Langzeitprojekt - Stadtmuseum - Stadtarchiv

Vor 80 Jahren - Sindelfingen im Krieg

Mit dem Überfall Hitler-Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Wie wirkte sich dieser Krieg im heimischen Lebensraum aus?
Welche Spuren hat er in Sindelfingen hinterlassen? War er von Anfang an zu spüren?
In der Reihe "Vor 80 Jahren - Sindelfingen im Krieg" stellen wir monatlich ein Objekt oder ein Thema in den Mittelpunkt, das 80 Jahre zuvor relevant war.
So entsteht eine Reihe mit 69 Beiträgen, die monatliche Blitzlichter auf die Zeit von September 1939 bis Mai 1945 wirft und das damalige Geschehen auf lokaler Ebene lebendig werden lässt.
Das Stadtmuseum präsentiert monatlich wechselnd eine Sondervitrine zum jeweiligen Thema.

Das Stadtmuseum führt das Projekt auch in Zeiten von Corona fort.
Sollten Sie noch Erinnerungsstücke oder andere Objekte aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs aus Sindelfingen dem Museum zur Verfügung stellen wollen, dann dürfen Sie sich gerne unter 07031 94357 melden.

September 1941 – September 2021 „Eine neue Zeitung für Sindelfingen"

„An unsere geschätzten Leser! Die Kriegswirtschaft verlangt stärkste Konzentration aller Kräfte. Persönliche Wünsche und alte Traditionen treten zurück, um den Erfordernissen unserer Zeit gerecht zu werden…“ Mit diesen Worten gab der Verleger Adolf Röhm am 23. August 1941 seiner Leserschaft bekannt, dass die Sindelfinger Zeitung zu Ende des Monats ihr Erscheinen einstellen werde.
 
Am 1. September erschien in Sindelfingen die neue NS-Kreiszeitung als „amtliches Organ der Partei und Behörden des Kreises Böblingen und der Fildergemeinden“.
 
Die Kontrolle über die Presse war ein wichtiger Stützpfeiler der NS-Herrschaft. Bereits 1933 wurde mit der Machtübernahme die Pressefreiheit abgeschafft. Das am 1. Januar 1934 in Kraft getretene Schriftleitergesetz führte zum faktischen Berufsverbot von mehr als 1.000 Journalisten. Joseph Goebbels war Reichspropagandaleiter sowie Präsident der Reichskulturkammer (RKK) und herrschte somit über alle Bereiche, die die Presse betrafen. Journalisten (neu: Schriftleiter) waren nun nicht mehr dem Verleger verpflichtet, sondern über mehrere Stufen der „RKK“.
 
Bis in die 1940er Jahre hinein existierten noch einige Lokalzeitungen, die jedoch immer mehr unter Druck gerieten. Am 1. September 1941 löste die NS-Zeitung sowohl die Sindelfinger Zeitung, als auch den Gäuboten und die Filderzeitung ab. Ernst Altenmüller (NS-Kreisleiter): „Damit hört der fast unhaltbare Zustand auf, daß vier Zeitungen nebeneinander bestehen. Hier konnte nicht von einem gesunden Konkurrenzkampf gesprochen werden, - das war schon Zersplitterung… Zusammenschluß und gemeinsame Arbeit ist der Ruf der Zeit. Diese Ziele dürfen nicht halt machen vor kleinlichen Privatinteressen. Befindet sich ein Volk in seinem Existenzkampf…, dann ist es Gebot der Stunde, alles aufzubieten, damit die Einheit und dadurch die Stoßfähigkeit garantiert sind.“
 
Wie stand nun die Gemeinde zur Auflösung der 50 Jahre alten Sindelfinger Zeitung? In der Sitzung des Gemeinderats am 18. September 1941 betonte Bürgermeister Pfitzer deutlich, dass er nicht einverstanden ist, dass „…durch den Willen des Unternehmers…hier fertige Tatsachen geschaffen worden seien.“ Die Mitglieder des Gemeinderats waren ebenfalls nicht überzeugt, zumal die Bürger sich unter anderem über den höheren Preis beschwerten. Die Aussage von Bürgermeister Pfitzer vermittelt dabei den Eindruck einer Entscheidungsfreiheit des Verlegers Adolf Röhm. Sieht man sich jedoch die Entwicklung im NS-Staat mit der Kontrolle aller Lebensbereiche an, so zeigt sich, dass die noch bestehenden kleinen Verlage, diesem Druck wohl nicht standhalten konnten.
 
In einem Interview 1990 betonte Werner Röhm, der Sohn des Verlegers, den Druck der örtlichen NS-Funktionäre auf seinen Vater, der von ihnen „als politisch unzuverlässig eingestuft wurde“ und man dem Verlag daher „die amtlichen Bekanntmachungen entzog.“ Ende August 1941 gab die Familie laut eigener Aussage den Kampf um die Zeitung auf: „wir waren zermürbt“.
 
Text von Illja Widmann


Mit dieser Anzeige informierte der Verleger Adolf Röhm seine Leserschaft über die bevorstehende Auflösung seiner Zeitung. Sindelfinger Zeitung 23.8.1941
Mit dieser Anzeige informierte der Verleger Adolf Röhm seine Leserschaft über die bevorstehende Auflösung seiner Zeitung. Sindelfinger Zeitung 23.8.1941

Archiv

August 2021 – August 1941 "Sterben an der Ostfront und Kriegspropaganda"

Mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 erreichte der Zweite Weltkrieg eine neue Dimension, nicht nur was die geografische Ausdehnung, sondern vor allem auch was die Anzahl der Opfer anbetrifft. Dies spiegelt sich unter anderem auch in den Opferzahlen wider, die Sindelfingen zu beklagen hatte. Sind in dem 1955 veröffentlichten Gedenkbüchlein „Die Gefallen und Vermissten der Stadt Sindelfingen im Weltkrieg 1939-1945“ für die Jahre 1939 und 1940 zusammen 12 Gefallene vermerkt, so sind es allein im Jahr 1941 bereits 39. Die allermeisten von ihnen sind im Krieg gegen die Sowjetunion umgekommen.

Spätestens im August 1941 war klar, dass der von Hitler und seinen Wehrmachtsgenerälen geplante schnelle siegreiche Feldzug eine Illusion war. Dennoch überbot sich die offizielle Propaganda mit Erfolgsmeldungen und beschwor die Unbesiegbarkeit der deutschen Truppen. Aber auch in Todesanzeigen, Benachrichtigungen an die Familien Gefallener und in privaten Ausführungen finden wir eine für uns heute nur noch schwer erträgliche Heroisierung des Krieges und des Todes. Zum einen wird deutlich, wie weit die NS-Ideologie bereits in die Gedanken- und Gefühlswelt der Menschen eingedrungen war, zum anderen ist es manchmal wohl auch der verzweifelte Versuch, dem Sterben eines geliebten Menschen einen Sinn zu geben.

So heißt es beispielsweise in der Nachricht des Kompanieführers an die Sindelfingen Familie Leonhardt zum Tod ihres Sohnes Hermann am 27. August 1941: „Er ist also als tapferer aufrechter deutscher Soldat mitten im Vorwärtsstürmen gefallen, Auge in Auge mit dem Feind. (…) Möge die Gewissheit, dass Ihr Sohn sein Leben für den Führer und für die Größe und den Bestand von Volk und Reich dahingegeben hat, ihnen ein Trost sein in dem schweren Leid, das Sie betroffen hat.“

Ebenfalls im August 1941 verlor der Magstadter Paul Schmid sein Leben an der Ostfront. Seinen Tod kommentierte ein ehemaliger Mitschüler im Rundbuch der ehemaligen Adolf-Hitler-Oberschule, heute Goldberg-Gymnasium (dem sich die Serie an anderer Stelle noch ausführlicher widmen wird) mit den Worten: „Als Dritter aus der Reihe unserer Kameraden gab Paul Schmidt sein junges Leben für Deutschlands Größe, für unsere Zukunft!“

Wie weit selbst Vertreter der christlichen Kirchen vollständig in Sprache und Gedankengut der NS-Ideologie aufgingen, macht das Schreiben eines Kriegspfarrers deutlich, der der Sindelfinger Familie Brändle am 15. August 1941 über den Tod ihres Sohnes Karl berichtete und dabei seine Ausführungen anlässlich der Beisetzung wiedergab. Selbst biblische Aussagen wurden hier im Sinne der Propaganda bis zur Unkenntlichkeit umgedeutet: „Unser keiner lebt sich selber! Das haben wir Soldaten in diesen Jahren in Wahrheit erfahren, die wir kämpfend durch die europäischen Lande gezogen sind. Nie hatten wir Zeit für die persönlichen Dinge in der Heimat, alles wurde eingesetzt für des Vaterlandes Ehre und Grösse. Diese Toten gaben sogar das Leben dafür. So etwas lässt sich nur verantworten, wenn es sich um Aufgaben handelt, die uns vom Hergott selber in dieser Welt gestellt sind. Dann wird auch dies war: unser keiner lebt sich selber; leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn.“

Wir können nicht wissen, ob diese Ausführungen der Familie des Gefallenen tatsächlich Trost gewesen sind, oder ob sie der Missbrauch biblischer Botschaft zu Zwecken der Kriegspropaganda eher angewidert haben mag.

