerre“ – „komischer Krieg“ war die Bezeichnung, die sich auf französischer Seite für die Verhältnisse im Winter 1939/40 einbürgerte.
Zwar waren die Kampfhandlungen an der Westfront vergleichsweise gering, umso intensiver beschäftigte sich aber die nationalsozialistische Propagandamaschinerie mit den westlichen Alliierten, vor allen Dingen mit England. Jeden Tag findet sich in der Zeitung eine Vielzahl von Artikeln, in denen wahlweise englische Politiker als Lügner oder die englische Kriegsführung als brutal und völkerrechtswidrig angeprangert wird. Dabei treten zwei propagandistische Stoßrichtungen besonders auffällig hervor:
Zum einen schwingt sich die deutsche Propaganda zum Fürsprecher der englischen Kolonialvölker auf und prangert deren Unterdrückung an. So gibt es beispielsweise in der Sindelfinger Zeitung vom 6.März 1940 einen ausführlichen Artikel über indische Arbeiter, die wegen der schlechten Behandlung durch die britische Kolonialregierung in den Streik getreten sind, und auch in den folgenden Wochen gibt es viele Ausgaben, in denen die britische Kolonialpolitik unter der Vorspiegelung humanitären Interesses an den unterdrückten Völkern thematisiert und propagandistisch ausgeschlachtet wird.
Auch die zweite, in Variationen immer wieder aufgegriffene propagandistische Stoßrichtung kann nicht überraschen: sie stellt die Verbindung der als „internationalistisch“ verteufelten englischen Politik mit der in der NS-Propaganda allgegenwärtigen „Jüdischen Weltverschwörung“ her. So ist ein Artikel in der Sindelfinger Zeitung am 7. März beispielsweise „Englands Krieg ist Judas Krieg“ überschrieben. So abstrus uns die Herstellung solcher Zusammenhänge und die Krokodilstränen über koloniale Unterdrückung heute erscheinen mögen, sollte man die Wirkung dieser massiven Dauerbeeinflussung nicht unterschätzen.
Wie perfide und skrupellos die NS-Propaganda im Frühjahr 1940 vorging, wird anhand zahlreicher Artikel deutlich, in denen England vorgeworfen wird, permanent die niederländische und belgische Neutralität zu verletzen. Dabei lagen die deutschen Pläne, einen Sieg über Frankreich mit Hilfe eines Angriffs über die neutralen Länder Belgien und Holland zu erreichen, längst in der Schublade.
 

(Verfasser: Horst Zecha)

Februar 2020 / Februar 1940: Die Kraft der Musik

Die Sindelfinger Bevölkerung strömte am Wochenende des 10./11. Februars 1940 zahlreich in die Turnhalle des VfL im Eichholz. Von den NSDAP Ortsgruppen Eichholz und Goldberg wurde ein unterhaltsames Konzert zu „Ehren der Ausmarschierten“ veranstaltet. Die Musikstücke reichten von Klassik über Operetten bis hin zu Soldatenliedern und Liedern der „heiteren Muse“. Den Abschluss machte das Propagandalied „Fahrt nach Engeland“.
In der Ankündigung des Konzerts erfahren die Zeitungsleser Interessantes über die Entwicklung der „neuen Soldatenlieder“. „Diese Lieder sollen keine formvollendeten Dichtungen und Musikwerke sein. Aber man erwartet von ihnen Sauberkeit, Echtheit, natürliche Volkstümlichkeit…“ (Sindelfinger Zeitung 7.2.1940)
 
Mit der Gründung der Reichskulturkammer am 23.9.1933 unter dem Präsidenten Joseph Goebbels erfolgte die „Gleichschaltung“ und die Kontrolle des Kulturbetriebs. Die größte Einzelkammer war die Reichsmusikkammer. Für Musiker war die Mitgliedschaft Pflicht. Sie mussten politisch unbelastet sein und einen Ariernachweis vorlegen. Die Nichtmitgliedschaft war gleichbedeutend mit einem Berufsverbot.
 