(Text Horst Zecha)

Die Vitrine im Eingangsbereich des Stadtmuseums ist ab dem 26.8. zu sehen. 

Klassenrundbuch Adolf-Hitler-Oberschule (Goldberg-Gymnasium) des Abiturjahrgangs 1939, Stadtarchiv Sindelfingen; „Als dritter aus der Reihe unsrer Kameraden gab Paul Schmidt sein junges Leben für Deutschlands Größe, für unsre Zukunft!“

Juli 2021 – Juli 1941 „Bereinigung des Viehverteilerstandes“

Am 10. Juli 1941 finden wir im Protokoll der Gemeinderatssitzung folgenden Eintrag:
„Der Bürgermeister berichtet, dass seine Bemühungen, den Juden Ullmann nach auswärts abzuschieben, an der ablehnenden Stellungnahme des Bürgermeisters in Haigerloch gescheitert seien; er werde nun versuchen, die hier wohnende Judenfamilie in dem Nebengebäude des Juden unterzubringen, um das Hauptgebäude zur besseren Ausnützung für den Wohnungsmarkt frei zu bekommen.(…)“
Diese Vorgehensweise war ein weiteres Glied in einer langen Kette von Repressalien, die die in Sindelfingen ansässige Familie Ullmann bereits seit längerer Zeit zu erleiden hatte. Was der Familie widerfuhr, spiegelt die nationalsozialistische Ideologie und ihre Folgen auf lokaler Ebene wider. Hitler hatte nie einen Zweifel daran gelassen, dass es ihm letztendlich um die Auslöschung jeglichen jüdischen Lebens im nationalsozialistischen Herrschaftsbereich ging. Mit der Machtübernahme 1933 wurde diese Ideologie ebenso konsequent wie brutal in die Tat umgesetzt – auch in Sindelfingen.
Die Viehhandlung der Gebrüder Ullmann ist seit 1912 in den städtischen Unterlagen nachweisbar.1923 kauften die aus Haigerloch stammenden Ullmanns das Haus- und Stallgebäude Obere Vorstadt 1, um das es auch im obigen Gemeinderatsprotokoll ging. Siegfried und Sigmund Ullmann führten gemeinsam die Viehhandlung, insgesamt waren 1933 acht Familienmitglieder in Sindelfingen ansässig. 1935 verzog Sigmund Ullmann mit seiner Familie nach Stuttgart; dass er seine Kinder Edith und Helmut bald darauf in die USA schickte, macht deutlich, dass sich auch die Ullmanns der zunehmenden Gefahr im nationalsozialistischen Deutschland durchaus bewusst waren.
Zunächst erfolgte die wirtschaftliche Vernichtung und die gesellschaftliche Ächtung. So informiert Bürgermeister Pfitzer die Ratsherren in der Gemeinderatssitzung vom April 1938, dass er Juden den Zutritt zu den Sindelfingen Viehmärkten verbieten wolle. Vorausgegangen war ein Schriftwechsel mit der Kreisbauernschaft Schönbuch, die Pfitzer unter der Überschrift „Bereinigung des Viehverteilerstandes“ aufforderte, belastendes Material über die Viehhandlung Ullmann zu liefern, um ein Berufsverbot aussprechen zu können. Dazu sah sich der Bürgermeister nicht in der Lage, fügte aber in seinem Antwortschreiben an: „Trotzdem halte ich es für erforderlich, dass die Juden aus dem Viehverteilerstand ausgeschlossen werden.“ Tatsächlich wurde dann mit der „Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“ vom 12.11.1938 Juden die Ausübung von Handwerksberufen und der Besuch von Märkten verboten.
Auch wenn die Reichspogromnacht vom November 1938 in Sindelfingen keine unmittelbaren Auswirkungen hatte, wurde doch spätestens jetzt auch den in Sindelfingen verbliebenen Mitgliedern der Familie Ullmann klar, dass ihr Leben in Deutschland zunehmend in Gefahr geriet. Vermutlich beschäftigten sie sich mit Auswanderungsplänen, denn im Dezember 1938 boten sie ihr Haus in der Wurmbergstraße der Stadt zum Kauf an. Bei der Besprechung des Themas im Gemeinderat wird deutlich, dass die Tage der Ullmanns in Sindelfingen gezählt waren: „Da ferner damit zu rechnen ist, dass auch das den Gebr. Ullmann gehörige Grundstück Geb. Nr.1 Obere Vorstadt zum Verkauf kommt, regt der Bürgermeister an, auch dieses Gebäude u.U. für die Stadt zu erwerben…“
Wegen Preisdifferenzen kamen die Grundstückskäufe letztendlich nicht zustande. Für die Ullmanns zerschlug sich damit womöglich die letzte Möglichkeit einer Flucht ins Ausland. Über das weitere Schicksal der Familie, das für fast alle in den Vernichtungslagern endete, wird an anderer Stelle in dieser Serie nochmals berichtet.
(Text: Horst Zecha)

Brief der Kreisbauernschaft Schönbuch vom 2. Dezember 1937. Der Familie Ullmann konnte keine „unsaubere Handlungsweise“ nachgewiesen werden. Im November 1938 wurde eine allgemeine Verordnung erlassen, in der Juden die Ausübung von Handwerksberufen und der Besuch von Märkten verboten wurde. 
Obere Vorstadt 1 um 1910 (Gebäude links) Die Familie Ullmann hatte 1923 das Wohn- und Stallgebäude gekauft. Der gesamte Gebäudekomplex wurde später für den Bau des Domo abgerissen.
Obere Vorstadt 1 und 3 im September 1959

Juni 2021 – Juni 1941 „Verborgene Schönheit“

Die Sindelfinger Zeitung startete im Frühjar 1941 die Aktion: Parole: „Sindelfingen muss schöner werden !“ Im Mittelpunkt stand das „Fachwerk – Zeuge der Kraft und Schönheit“. Ganz im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie wurde die Fachwerktechnik als Ausdruck „echter deutscher Manneskraft“ interpretiert, die es nun galt wieder ans Tageslicht zu holen.
Die Kampagne richtete sich an Besitzer von Fachwerkhäusern, die aufgerufen waren ihre Gebäude vom „hässlichen grauen Verputz“ zu befreien. Vor allem im Vergleich mit anderen Städten sollten sich die Sindelfinger anstrengen. „Auch die Sinne der Bevölkerung werden letzten Endes so, wie ihre Häuser sind…Denkt an die Ehre eurer Stadt.“ Sollte das als Argument nicht genügen, so betont die Zeitung abschließend „Keiner sage, das gehe ihn nichts an…Nein auch die Volksgemeinschaft hat ein Interesse daran, daß die Stadt schöner wird, und gerade hier kann sich jetzt diese Volksgemeinschaft beweisen.“ Die Bevölkerung wurde somit moralisch unter Druck gesetzt. Zumal die Aktion mit dem Hinweis auf heimkehrende Soldaten verbunden wurde, für sie „soll die Stadt schön und sauber sein“. Auch an der „Heimatfront“ waren also die Menschen verpflichtet, ihren Anteil zu leisten und die Stadt würde dies selbstverständlich unterstützen.
Inwiefern die Sindelfinger „Häuslesbesitzer“ von dem Aufruf beeindruckt waren, ist nicht klar. Die Kampagne war jedoch wohl nicht mit der Stadtverwaltung abgestimmt, so zumindest lassen es die vorhandenen Akten vermuten. Der Gemeinderat fasste erst am 12. Juni den Beschluss, die Hausbesitzer mit finanziellen Mitteln bei der Freilegung des Fachwerks zu unterstützen. Dabei wurde betont, dass die eigentlich erforderliche Ölfarbe gar nicht erhältlich ist und somit durch andere Farben ersetzt werden muss. Im Gemeinderatsprotokoll ist eine gewisse Zurückhaltung des Bürgermeisters und Gemeinderats zu spüren, auch die ideologisch verbrämte Bedeutung des Fachwerkhauses findet sich hier nicht wieder.
Eines der Häuser, dessen Fassaden-Freilegung aufgrund des Beschlusses im Juni 1941 finanziell unterstützt wurde, stand in der Ziegelstraße 12. Es stammte wohl aus dem 16. Jahrhundert und gehörte zu den denkmalgeschützten Häusern. Am 10. September 1944 wurde das Gebäude bei einem Fliegerangriff auf Sindelfingen zerstört und ist nicht mehr erhalten.
In Anbetracht des deutschen Einmarsches in der Sowjetunion am 22. Juni 1941 rückte die Frage, ob in Sindelfingen ein Fachwerkhaus verputzt war oder nicht, rasch in den Hintergrund. Der Krieg schien plötzlich wieder sehr nahe zu sein, es wurde umgehend ein Tanzverbot erlassen und der Reichsluftschutzbund organisierte Vorführungen zur Bekämpfung von Brandbomben.
 
(Text Illja Widmann)

Foto: Strähle, Repro Stadtarchiv Sindelfingen. Das Haus Ziegelstraße 12 mit freigelegtem Fachwerk, vor der Zerstörung 1944. Im Zuge der Kampagne zur Freilegung von Fachwerkfassaden wurden den Hausbesitzern ein Unterstützungsbetrag von 250 RM zugesagt.Die Besitzer hatten bereits 1939 um Unterstützung für eine Sanierung des denkmalgeschützten Hauses ersucht. Damals gewährte die Stadt lediglich eine Unterstützung von 50 RM und das Gebäude wurde als eher wenig schützenswert eingestuft.

Artikel der Sindelfinger Zeitung vom 24.04.1941 (395,9 KiB)

Mai 2021 – Mai 1941 "Muttertag und Mutterkreuz"

Am Sonntag, den 18. Mai 1941 wurde im Filmtheater in Sindelfingen feierlich der Muttertag begangen. Bereits Tage zuvor stimmte man die Leserschaft der Sindelfinger Zeitung auf diesen besonderen Tag ein. So wurde „das hohe Lied der Mutter“ besungen mit Zitaten von Dichtern und Schriftstellern wie Goethe, Schiller oder Hölderlin. Viele Anzeigen und längere Artikel über die Wertschätzung der Frau und Mutter im Nationalsozialismus zeigten die Bedeutung dieses Tages.

Im Mai 1934 wurde erstmals der „Gedenk- und Ehrentag der deutschen Mütter“ als öffentlicher Feiertag am 3. Sonntag im Mai begangen. Adolf Hitler stiftete 1938 das Ehrenkreuz der Deutschen Mutter (Mutterkreuz) „als sichtbares Zeichen des Dankes des Deutschen Volkes an kinderreiche Mütter“. Die erste Verleihung erfolgte am 21.Mai 1939 in München. Die Auszeichnung symbolisierte die propagandistisch gewollte besonders ehrenvolle Rolle der Mütter innerhalb der „Volksgemeinschaft“, die sich mit ihrem Leben auf dem „Schlachtfeld“ der Mutterschaft (Adolf Hitler) einsetzten. Die erste Stufe des Mutterkreuzes in Gold wurde an Frauen mit acht und mehr Kindern verliehen, die zweite Stufe in Silber an Frauen mit sechs und sieben Kindern, die dritte Stufe in Bronze an Mütter mit vier und fünf Kindern. Auf der Rückseite befand sich die Inschrift „Das Kind adelt die Mutter“.

Am Sonntag, dem 18.Mai 1941 fand in Sindelfingen um 10 Uhr die offizielle Muttertagsfeier mit Verleihung des Mutterkreuzes statt. „Vor dem Hause hatte eine Wehrmachtskapelle Aufstellung genommen, die…Musikstücke spielte. Die Jugendgruppe der Frauenschaft überreichte den Müttern bei ihrem Eintritt hübsche Blumenangebinde…Lieder und Sprechchöre wechselten miteinander ab. Danach sprach die Frauenschaftsleiterin Frau Schönberger über den Sinn und Zweck des Muttertags…Die Mutterschaft, die im Mittelpunkt des Lebens der deutschen Frau stehe, sei die Krönung ihres Daseins und voll Dankbarkeit schaue die ganze Nation, an ihrer Spitze der Führer zu ihr auf…Mit dem Gruß an den Führer und den Liedern der Nation schloß die Feier, die auch unsere Stadt in den großen Rahmen der reichseinheitlichen Mütterehrungen stellte. Die deutsche Wochenschau und ein Kulturfilm boten den Frauen noch einen interessanten Einblick in die Kämpfe unserer Truppen, sowie schöne Naturaufnahmen aus einem Wildforst Wiens.“

An diesem Tag erhielten elf Mütter eine dieser Auszeichnungen. In der Zeitung wurde auch ein Hinweis der Kirchengemeinde, dass der Gottesdeinst bereits um 9 Uhr stattfindet, abgedruckt. Er wurde „wegen öffentl. Feier vorverlegt“. Dies war kein Einzelfall. Häufig fanden an Sonntagen ganz bewusst NS-Veranstaltungen in Konkurrenz zu Gottesdiensten oder kirchlichen Veranstaltungen statt. In diesem Fall jedoch informierte die Zeitung ihre Leserschaft über den eigentlichen Grund des Veranstaltungsbeginns: „…Die Feier ist so frühzeitig angesetzt, daß die Hausfrauen nachher noch ihren häuslichen Aufgaben für den Sonntag nachkommen können…“

Falls die Frauen dann am Nachmittag ihre Aufgaben erledigt hatten, konnten sie sich im Kino noch den passenden Film „Die keusche Geliebte“ ansehen.
Insgesamt hatten bis 1941 ca. 4,7 Millionen Frauen das Mutterkreuz erhalten. Im Volksmund wurde es auch als „Karnickelkreuz“ bezeichnet. Vor der Verleihung wurden erst Gutachten bei verschiedenen Behörden über die zu ehrende Frau eingeholt. Unter anderem waren ein Ariernachweis und der Nachweis über „erbgesunde“ Kinder erforderlich.

Das Mutterkreuz zählt seit 1957 zu den verfassungsfeindlichen Abzeichen.
(Text: Illja Widmann)
 

 Zeitungsausschnitt: Stadtarchiv Sindelfingen
Zeitungsausschnitt: Stadtarchiv Sindelfingen

April 2021 – April 1941 „Ordnung auf Straßen und Plätzen“

Im April 1941 dehnte Hitler den Krieg auf weitere Länder in Europa aus. Fast 700 000 deutsche Soldaten marschierten in Griechenland und Jugoslawien ein. Belgrad wurde am 6. April größtenteils zerstört. Bis Ende des Monats hatte die Wehrmacht die Königreiche Griechenland und Jugoslawien besiegt und die Deutschen herrschten fortan als Besatzungsmacht. Circa 90% der griechischen Juden bezahlten dies mit ihrem Leben.
 
Doch wie sah das Leben im April 1941 in Sindelfingen aus? Schaut man in die Sindelfinger Zeitung dieses Monats, so findet man nur noch wenig Berichte über lokale Ereignisse. Das Blatt beruhigte die Leserschaft mit „unverfänglichen“ Artikeln, z.B. über die Natur.
 