Musik spielte im Alltag eine wichtige Rolle, wie umfangreiche Liederhefte der verschiedenen nationalsozialistischen Organisationen zeigen. So z.B. „Lieder der Hitlerjugend“. Vor allem dem gemeinsamen Singen als einfachster Art des Musizierens kam eine besondere Bedeutung zu. Der Musikunterricht in der Schule wurde in dieser Zeit ausgebaut. „In allen Schulgattungen werden die Kampflieder der Bewegung gesungen… Hier ist schon manches neues Lied aus der SA, dem freiwilligen Arbeitsdienst, der HJ in die Schulmusik eingegangen.“ (Josef Müller-Blattau, 1934)
 
Neben der Schule wurde in den Betrieben, in der Freizeit, bei den Jugendorganisationen und Großveranstaltungen musiziert. Die Musik bewirkte ein Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gemeinschaft vor allem auch während des Krieges: „In einer Zeit, in der der gesamten Nation so schwere Lasten und Sorgen aufgebürdet werden, ist auch die Unterhaltung staatspolitisch von besonderem Wert“. (Goebbels 1941)
 
Das Programm des Sindelfinger Konzerts zeigt klar, dass der Aspekt der Unterhaltung eine wichtige Rolle im Nationalsozialismus spielte. Ziel war die Ablenkung von den Sorgen des Alltags. Im Verlauf des Krieges reagierte die Bevölkerung zunehmend kritisch auf Liedertexte, die den Kriegsalltag konterkarierten. Ein Beispiel ist das Lied „Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei“ von F.Raymond (1942). Es erhielt mehrere Umdichtungen wie z.B. "Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei, zuerst Adolf Hitler, dann seine Partei" oder "... mein Mann ist in Rußland, ein Bett ist noch frei"
 
(Verfasserin Illja Widmann)

Januar 2020 / Januar 1940: „Ehemann im Lager verstorben – näheres durch Polizei“

Das Schicksal des Wilhelm Brendle
 
Die Gedenktafel für die Sindelfinger NS-Opfer neben dem Haupteingang des Rathauses dokumentiert eindrücklich, wie sehr die nationalsozialistische Terrorherrschaft auch in einer Kleinstadt wie Sindelfingen ihre Spuren hinterlassen hat.
 
Ein Name, der auf dieser Tafel zu finden ist, ist der von Wilhelm Brendle. Von seiner Familie und von den Nachbesitzern seines Hauses in der Uhlandstraße sind zahlreiche Originaldokumente ins Sindelfinger Stadtarchiv gelangt, so dass wir seinen Lebens- und Leidensweg detailliert nachvollziehen können.
 
Wilhelm Brendle wurde 1889 in Rommelsbach geboren und kam 1919 nach Sindelfingen,  wo er sich der Kommunistischen Partei (KPD) anschloss und für diese auch öffentlich in Erscheinung trat. 1931 kandidierte er für einen Sitz im Sindelfinger Gemeinderat.
 