Ein Thema, das die Stadtverwaltung und wohl auch die Einwohner immer wieder beschäftigte, war die Sauberkeit in der Stadt und dem Umland. Bürgermeister Pfitzer entdeckte „bei einem Rundgang…, dass an allen möglichen Stellen in Strassengräben, … Gruben, Bächen,…und in Hecken Gegenstände aller Art, insbesondere Geschirr aus Metall, abgesetzt werden, wodurch die Landschaft verunstaltet wird. Ich ordne daher an, dass der… 1937 angeordnete Säuberungsdienst wieder aufgenommen wird und derartige wilde Ablagerungen von Schutt unsichtbar gemacht werden, sei es durch Zusammenlesen und Ueberdecken mit Boden oder Abfuhr auf den Auffüllplatz…“  (Sindelfinger Zeitung 23.4.1941)
 
Einen Tag später rückte das Milchhäusle am Wettbachplatz in den Fokus des Bürgermeisters: „Aus der Mitte der Einwohnerschaft ist… auf die große Unordnung neben der Milchsammelstelle hingewiesen worden. Es wird sogar der Ortspolizeibehörde der Vorwurf gemacht, es sei unverständlich, dass sie eine derartige Verschandelung des Stadtbildes duldet. Ich bitte Sie dringend, dafür zu sorgen, dass der Unrat… entfernt und der Platz sauber gehalten wird.“
 
Über die Sindelfinger Zeitung erfolgte am selben Tag ein Aufruf an die Bevölkerung, für „mehr Ordnung auf Straßen und Plätzen“, zur „Verschönerung des Stadtbildes“ zu sorgen. Der Bürgermeister forderte die Einwohnerschaft auf, „Gerümpel vor den Häusern“ zu entfernen. Die immer noch starke landwirtschaftliche Prägung der Stadt, zeigte sich in der Aufforderung, „das Aufstellen von Wagen und sonstigen landwirtschaftlichen Geräten vor den Häusern…“ zu unterlassen. Ebenso sollten nicht mehr genutzte Dunglegen entfernt werden. „Unschöne Schuppen“, „alte Gartenzäune“ und „unschöne Reklametafeln“ waren der Stadtverwaltung ebenfalls ein Dorn im Auge.
 
Diese Ordnungsbestrebungen trafen nicht immer auf Zustimmung der Betroffenen, wie eine Korrespondenz vom Dezember 1940 zeigt. Ein Bauer wurde von der Polizei aufgefordert „…vor seinem Hause grössere Ordnung zu halten und damit zur Verschönerung des Stadtbildes etwas beizutragen.“ Da er außerdem einen Güllewagen vor seinem Haus in der Ziegelstraße während eines Leichenzugs stehenließ, kam es zu Protesten beim Bürgermeister. Der Landwirt verwies jedoch auf fehlende Lagerflächen „…sollte ich nun deswegen bestraft werden, so werde ich mit dem Strafbefehl vor die Landwirtschaftskammer in Stuttgart gehen und dann soll von dort über das Recht…über meinen Grund und Boden entschieden werden.“ 
 
Bereits 1937 rief der Landrat im Auftrag des Innenministers per Erlass die Bürgermeister dazu auf, zur „Erhaltung des alten Ansehens der Heimat“ für die „Verschönerung und Reinhaltung des Ortsbildes“ zu sorgen. Auch Sindelfingen wollte da nicht zurückstehen. Allerdings schien der Anspruch des Bürgermeisters nicht immer in der Realität umgesetzt worden zu sein.
(Text Illja Widmann)

Milchhäuschen um 1960-1961, Stadtarchiv Sindelfingen
Lange Straße 5 um 1930, Stadtarchiv Sindelfingen
Hexensprung ca.1926, Stadtarchiv Sindelfingen
Untere Burggasse vor 1944, Stadtarchiv Sindelfingen
Wettbachplatz Waschhaus, später Milchhäusle, Stadtarchiv Sindelfingen. Das Gebäude am Wettbachplatz wurde bis in die 1930er Jahre als Waschhaus genutzt und anschließend als Milchhäusle der Milchgenossenschaft. 

März 2021 – März 1941 "Eine Schießanlage im Wald und ihre Geschichte"

Wer heute vom Wasserturm beim Krankenhaus aus auf der Alten Vaihinger Straße einen Spaziergang in den Sindelfinger Wald hinein macht, stößt nach einiger Zeit zunächst auf die sogenannte Bernet-Kapelle, einen Andachtsort in einer kleinen Schutzhütte, und einige Zeit später unmittelbar nach Überquerung der Autobahn A 8, nicht mehr allzu weit von Stuttgart-Vaihingen entfernt, auf ein größeres eingezäuntes Areal. Dahinter befindet sich der Schießstand Bernet, benannt nach dem dortigen Walddistrikt. Im März 1941 war dieses Areal zum wiederholten Mal Thema in einer Sitzung des Gemeinderats der Stadt Sindelfingen, dabei ging es um das durchaus heikle Thema eines Markungsgrenzausgleichs zwischen Sindelfingen und der damals noch selbständigen Gemeinde Maichingen.

Angefangen hatte alles im Jahr 1936, als im Zuge der nationalsozialistischen Aufrüstungspolitik zeitgleich mit dem Bau der Panzerkaserne auf Böblinger Gemarkung und der Kurmärker Kaserne in Vaihingen (heute Patch Barracks) begonnen wurde. Im Zusammenhang damit stand die Anfrage der Heeresstandortverwaltung Stuttgart vom Herbst 1937 zur Anlage einer militärischen Schießanlage im Gewann Bernet.
Bürgermeister Pfitzer und die Sindelfinger Ratsherren waren zunächst nicht gewillt, die Waldfläche am Rande der Sindelfinger Gemarkung käuflich an das Reich abzugeben und boten eine Verpachtung an, die aber wiederum seitens der Heeresstandortverwaltung abgelehnt wurde. Nun begannen langwierige und erfolglose Preisverhandlungen, die letztendlich von übergeordneter Stelle entschieden werden mussten. So verging die Zeit, und im Frühjahr 1941 war zwar die Schießanlage in Betrieb, die finanzielle Abwicklung aber noch nicht in allen Details geklärt. Gleichzeitig bestand die Standortverwaltung auf einem Markungsgrenzausgleich, da sich nach endgültiger Fertigstellung der Anlage eine kleine Teilfläche auf Maichinger Gemarkung befand. Letztendlich wurde der Grenzausgleich zwischen Maichingen und Sindelfingen im Jahr 1941 vollzogen, so dass sich die Sindelfinger Gemarkung zu diesem Zeitpunkt um ca. 10 ar vergrößerte, die Maichinger entsprechend schrumpfte. Eine Ausgleichszahlung erfolgte wegen der geringen Fläche und der Tatsache, dass das Gelände ja auch von Sindelfingen nicht genutzt werden konnte, nicht. Im Sindelfinger Gemeinderatsprotokoll vom 27. März 1941 heißt es dazu in geradezu aufreizender Freundlichkeit, dass der Entschluss gefasst wird, „die Gemeinde Maichingen mittels Übergabe eines Protokoll-Auszugs zur Zustimmung einzuladen.“ Wohl eher zähneknirschend nahmen die Maichinger die „Einladung“ an und stimmten ihrerseits dem Markungsgrenzausgleich zu.  Spätestens mit der Eingemeindung Maichingens nach Sindelfingen im Jahr 1971 hätte sich die Frage aber ohnehin erledigt.

Nachdem die Schießanlage mit Kriegsende ihre Funktion vorerst verloren hatte, wurde das Gelände in der Nachkriegszeit als Flüchtlingslager genutzt. Dabei wird immer wieder über die schwierigen Verhältnisse berichtet, die die Lage der Unterkünfte kilometerweit von der Stadt entfernt mit sich brachte. Im Zusammenhang mit der Einrichtung des Flüchtlingslagers ist auch die Bernet-Kapelle als Andachtsort für die katholischen Bewohner eingerichtet worden und wird bis heute liebevoll gepflegt. Nach Abriss der Wohnbaracken Anfang der 1960-er Jahre wurde das Gelände wieder der ursprünglichen militärischen Nutzung zugeführt.

(Text: Horst Zecha)