Nachdem die Nationalsozialisten kurz nach Ihrer Machtergreifung den Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 zum Vorwand für die Zerschlagung der demokratischen Parteien genommen hatten, wurden zahlreiche Mitglieder und Funktionäre vor allem der KPD und der SPD verhaftet. Auch Wilhelm Brendle wurde inhaftiert und bis Juli 1933 im Konzentrations-lager auf dem Heuberg (Schwäbische Alb) festgehalten.
Familienmitglieder und Bekannte berichten, dass Wilhelm Brendle und seine Familie in der Folgezeit immer wieder Schikanen und Repressionen ausgesetzt waren. Nach einem Treffen mit ehemaligen Parteifreunden im August 1935 wurde Wilhelm Brendle erneut verhaftet und vom Amtsgericht Stuttgart zu zweieinhalb Jahren Gefängnis wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verurteilt. Nach Verbüßung der Haftstrafe folgte aber, wie in vielen anderen Fällen auch, nicht die Freilassung, sondern die Verbringung in ein Konzentrationslager. So führte der Weg von Wilhelm Brendle schließlich im Herbst 1939 ins österreichische KZ Maut-hausen. Von dort erhielt seine Frau am 25. Januar 1940 ein kurzes Telegramm: „Ehemann im Lager verstorben – näheres durch Polizei.“ Auf die Nachfrage nach der Todesursache ihres Mannes erhielt Maria Brendle im Februar 1940 ebenfalls nur eine lapidare Nachricht, die mit den tatsächlichen Verhältnissen nichts zu tun hatte: „Der am 25.01.40 verschiedene W.B. stand hier in Behandlung wegen einer Adernverkalkung bei Bluthochdruck. Trotz aller ärztlichen Bemühungen verstarb B. an den Folgen eines Gehirnschlages.“
Eine „ärztliche Behandlung“ und „ärztliche Bemühungen“ sind angesichts der Zustände in den Konzentrationslagern kaum vorstellbar, und so muss die wahre Todesursache offen bleiben. Durch die Einäscherung des Leichnams wurden auch alle späteren Untersuchungen unmöglich gemacht.
 
Wenige Tage vor seinem Tod, am 14. Januar 1940, hatte Wilhelm Brendle den letzten (selbstverständlich zensierten) Brief aus dem KZ Mauthausen an seine Familie gesandt. Dort schreibt er unter anderem: „Hoffe, dass ihr alle noch gesund seid, was ich von mir soweit auch berichten kann.“ Die Hoffnung, die Wilhelm Brendle in den ersten Zeilen des Briefes ausdrückt, hat sich für ihn und seine Angehörigen nicht mehr erfüllt: „Meine liebe gute Maria und alle Lieben in der Heimat! Ein Neues Jahr ist wiederum herangekommen, was wird es uns bringen? Hoffen wir den Völkerfrieden und die lang und heiß ersehnte Freiheit.“
 
(Verfasser Horst Zecha)

Dezember 2019 / Dezember 1939: Die erste Kriegsweihnacht

Jenseits der großen, von der NS-Propaganda geprägten Überschriften sind es in den Tageszeitungen vom Dezember 1939 eher die kleinen, unscheinbaren Kurzmeldungen, aus denen deutlich wird, dass sich das alltägliche Leben und damit auch die Vorbereitungen auf das alljährliche Weihnachtsfest durch den Krieg verändert hatten.
In der Sindelfinger Zeitung vom 9. Dezember findet sich unter der Überschrift „Mehl für die Weihnachtsbäckerei“ folgender Hinweis: „Für die Weihnachtsbäckerei soll den Verbrauchern die Möglichkeit gegeben werden, Mehl an Stelle von Brot zu beziehen.“ In der Folge wird das Verfahren dazu genauestens beschrieben. Notwendig wurde dieser Hinweis, weil diverse Lebensmittel, darunter auch Brot, seit Kriegsbeginn nur noch gegen die Vorlage von zugeteilten Bezugskarten verfügbar waren.
In der gleichen Ausgabe wird unter der Überschrift „Praktische und schöne Geschenke, die Freude machen“ erläutert, welches die richtigen Weihnachtsgaben für die Soldaten im Feld sein könnten. U.a. heißt es dort: „Heute, wo Mann, Sohn oder Bruder im Felde stehen, wird die Frage der Geschenkwahl verstärkt auftauchen. (…) In Wirklichkeit ist dies gar nicht so schwer; denn bei einiger Überlegung lässt sich vielerlei finden. Nur allzu umfangreich dürfen die Gaben nicht sein, damit sie das zulässige Feldpostgewicht des 1-Kilo-Päckchens nicht überschreiten. (…) Lesestoff ist im Felde immer willkommen. Der Buchhändler hilft gerne bei der Auswahl, wenn man ihm sagt, ob der Empfänger ernste oder heitere Kost bevorzugt.“
Ob die Frauen, deren Männer zur Wehrmacht eingezogen waren, tatsächlich nicht selbst am besten wussten, was notwendig und sinnvoll ist, sei dahingestellt. Aber auch die Empfehlungen des angesprochenen Buchhändlers sollten nicht dem Zufall überlassen werden. So finden sich sowohl am 9. als auch am 16. Dezember 1939 Empfehlungen der NSDAP-Kreisleitung unter der Überschrift „Bücher auf den Weihnachtstisch!“ Titel wie „Der Führer und sein Werk“, „Nationalsozialistische Leistungsauslese“ oder „Die Judengesetze Großdeutschlands“ lassen erahnen, dass es sich um Propagandaschriften der schlimmsten Sorte handelt.
Am 23. Dezember wird in der Sindelfinger Zeitung darauf hingewiesen, dass auf dem Balkon des Rathauses [heutige Galerie] selbstverständlich wieder der traditionelle Weihnachtsbaum aufgestellt sei, allerdings wegen der Verdunklungsanordnung in diesem Jahr ohne Beleuchtung.
Ebenfalls am 23. Dezember druckte die Sindelfinger Zeitung ein Gedicht des damaligen Sindelfinger Gewerbeschulleiters Eduard Eisele ab, das zeigt, wie perfekt es der nationalsozialistischen Propaganda mittlerweile gelungen war, auch in die Gedankenwelt gebildeter und reflektierter Menschen vorzudringen. In pathetischen Worten gibt Eisele die NS-Ideologie vom unterdrückten Volk auf der Suche nach Lebensraum wider:
„Und wieder ist das Weihnachtsfest nun da,
Wir steh’n in Waffen, denn der Feind ist nah!
Die Welt ist krank, sie liegt in bösen Wehen,
Sie kann die Wahrheit und uns Deutsche nicht verstehen.
Die Welt ist kalt wie Wintersnacht und – Grausen,
Man gönnt uns Licht und Leben nicht, da draußen,
Man will mit Mord und Krieg und eitler List
Vernichten, was uns Deutschen heilig ist.“
 
Auch wenn die Zeit der Luftangriffe und des unmittelbaren Kriegserlebens noch fern war – es war keine fröhliche Weihnachtszeit mehr, die die Sindelfingerinnen und Sindelfinger 1939 erlebten.
 
(Verfasserin Illja Widmann)

November 2019 / November 1939: Allgegenwärtig – der Einfluss der NSDAP

Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) wurde bereits 1920 gegründet und nach der Machtübernahme Hitlers 1933 zur alleinigen Staatspartei etabliert. Zunehmend wurde berufliches und gesellschaftliches Fortkommen in den dreißiger Jahren an die NSDAP-Mitgliedschaft geknüpft. Bei Kriegsende 1945 hatte die NSDAP etwa 8,5 Millionen Mitglieder.
 
Eigentlich war es nur eine nachrangige Personalfrage, die in der Sindelfinger Gemeinderatssitzung vom 16. November 1939 entschieden werden sollte, doch selbst hierbei wird der allgegenwärtige Einfluss der NSDAP deutlich: Unter dem Betreff „Kläranlage“ wird protokolliert: Der Bürgermeister beabsichtigt „in erster Linie den S. anzustellen, sofern er in politischer Beziehung einwandfrei ist…Vor endgültiger Entscheidung wird der Bürgermeister ein politisches Führungszeugnis von S. einverlangen.“
Bis zur nächsten Gemeinderatssitzung am 14. Dezember hatte sich allerdings ein überraschend neuer Sachverhalt ergeben. Das Protokoll hält fest: „Außer den in der Beratung vom 16. November 1939 mitgeteilten Bewerbern hat sich nachträglich noch der Schlosser K. von hier um die Stelle des Kläranlagenwärters beworben. K. ist seit 1934 in Sindelfingen wohnhaft und seither auch in der Ortsgruppe der NSDAP tätig. Der Bewerber S. tritt mit seiner Bewerbung zurück, sofern K. die Stelle übertragen erhalten soll. Nach Beratung und vorheriger Rücksprache mit den Ortsgruppenleitern [der NSDAP] beabsichtigt der Bürgermeister (…) die Stelle des Kläranlagenwärters dem Bewerber K. zu übertragen.(…) Die Ratsherren sind mit der Anstellung des K. einverstanden.“
Die Frage, ob der Rückzug des ursprünglichen Bewerbers freiwillig geschah muss ebenso offen bleiben wie die Frage, welche Rolle die fachliche Qualifikation (noch) gespielt hat.
 