Februar 2021 – Februar 1941 „Der gewaltigste Sieg der deutschen Geschichte…“

Ein aufwändiges Propaganda-Machwerk in den Beständen des Stadtmuseums

In den Beständen des Sindelfinger Stadtmuseums zur NS-Geschichte befindet sich ein in mehrfacher Hinsicht außergewöhnliches Sammlungsstück: das 1940 erschienene und 1941 Verbreitung gefundene Buch des Münchner Raumbild-Verlags „Der Kampf im Westen“. In dem stoffüberzogenen Holzeinband sind auf den Innenseiten 100 Fotos und eine 3D-Brille eingelegt, die den Fotos bei Betrachtung eine plastische Anmutung verleiht. Zu sehen sind auf den Bildern überwiegend vormarschierende deutsche Soldaten, zerstörte französische Städte, erbeutetes Kriegsgerät und gefangene fremdländische Soldaten. Dabei sollen die Bilder den Eindruck erwecken, als würde der Betrachter den dargestellten Kriegshandlungen aus unmittelbarer Nähe beiwohnen. Doch bereits die auf allen Bildern auffallenden makellos ordentlichen Uniformen inklusive der reinlichst geputzten Stiefel machen ebenso wie die teils gekünstelten Posen deutlich, dass es sich hier um eigens angefertigte Propagandabilder handelt, die mit dem eigentlichen Kriegsgeschehen nichts zu tun hatten.
Dargestellt ist in der 1941 parteiamtlich geprüften Propagandaschrift der deutsche Feldzug gegen die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Frankreich im Mai und Juni 1940.
Nachdem Hitler am 1.September 1939 mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg entfesselt hatte, hatten Frankreich und England entsprechend ihrer Bündnisverpflichtungen am 3.September dem Deutschen Reich den Krieg erklärt. Zu nennenswerten Kriegshandlungen an der Grenze zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich war es aber in der Folgezeit nicht gekommen, v.a. auch, weil in Frankreich innenpolitisch eine Kriegsteilnahme höchst umstritten war. Nach dem Sieg über Polen konnte es aber nur noch eine Frage der Zeit bis zum deutschen Angriff auf Frankreich sein. Dieser erfolgte im Mai 1940, indem deutsche Truppen auch über die neutralen Staaten Belgien und Niederlande schnell vorrückten und schon am 14. Juni in Paris einmarschieren konnten.
Mit dem Sieg über den sogenannten „Erzfeind“ Frankreich hatte Hitler den Höhepunkt seiner Macht und Popularität erreicht. Große Teile der Bevölkerung scharten sich hinter ihm, und auch seitens der Militärs wurde ihm von nun an überwiegend blinde Gefolgschaft entgegengebracht. Weder in den täglichen Lobeshymnen der Presse und schon gar nicht in Propagandawerken wie dem vorliegenden Buch wurde die Realität des Krieges auch nur ansatzweise erwähnt: Weit über 100.000 Soldaten sind während des Krieges im Frühjahr 1940 auf beiden Seiten zu Tode gekommen. Auf die deutsche Besetzung Frankreichs folgte auch hier die Inhaftierung und Deportation der jüdischen Bevölkerung; schätzungsweise 75.000 Juden aus Frankreich sind in den Vernichtungslagern ermordet worden. Hunderttausende kriegsgefangener Franzosen wurden zur Zwangsarbeit nach Deutschland gebracht. Hunderte haben auch in Sindelfingen gearbeitet, überwiegend in der Kriegsproduktion bei Daimler-Benz, aber auch für die Stadtverwaltung. Sechs junge Männer aus Sindelfingen waren laut der Gefallenenlisten unter den Toten des Frankreichfeldzuges.
 
(Text: Horst Zecha)

Ab Donnerstag, 25.2. können Interessierte in den Schaukästen vor dem Museum das Monatsthema betrachten.

Foto: Stadtmuseum
Flüchtlingslager Bernet, Fotonachweis: Stadtarchiv Sindelfingen
Kapelle Bernet, Fotonachweis: Stadtarchiv Sindelfingen

Januar 1941 - „Unentschuldigtes Fernbleiben wird bestraft“ - Kontrolle und Disziplinierung der Bevölkerung

In der Sindelfinger Zeitung vom 16. Januar 1941 findet sich eine groß aufgemachte Bekanntmachung unter der Überschrift „Aufruf zur Teilnahme an Wehrversammlungen im Bereich des Wehrmeldeamts Böblingen“. In einer langen Liste sind für alle damaligen Kreisgemeinden Orte aufgeführt, an denen sich zu festgelegten Uhrzeiten „alle gedienten Angehörigen der Jahrgänge 1900 und jünger“ einzufinden haben. Die betroffenen Sindelfinger und Angehörige weiterer Kreisgemeinden mussten am Mittwoch, 22. Januar in den städtischen Saalbau (die damalige Festhalle, die an der Stelle der heutigen Stadtbibliothek stand) kommen. Für die betroffenen Mitarbeiter des Daimler-Benz-Werks waren eigene Termine in der Werkskantine vorgesehen.
Hintergrund für diese auffällige Bekanntmachung war das Wehrgesetz vom 21.Mai 1935, das im § 19 „Wehrüberwachung“ die jährliche Abhaltung von Wehrversammlungen vorschrieb. Das Wehrgesetz und die Durchführung von Wehrversammlungen war einer von vielen Bausteinen, mit denen der NS-Staat eine lückenlose Erfassung und Überwachung sowie eine dauerhafte propagandistische Einbindung der gesamten Bevölkerung erreichen wollte.
Bereits kurz nach Schuleintritt war für die Kinder der Eintritt in die Hitlerjugend vorgesehen. Die Mitgliedschaft war zwar formell freiwillig, jedoch musste, wer sich verweigerte, mit Repressalien und Nachteilen beispielsweise bei der Lehrstellensuche rechnen.
Zwischen dem 18. und 21. Lebensjahr konnten Männer vor dem Wehrdienst zu einem sechsmonatigen Arbeitsdienst einberufen werden, mit Kriegsbeginn wurde die Arbeitsdienstpflicht auch auf Frauen ausgeweitet.
Der 1935 per Gesetz eingeführte Reichsarbeitsdienst (einen freiwilligen Arbeitsdienst hatte es bereits seit 1931 gegeben) diente der vormilitärischen Ausbildung und propagandistischen und disziplinarischen Vorbereitung auf den Wehrdienst. Bereits die Wortwahl verrät dies, wenn beispielsweise in einem Schulbuch zum Arbeitsdienst ein Kultivierungsprojekt an der schleswig-holsteinischen Küste als „Der Kampf an der Westküste“ beschrieben wird. Dass der Reichsarbeitsdienst in erster Linie als Disziplinierungsinstrument genutzt wurde, zeigt sich auch in der geringen wirtschaftlichen Bedeutung, die in krassem Widerspruch zur propagandistischen Überhöhung stand.
Aus heutiger Sicht gesellt sich zur ökonomischen Bedeutungslosigkeit auch noch die ökologische Schädlichkeit vieler Projekte des Reichsarbeitsdienstes, beispielsweise bei der Entwässerung von Moorgebieten.
Dass sich zum Teil noch bis heute die Mähr vom Arbeitsdienst, der die Menschen von der Straße und dem Land den wirtschaftlichen Aufschwung gebracht hat, hält, zeigt einmal mehr die Wirksamkeit der nationalsozialistischen Propaganda.
 
(Text: Horst Zecha)

Abbildungen aus dem Buch: Der Arbeitsdienst, Ein Bildberichtbuch von Herbert Erb, 1937.Das Buch befand sich in der Schülerbücherei der Adolf-Hitler-Schule (= Goldberg-Gymnasium).In Prenzlau (Uckermark) wurden vom Reichsarbeitsdienst ehemalige Überschwemmungsflächen trockengelegt.
Aufruf Wehrversammlung SZ 16.01.1941

Dezember 1940 - "Weihnachten zwischen Krieg und versuchter Normalität"

Die Ausgaben der Sindelfinger Zeitung vom Dezember 1940 vermitteln den Eindruck, dass das öffentliche und private Leben von sehr gegensätzlichen Einflüssen geprägt war. Vieles, was wir an Zeitungsanzeigen und Kurzberichten finden könnte sich – in zeitgemäßer Form – auch heute in den Medien finden lassen und suggeriert weitgehend ungetrübte Vorfreude auf das Weihnachtsfest. So finden sich verschiedene Kauf- und Verkaufsangebote, die einen unmittelbaren Bezug zu kindlichen Weihnachtswünschen nahelegen: Ein Puppenkochherd wird ebenso angeboten wie eine Blecheisenbahn der Marke Minex Märklin oder verschiedene Winterkleidung. Ein Soldat sucht in einer Anzeige nach einem Eisenbahnzug für sein Kind.
Etwas nüchterner kommt da schon die mehrfach geschaltete Werbung „Schenk ein Sparbuch“ daher, und ob sich jemand tatsächlich über „24 Lehrbriefe“ als „passendes Weihnachtsgeschenk für Facharbeiter, Zeichner oder Techniker‘“ gefreut hätte, sei dahingestellt.
Das Bedürfnis nach weihnachtlicher Atmosphäre war offensichtlich groß, denn bereits am 14.Dezember gab es die amtliche Bekanntmachung, dass die von der Stadt angebotenen Weihnachtsbäume ausverkauft seien. Im Kino lief als vorweihnachtlicher Kinderfilm „Der gestiefelte Kater“.
Natürlich traten aber auch die NS-Propaganda und die NS-Organisationen vor Weihnachten verstärkt in Erscheinung. Die NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) – Ortsgruppe warb für ein vorweihnachtliches Großvarieté im städtischen Saalbau. Als Stargast wurde der damals schon bekannte Oskar Hailer angekündigt, der auch in der Nachkriegszeit zusammen mit Willy Reichert als schwäbisches Duo „Häberle und Pfleiderer“ noch viele Jahre große Erfolge feierte. Mit großem Aufwand und pathetischer Geste wurde auch 1940 wieder für das Winterhilfswerk und materielle Unterstützung für die Frontsoldaten geworben, die Jungmädel der Hitlerjugend warben für eine Märchentheater-Aufführung.
Immer wieder bricht aber in diese vermeintlich heile Welt die Realität des Krieges ein. So findet sich beispielsweise am 5.Dezember unmittelbar neben der Ankündigung des Varieté – Abends die Todesanzeige für Kurt Rehkugler. Im euphemistischen Pathos der Zeit heißt es, er habe „am 19.November 1940 in soldatischer Pflichterfüllung für unseren Führer und Deutschlands Zukunft sein Leben geopfert.“
Wir können nicht erahnen, wie viele Sindelfingerinnen und Sindelfinger das Weihnachtsfest 1940 in Angst und Sorge um Angehörige und Freunde verbracht haben. Für wohl kaum eine Familie wird es ein frohes und unbeschwertes Weihnachtsfest gewesen sein.
(Text: Horst Zecha)
 

Fotonachweis: Scan Stadtarchiv Sindelfingen
Fotonachweis: Scan Stadtarchiv Sindelfingen
Fotonachweis: Scan Stadtarchiv Sindelfingen

November 1940 - November 2020 - "Kommunalpolitik im Schatten des Krieges"

„Der Bürgermeister gibt den Ratsherren bekannt: ..."

Geht man nach dem Protokoll, so muss es eine lange Gemeinderatssitzung gewesen sein am 21. November 1940. Sie hatte aber ansonsten nicht viel gemeinsam mit den Sitzungen eines frei gewählten unabhängigen Gremiums, wie wir sie aus unserer demokratischen Kommunalpolitik kennen. Mit der Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 war in Umsetzungdes Führerprinzips auch auf kommunaler Ebene der Bürgermeister zum alleinigen Vertreter und Entscheidungsorgan der Gemeinde bestimmt worden. Zur Rolle des Gemeinderats hieß es, dass der Gemeinderat kein Beschlussorgan mehr ist, vielmehr, dass die einzelnen Gemeinderäte die Aufgabe haben, die dauernde Fühlung der Gemeindeverwaltung mit allen Schichten der Bürgerschaft zu sichern, den Bürgermeister eigenverantwortlich zu beraten und seinen Maßnahmen in der Bevölkerung Verständnis zu verschaffen.“

Auf dieser Basis kamen die Ratsmitglieder (Normalzahl 10), die zwei Beigeordneten und der Bürgermeister – natürlich alle NSDAP-Mitglieder – auch am 21. November 1940 zusammen. Die durchaus nicht ungewöhnliche Tagesordnung zeigt, wie fest die Kriegsverhältnisse die Kommunalpolitik zu dieser Zeit bereits im Griff hatten.

Schon der erste Tagesordnungspunkt macht dies deutlich, mit dem des Landrats Dr. Raunecker gedacht wurde, der während seiner Einberufung als Oberkriegsverwaltungsrat einen tödlichen Unfall erlitt. Auch aus den Reihen der Sindelfinger Ratsherren sollte es im Lauf des Krieges Opfer zu beklagen geben.

Verschiedene Tagesordnungspunkte spiegeln die zunehmenden Personalprobleme wider, die durch vermehrte Einberufungen und Abordnungen bei der Stadtverwaltung entstanden. So gibt Bürgermeister Pfitzer bekannt, dass der Versuch, die Verwaltungspraktikanten Gruber (der spätere langjährige Bürgermeister) und Kilper vom Heeresdienst freistellen zu lassen, gescheitert seien und dass Polizeihauptwachtmeister Binanzer nach Hagenau im Elsass abkommandiert worden sei - Frankreich war 1940 von Deutschland besiegt und das Elsass dem Deutschen Reich angegliedert worden.

Der Tatsache des militärischen Sieges war es auch zu verdanken, dass bei verschiedenen Beratungsthemen, die sich um die Herstellung von Wegen oder um Entwässerungsmaß-nahmen drehten beabsichtigt war, französische Kriegsgefangene zu den vorgesehenen Arbeiten heranzuziehen.

Schließlich stellte der Vorrang militärischer vor zivilen Bedürfnissen die Stadt auch in räumlicher Hinsicht vor immer wieder neue Probleme. So berichtet Bürgermeister Pfitzer davon, dass für das Schulturnen und die sportlichen Aktivitäten der Hitlerjugend gegen Mieteauf die Turnhalle das VFL Sindelfingen zurückgegriffen werden müsse. Die städtische Turnhalle (sie befand sich etwa dort, wo heute der Oberlichtsaal steht, schräg hinter dem mittleren Rathaus) sei nämlich von der Fliegerhorstkommandantur Böblingen belegt, was auch Belegungsprobleme im städtischen Saalbau (der etwa dort stand, wo sich heute die Stadtbibliothek befindet) zur Folge habe.

Wir sehen an diesen wenigen Beispielen, denen sich noch viele andere aus weiteren Gemeinderatssitzungen hinzufügen ließen, dass das militärische Geschehen zunehmend Einfluss auf alle Bereiche der Kommunalpolitik gewann. Und doch ist das, was wir im November 1940 erleben, erst ein leiser Vorbote dessen, was der Krieg dem kommunalen Leben noch auferlegen sollte.

(Text: Horst Zecha)

Rathaus von 1845, in dem bis 1970 der Gemeinderat tagte
Rathaus von 1845, in dem bis 1970 der Gemeinderat tagte, Foto: Stadtarchiv Sindelfingen
Die städtische Turnhalle von 1875. Links der städtische Saalbau von 1926. (Aufnahme 1962-1964) Beide Gebäude wurden im Zuge der Neubebauung des Areals mit Stadtbibliothek und Oberlichtsaal in den 1960er Jahren abgebrochen.
Die städtische Turnhalle von 1875. Links der städtische Saalbau von 1926. (Aufnahme 1962-1964) Beide Gebäude wurden im Zuge der Neubebauung des Areals mit Stadtbibliothek und Oberlichtsaal in den 1960er Jahren abgebroche, Foto: Stadtarchiv Sindelfingen

Oktober 1940 – Oktober 2020 - "Propaganda und Antisemitismus"

Ende Oktober 1940 strömten die Sindelfinger ins Filmtheater an der Gartenstraße. Ihr Ziel war der Film „Jud Süß“. Die Sindelfinger Zeitung vom 24.10.1940 bewarb den Film mit folgenden Worten: „Ein Spitzenfilmwerk aller Zeiten! Die deutsche Filmkunst mußte erst den Weg der letzten Jahre gehen, ehe sie ein Werk solcher Prägung schaffen konnte.“
Initiator für den Film war Propagandaminister Joseph Goebbels. In seinem Tagebuch notierte Goebbels: „Harlan Film „Jud Süß“. Ein ganz großer, genialer Wurf. Ein antisemitischer Film, wie wir ihn uns nur wünschen können. Ich freue mich darüber.“ Ziel des Films war die Verleumdung der Juden und das Schüren des Judenhasses in der Bevölkerung. Im Mittelpunkt steht die Figur des Joseph Süß Oppenheimer, hier nur diffamierend „Jud Süß“ genannt. Mit der Einblendung des Satzes „Die im Film geschilderten Ereignisse beruhen auf geschichtlichen Tatsachen“ wird eine angeblich historisch belegte Wahrheit konstruiert.
Werfen wir einen kurzen Blick auf die tatsächliche Lebensgeschichte der Hauptfigur: Joseph Süß Oppenheimer wurde 1689 in Heidelberg geboren und verdiente aufgrund der beruflichen Einschränkungen für Juden, sein Geld mit Handels- und Finanzgeschäften. Er finanzierte auch den württembergischen Herzog Karl Alexander und dessen teure Hofhaltung. Von 1733 bis 1737 regierte Karl Alexander als katholischer Herzog im protestantischen Württemberg, mit einem jüdischen Finanzier und Berater an seiner Seite – eine Situation mit viel politischem Zündstoff. Mit dem plötzlichen Tod des Herzogs 1737 verlor Joseph Süß jeden Schutz und noch am selben Tag erfolgte seine Verhaftung. Am 4. Februar 1738 wurde er in Stuttgart nach einem Schauprozess, vor 20.000 Zuschauern, hingerichtet. Joseph Süß wurde mehrerer Vergehen bezichtigt, u.a. Hochverrat, Bestechlichkeit, Schändung der protestantischen Religion. Am schwersten jedoch wog der Vorwurf des „sexuellen Umgangs mit Christinnen“. Dokumente im Hauptstaatsarchiv Stuttgart zeigen, dass das Urteil des Prozesses von Anfang an feststand und Joseph Süß das Opfer eines Justizmordes wurde.
Die Geschichte des Joseph Süß wurde von Regisseur Veit Harlan jedoch ganz im Sinne der nationalsozialistischen Propaganda dargestellt. Im Mittelpunkt stand die sogenannte „Rassenschande“. Sehr geschickt wurden mit filmischen Mitteln die scheinbar unüberbrückbaren Gegensätze der verschiedenen Lebenswelten dargestellt und die Notwendigkeit diese, ganz im Sinne der Nürnberger Rassengesetze „rein“ zu halten. Die Zuschauer wurden davor gewarnt, den Juden die Tür in die deutsche Gesellschaft zu öffnen.
Die Sindelfinger Zeitung vom 29.10.1940 schrieb begeistert: „Mehr als alle Worte, die jemals über die Judenfrage gesprochen und geschrieben wurden, stählt dieser Film unser völkisches und rassisches Gewissen. Viel Leid und Unglück ist unserem Volk, seinen Frauen und Mädchen dadurch erspart worden, daß wir die Judenfrage für alle Zukunft lösten.“
Der Film wurde von 2866 Besuchern gesehen. Welchen Eindruck er auf sie machte, ist leider nicht bekannt. In der Zeitung vom 2.11.1940 wird jedoch bedauert, dass der zuvor gezeigte Film Geierwally noch stärkeren Zuspruch erfuhr: „diese Zahlen beweisen doch, daß in unserem ländlichen Lebenskreis der volkstümliche Film höhere Besucherzahlen erreicht als der anspruchsvollere…“ Die Ursache vermutet die Sindelfinger Zeitung in der Tatsache, dass „…der Stoff des „Jud Süß“ doch nur jenen bekannt gewesen sei, die mit der Landesgeschichte und der Judenfrage vertraut sind.“   (Text Illja Widmann)