Am 27.11.1939 erhielt ein Mitarbeiter des hiesigen Daimler-Benz-Werks Post von der Personalabteilung. Unter der Überschrift „Lehrstellengesuch“ wurde folgendes ausgeführt: „Wir nehmen Bezug auf das Gesuch um Einstellung Ihres Sohnes als Lehrling im Frühjahr 1940 und teilen Ihnen mit, dass wir uns nach Abschluss der Eignungsprüfung bereit erklärt haben, Ihren Sohn in unsere Abteilung Metallbearbeitung einzustellen. Der Eintritt erfolgt am 1. April 1940.
Beim Eintritt sind mitzubringen: Steuerkarte für 1940,(…), HJ-Ausweis,(…)
 
Es wird deutlich, dass nicht nur im Staatsdienst, sondern auch in Wirtschaftsunternehmen die Mitgliedschaft in der NSDAP und ihren angegliederten Verbänden Voraussetzung für eine Neueinstellung war. Der genannte HJ-Ausweis war der Nachweis für die Mitgliedschaft in der Hitlerjugend. Die Jugendorganisation der NSDAP war bereits 1926 gegründet worden und umfasste im Jahr 1938 rund 8,7 Millionen Mitglieder und damit fast alle Kinder und Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren im Deutschen Reich. Vorrangige Ziele der Hitlerjugend waren die ideologische Vereinnahmung und die vormilitärische Ausbildung.
 
Dass es mit dem Nachweis der HJ-Mitgliedschaft im Hinblick auf die avisierte Lehrstelle alleine noch nicht getan war, wird aus einem zweiten Schreiben deutlich, das am 14. März 1940 an den besagten Mitarbeiter des Daimler-Benz-Werks ging: „Im Anschluss an unser Einstellungsschreiben teilen wir Ihnen mit, dass der Lehrling … am Eintrittstage Montag, den 1. April 1940 vormittags 8 Uhr in H.J. Uniform zu erscheinen hat.“
 
Kommen wir am Ende des Beitrags nochmals auf die eingangs zitierte Gemeinderatssitzung vom 16. November 1939 zurück. Unter dem Betreff „NSDAP“ wird dort vermerkt: „Die Ortsgruppen der NSDAP müssen während der Dauer des Krieges ihre Mitgliedsbeiträge restlos an die Gauleitung abführen. Die Ortsgruppenleitungen bitten daher während der Dauer des Krieges um Nachlass der Miete für die Geschäftsräume im Schwanengebäude [ehemaliger Standort gegenüber heutiger Stadtbibliothek] und im Gebäude Adolf-Hitler-Platz [heute Marktplatz] 5. Im Einvernehmen mit den Ratsherren ergeht folgende Entschließung des Bürgermeisters: Den hiesigen Ortsgruppen der NSDAP werden vom 1. Oktober 1939 an für die Dauer des Krieges die Mietzinsen für die von der Stadt gemieteten Geschäftsräume erlassen.“
Weder Bürgermeister Pfitzer noch die Ratsherren dürften an diesem 16. November 1939 geahnt haben, dass nie mehr eine NSDAP-Ortsgruppe für städtische Räumlichkeiten Miete bezahlen würde.
 