September 1940 – September 2020 - „Kleiderwünsche und Punktfragen im Herbst“ – Reichskleiderkarten

„Kleiderwünsche und Punktfragen im Herbst“ – so ist die Werbung von E.Breuninger, Stuttgart am 13. September 1940 in der Sindelfinger Zeitung überschrieben. Zu sehen ist eine Familie, die aufmerksam die neue Kleiderkarte studiert. „Wie das Reich für alles sorgt, so hat es auch rechtzeitig daran gedacht, durch die Ausgabe einer neuen Kleiderkarte Ihre Kleiderwünsche zu erfüllen…die neue Mode erfüllt vor allen Dingen den Zweck, da ergänzend einzuspringen, wo Kleider, Anzüge,…usw. ersetzt werden müssen…Mit etwas Geschick können Sie also leicht Ihre modischen Wünsche mit den Punkten Ihrer Kleiderkarte „unter einen Hut“ bringen. Geh` doch zu Breuninger!“
 
Wer die Werbung aufmerksam liest, erkennt das wichtige Wort „ersetzen“. Es geht also nur um die notwendigste Kleidung. Auf den ersten Blick vermitteln die Werbung und auch die Informationen in den Tageszeitungen ein Bild der Normalität, das jedoch im Gegensatz zur Realität der Bevölkerung stand. Die neue Ausgabe der Reichskleiderkarte war ein weiteres Indiz für eine längerfristige Fortführung der Kriegswirtschaft im beginnenden zweiten Kriegsjahr. Seit dem 7. September 1940 flog die deutsche Luftwaffe verstärkt Angriffe auf London und ganz Großbritannien. Die Erwartung eines schnellen Kriegsendes nach dem Sieg über Frankreich verblasste bereits wieder.
 
Der Erwerb von Kleidung, Textilien und Schuhen war seit November 1939 nur über Kleiderkarten und Bezugsscheine möglich. Die Zweite Reichskleiderkarte war vom 1. September 1940 bis 31. August 1941 gültig. Es gab sechs Arten von Karten mit jeweils 150 Punkten für Säuglinge, Kleinkinder, Mädchen und Jungen bis 15 Jahre, Frauen und Männer, ergänzt durch Zusatzkarten für Jugendliche. Ein Kleid aus Kunstseide „kostete“ z.B. 23 Punkte, sollte es aus Wolle sein, dann mussten 42 Punkte, d.h. fast ein Drittel der Gesamtpunktzahl, eingelöst werden. Für Sommer- und Wintermäntel oder Herrenanzüge waren sehr viele Marken erforderlich. Hier gab es die Möglichkeit einen Bezugsschein zu beantragen, dessen Gewährung jedoch sehr restriktiv gehandhabt wurde. Bei der Stadtverwaltung gingen immer wieder Briefe von Bürgern ein, die in eine Notlage gerieten, da ihnen im Winter warme Bekleidung fehlte.
Die korrekte Verwendung der Kleider- und Lebensmittelkarten für mehrere Personen einer Familie war aufwändig. Hier war gute Planung erforderlich, zumal eine Übertragung der Karten innerhalb der Familie nicht zulässig war und Mißbrauch bestraft wurde.
 
Aus der Erfahrung des Ersten Weltkriegs heraus, bemühten sich die Nationalsozialisten, die Versorgung der Bevölkerung im Krieg zu sichern, um soziale Unruhen zu verhindern und die Kriegsmoral aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig regelte das Wirtschaftsministerium über Gesetze, Erlasse und Verordnungen, wer von der Verteilung ausgeschlossen wurde.
Am 10. Februar 1940 ging beim Bürgermeisteramt ein vertraulicher Brief mit folgender Anordnung ein: „Juden erhalten keine Reichskleiderkarte…Die Spinnstoff- und Schuhversorgung der Juden erfolgt durch die „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“…Im Übrigen steht ihnen der Erwerb von Altwaren ohne Bezugsschein offen…Von einer Veröffentlichung dieses Erlasses ist abzusehen.“ Juden sollten sich somit in alten abgetragenen Kleidern in der Öffentlichkeit zeigen – ein weiterer Baustein zu ihrer sichtbaren Ausgrenzung aus der Gesellschaft.
 
(Text: Illja Widmann)
 

Vorlage aus dem Reichsgesetzblatt für die Zweite Reichskleiderkarte.
Vorlage aus dem Reichsgesetzblatt für die Zweite Reichskleiderkarte. Die Karten wurden auf festem orangefarbenem Papier gedruckt. Original: Stadtarchiv Sindelfingen

August 1940 – August 2020 - Der Pfarrbericht von 1940, Zwischen nationaler Begeisterung und Existenzangst

Wenn wir etwas über das gesellschaftliche, politische und kirchliche Leben in Sindelfingen erfahren wollen, können die Pfarrberichte als eine besonders ergiebige und authentische Quelle dienen. Diese mussten von den örtlichen Pfarrern alle vier Jahre erstellt werden, so auch für das Jahr 1940. Konfessionell war Sindelfingen zu dieser Zeit nach wie vor evangelisch geprägt, auch wenn seit der Ansiedlung der Daimler-Motorengesellschaft im Jahr 1915 vermehrt katholische Arbeitskräfte in die Stadt kamen und in den zwanziger Jahren für diese in einem alten Fabrikgebäude eine Notkirche eingerichtet worden war.
 