(Verfasser Horst Zecha)
 

Oktober 2019 / Oktober 1939: Eintopfsonntag und Winterhilfswerk als Propagandainstrumente

„Erster Opfersonntag im Kriegs WHW. Im Gedenken an die eherne Front. Am gestrigen Sonntag wurde in jedem deutschen Haushalt und in jeder Gaststätte, in den Speisewagen der Deutschen Reichsbahn und auf allen deutschen Schiffen der Eintopf gegessen. Und von diesem symbolischen gemeinsamen Essen kreisten die Gedanken hinaus zu den feldgrauen Männern, die draußen als eherne Front die Wacht an unseren Grenzen halten und alltäglich ihren Eintopf essen und auf viele Annehmlichkeiten des heimischen Alltags verzichten müssen…“ So klang es am Montag, den 23. Oktober 1939 in der Sindelfinger Zeitung.
 
Das Winterhilfswerk (WHW) organisierte am Tag zuvor, dem 22. Oktober 1939 zum ersten Mal den sogenannten „Opfersonntag“. Alle Menschen im Deutschen Reich waren angehalten aus Solidarität mit den Soldaten auf ein reichhaltiges Sonntagsmahl zu verzichten und wie die Soldaten einen einfachen Eintopf zu sich nehmen. Damit sollten sich die Menschen in Verzicht und Entbehrung üben und ihre Opferbereitschaft bekunden.
 
Im Oktober 1933 wurden die „Eintopfsonntage“ eingeführt. Sie fanden regelmäßig von Oktober bis März einmal im Monat statt. Ziel war die Stärkung der „Volksgemeinschaft“ und des Zusammengehörigkeitsgefühls. Die Aktion, die durch die NS Volkswohlfahrt erfolgte, wandte sich gegen die bürgerliche Sitte des gemeinsamen großen Sonntagsmahls in der Familie. Mit bunten Plakaten wollte man vor allem Kinder zur Teilnahme bewegen und kontrollierte dies dann in der Schule.
Die Eintopfsonntage dienten neben der Stärkung des Gemeinschaftsgefühls vor allem zur Spendeneinwerbung. Der Eintopf sollte maximal 50 Pfennig kosten. Die Differenz gegenüber einem regulären Sonntagsessen musste gespendet werden und kam dem Winterhilfswerk zugute. Auch Restaurants boten Eintopfgerichte an.
 
Die erste Sammelaktion für das Winterhilfswerk erfolgte am 13.September 1933. Bis 1943 sammelten über eine Million Menschen regelmäßig auf der Straße und an der Haustüre Spenden ein. Als „Dank“ erhielt man eine Plakette. Wer kein aktuelles Abzeichen trug, wurde verdächtigt, nicht gespendet zu haben. Die Marketingidee war sehr erfolgreich, da sie die Sammelleidenschaft ansprach. Es wurden jeweils verschiedene Serien herausgegeben. Im Winterhalbjahr 1939/40 wurden 680 Millionen Reichsmark gespendet (heutiger Gegenwert ca. drei Milliarden Euro). Ein Großteil der „Spende“ wurde den Arbeitnehmern bereits mit dem Gehalt abgezogen und weitergeleitet.
Das Winterhilfswerk war ein zentrales Mittel der NS-Volkswohlfahrt, die über die Verteilung der Gelder frei verfügen konnte. Zunächst konnten sich alle Bedürftigen um Unterstützung bemühen, seit 1935 waren jedoch Juden ausgeschlossen und im Laufe der nächsten Jahre wurden nur noch „Erbgesunde“ unterstützt.
 
Einen Einblick in die Realität zeigt das Gedicht von Bertolt Brecht aus „Furcht und Elend des Dritten Reichs“
Die Winterhelfer treten
Mit Fahnen und Trompeten
Auch in das ärmste Haus.
Sie schleppen stolz erpreßte
Lumpen und Speisereste
Für die armen Nachbarn heraus.

Die Hand, die ihren Bruder erschlagen
Reicht, daß sie sich nicht beklagen
Eine milde Gabe in Eil.
Es bleiben die Almosenwecken
Ihnen im Halse stecken
Und auch das Hitlerheil
(Verfasserin Illja Widmann)

September 2019 / September 1939: Der Krieg – vom ersten Tag an organisiert

Wenn wir die Sindelfinger Zeitung vom 1. September 1939 betrachten, finden wir dort eine ganze Reihe von Bekanntmachungen, was sich mit Beginn des Krieges verändert. Das muss zunächst überraschen, da ja Hitler erst an diesem Tag mit seinem legendären Satz „Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen“ den Beginn der Kampfhandlungen verkündete.
Wir wissen, dass sowohl die von Hitler angedeutete Notwehrsituation eine glatte Lüge war, ebenso wie die genannte Uhrzeit.
Bereits seit Jahren hatte die nationalsozialistische Führung zielgerichtet auf einen Krieg hingearbeitet, um sich den in ihren ideologischen Vorstellungen notwendigen „Lebensraum im Osten“ gewaltsam anzueignen. Und ursprünglich hatte Hitler den Angriff auf Polen bereits eine Woche früher, für den 26. August geplant, ihn dann aber mit Rücksicht auf die italienischen Verbündeten nochmals verschoben.
Vor diesem Hintergrund kann es schon weniger verwundern, dass wir in der Sindelfinger Zeitung vom 1. September 1939 schon umfangreiche Informationen zur Einführung von Bezugscheinen und zur Verdunkelung und Luftschutzbereitschaft finden. Die Sindelfinger NSDAP-Ortsgruppen Eichholz und Goldberg informierten über die Ausgabe von Gasmasken am selben Abend um 19 Uhr.
Aufschlussreich ist auch die Information über die sofortige Sperrung der Hauptstraße zwischen Böblingen und Sindelfingen, der Böblinger Allee, für den Durchgangsverkehr. Diese Maßnahme war wohl der Herstellung einer direkten Verbindung der militärischen Anlagen diesseits und jenseits der Straße geschuldet.
Selbst die Buchhandlung Röhm hatte sich offensichtlich schon auf die beginnende militärische Auseinandersetzung vorbereitet und bot in einem Inserat eine Landkarte „Der deutsche Osten und Polen“ zum Preis von 1.20 Mark an, damit auch in der Heimat die Truppenbewegungen nachvollzogen werden konnten.
Auch in den Folgetagen des September 1939 ist – neben den propagandistisch gefärbten Berichten über den Kriegsverlauf im überregionalen Teil – der Lokalteil der Sindelfinger Zeitung gefüllt mit weiteren Hinweisen vor allem zur Kriegswirtschaft und zum Luftschutz. Das Verfahren, welche Lebensmittel und Güter des täglichen Gebrauchs nun nur noch über Bezugsscheine zu erhalten waren, wurde ausführlich erläutert, ebenso die Fragen, was mit verlorenen oder übrig gebliebenen Bezugsscheinen zu geschehen habe.
Für die Benutzung von Kraftfahrzeugen wurden strenge Nutzungsregelungen eingeführt, die „Vergnügungs- oder Spazierfahrten“ ausdrücklich verboten.
Im Zusammenhang mit den Verdunklungsmaßnahmen bot die Buchhandlung Röhm „Abdunkelungspapier“ an. Es finden sich aber auch eher skurril anmutende Verhaltensmaßregeln, wie der folgende Hinweis in der Zeitung vom 27. September: „Die Mahnung, keine Obstreste wegzuwerfen, ist an sich alt. Ihr kommt aber gerade jetzt in der Zeit der Verdunkelung größere Wichtigkeit zu. Die Wahrscheinlichkeit, dass Volksgenossen durch Obstreste zu Fall und damit zu Schaden kommen, ist durch die Dunkelheit nur noch größer.“
Insgesamt entsteht bei der Durchsicht der Lokalteile der Zeitungen vom September 1939 der Eindruck, dass es bei den zahllosen Verhaltenshinweisen nicht nur um die kriegsbedingte Organisation verschiedener Lebensbereiche, sondern auch um die propagandistische Einstimmung der Menschen auf den begonnenen Krieg geht. Ebenso wie militärisch war der Krieg auch propagandistisch von langer Hand vorbereitet und hat sofort auch in den Lebensbereich jedes einzelnen eingegriffen.
 
(Verfasser Horst Zecha)