Die evangelische Landeskirche war der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 zunächst in weiten Teilen durchaus positiv gegenübergestanden. So formulierte Landesbischof Wurm in einem Brief vom 2.Februar 1933 beispielsweise: „Der Dank für Rettung aus unmittelbar drohender schwerer Gefahr und die Freude darüber, dass der neue Staat inbezug auf die innere und äußere Volksgesundheit Aufgaben sieht und anfasst, zu denen wir den Staat der Vorkriegs- und Nachkriegszeit [gemeint ist der Erste Weltkrieg] vergeblich mahnten, überwiegt auch die Besorgnis, ob nicht die vielbesprochene Gleichschaltung ein allzu rasches Tempo anschlage.“
Tatsächlich führten die Gleichschaltungsmaßnahmen bald zu einer Polarisierung innerhalb der evangelischen Kirche, die ihre Pole in den NS-treuen „Deutschen Christen“ (DC) auf der einen Seite und der um Erhalt der Unabhängigkeit kämpfenden „Bekennenden Kirche“ auf der anderen Seite fand. Diese Flügelkämpfe verloren zwar in Kriegszeiten an Bedeutung, sind aber auch im Pfarrbericht von 1940 deutlich erkennbar, wobei klar wird, auf welcher Seite Stadtpfarrer Fischer stand: „Die Ortsgruppe der Deutschen Christen ist sehr rührig. In einem Saal der Volksschule halten sie ihre Versammlungen, zu denen am Sonntag oder Dienstags häufig auswärtige Redner kommen, auch Taufen und Beerdigungen halten. Selbst Reichsbischof Müller sprach hier vor 2 Jahren in der städt. Festhalle. Aber diese, wie andere öffentliche Reden wirkten eher gegen die D.C., deren Wichtigtun im umgekehrten Verhältnis zu ihrer schon lange gleichbleibenden Wenigkeit von etwa 20 aktiven Mitgliedern steht. Die Kirchensteuer verweigern sie beharrlich. Neuerdings treten einige aus der Kirche aus.“
Der Pfarrbericht von 1940 macht auch deutlich, dass das kirchliche Leben ein permanenter Drahtseilakt zwischen Anpassung einerseits und dem Versuch der Wahrung eines Rests von Eigenständigkeit andererseits war: „Zwischen Kirche und Partei gab es keine besonderen Vorkommnisse. (…) Was die Führung von HJ, B.d.M. [nationalsozialistische Jugendverbände] und ihr Verhalten der Kirche gegenüber betrifft, so können wir hier gegenüber vielen anderen Orten für korrekte, ja rücksichtsvolle Haltung dankbar sein. (…)
Sonst ist trotz des persönlichen Einvernehmens die allgemeine Stellung der Partei die übliche, während letztere sich in nationaler und sozialer Hinsicht gerade auch im Krieg treu betätigt und durch Pflege des wahren Evangeliums die innere Front stärkt.“
Wir sehen an diesen Formulierungen das Spannungsfeld zwischen der nationalen Grundeinstellung auf der einen Seite und der Angst vor staatlicher Übermacht auf der anderen, das für viele evangelische Pfarrer in der NS-Zeit typisch war. Diese Ambivalenz spiegelt sich auch im Nachwort von Pfarrer Fischer zum Pfarrbericht 1940 wider, in dem es heißt: „Was der Krieg mit dem schon von Ferne winkenden, gewaltigen Sieg des nationalsozialistischen großdeutschen Reiches für die evang.-christliche Kirche bedeuten wird an äußerer und innerer Wandlung, an Not und Heil, das steht in Gottes Hand. Ein etwaiger nächster Pfarrbericht wird eine neue Lage und Welt vorfinden. Möge darin die christliche Gemeinde der Deutschen Volksgemeinschaft ferner dienen können und dürfen.“
(Verfasser: Horst Zecha)

Im Vordergrund befindet sich die katholische Notkirche im Hintergrund die evangelische Martinskirche.Bei der Fabrik mit den zwei Schornsteinen handelt es sich um die Ziegelei Hamm, dahinter die ehemalige Gartenstraßenschule. Sie wurde 1936 in Horst-Wessel-Schule umbenannt.
Fotonachweis: Stadtarchiv Sindelfingen
Im Vordergrund befindet sich die katholische Notkirche im Hintergrund die evangelische Martinskirche.
Bei der Fabrik mit den zwei Schornsteinen handelt es sich um die Ziegelei Hamm, dahinter die ehemalige Gartenstraßenschule. Sie wurde 1936 in Horst-Wessel-Schule umbenannt.

Juli 1940 – Juli 2020 - Heldentod und Kriegsende?

Der Sommer 1940 stand im Deutschen Reich unter dem Eindruck des militärischen Erfolgs in Nord- und Westeuropa. Die Sindelfinger Zeitung erschien am 3. Juli 1940 mit dem Aufmacher „Der größte Feldzug aller Zeiten – Abschlussbericht über den Feldzug in Frankreich“. Nachdem zuvor bereits Dänemark, Norwegen, Belgien, Luxemburg und die Niederlande besetzt wurden, machte sich allgemein die Erwartung breit, dass der Krieg nun zum baldigen Ende kommen würde. Es fehlte „nur“ noch der Sieg über Großbritannien.
 
Für die Sindelfinger Bevölkerung schien der Krieg im Juli 1940 wie ein Grollen in der Ferne. Die Zeitung veröffentlichte ausführliche Kriegsberichte und sonstige Propaganda. Aber auch Alltägliches war vertreten, es fanden Fußball-, Handball und Faustballspiele statt, auch die Leichtathleten und Turner veranstalten Wettkämpfe. Der Schwarzwaldverein bot Wanderungen an. 
 
Und doch war für einige Familien der Krieg bittere Realität. Von Mitte Juni bis Anfang Juli 1940 erschienen mehrere Todesanzeigen von Gefallenen. Die jungen Männer waren zwischen 19 und 24 Jahre jung. Die Traueranzeigen vermitteln neben den allgemeinen, damals üblichen Floskeln auch den tiefen Schmerz der Familien. Man sorgte sich auch um die, von denen noch Nachrichten fehlten.
 
Die Gemeinde überlegte, in welcher Form die Gefallenen geehrt werden sollten. Ein Runderlass des Reichsministeriums des Inneren vom 17. September 1940, verfügte hier jedoch mit Ehrenmalen zurückhaltend zu sein: „Die Ehrung der für das Vaterland Gefallenen und die Pflege der Erinnerung an die glänzenden Waffentaten des Großdeutschen Freiheitskampfes wird die vornehmste Ehrenpflicht des deutschen Volkes nach diesem Kriege sein. Der Führer wird der würdigen Ausgestaltung der Ehren- und Erinnerungsmale seine besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Die Zeit für die Errichtung solcher Male erachtet der Führer jedoch noch nicht für gekommen.“
Zwei Monate später jedoch wurden „Richtlinien für die Gestaltung von Ehrenfeldern für Kriegsgefallene“ erlassen.
 
Kehren wir nochmals in den Sommer 1940 zurück. Sicherlich war die Erwartung des Kriegsendes groß. So findet sich in den Gemeinderatsprotokollen häufiger die Bemerkung, dass Entscheidungen „erst nach Ende des erfolgreichen Krieges“ getroffen werden sollten. Doch die Nachrichten verhießen nichts Gutes.
Am 2. Juli 1940 wurden die Jahrgänge 1900 bis 1903 zur Musterung aufgefordert. Trotz des militärischen Erfolges plante man also die 37- bis 40-Jährigen zu den Waffen zu rufen - darunter auch Männer, die bereits im Ersten Weltkrieg gekämpft hatten.
 
Die Erwartung eines kommenden Kriegsendes unter nationalsozialistischer Herrschaft schürte auch Befürchtungen. Aus dem Pfarrbericht von 1940:
„Nachwort: Was der Krieg mit dem schon von Ferne winkenden, gewaltigen Sieg des nationalsozialistischen grossdeutschen Reiches für die evang.-christliche Kirche bedeuten wird an äusserer und innerer Wandlung, an Not und Heil, das steht in Gottes Hand. Ein etwaiger nächster Pfarrbericht wird eine neue Lage und Welt vorfinden. Möge darin die christliche Gemeinde der Deutschen Volksgemeinschaft ferner dienen können und dürfen.“
 
(Text: Illja Widmann)

Juni 1940 – Juni 2020 „Ein großer Teil der netten Häuser sind bezogen worden…“ – Wohnungsbau in Kriegszeiten

Mit fortschreitender Dauer und spätestens seit Einsetzen der alliierten Luftangriffe auf deutsche Städte beeinflusste der Krieg immer stärker alle heimischen Lebensbereiche. In der frühen Kriegsphase, die von militärischen Erfolgen auf deutscher Seite gekennzeichnet war, erscheint der Krieg oft noch fern der Heimat und der Alltag in vielen Bereichen noch weitgehend unbeeinflusst. Dieses Bild wird allerdings von der NS-Propaganda bewusst gepflegt, so dass bei der Auswertung entsprechender Quellen stets Vorsicht geboten ist.
 
Am 4. Juni 1940 findet sich in der Sindelfinger Zeitung unter der Überschrift „Besuch in der Fronäcker – Siedlung“ ein blumiger Bericht über den Bezug der letzten fertiggestellten Häuser der neuesten Sindelfinger Siedlung entlang der Bahnlinie Sindelfingen-Maichingen. In befremdlich verniedlichender Form nimmt der Schreiber auf die Zeitverhältnisse Bezug: „Man kann sich denken, dass diese Arbeiten während der letzten acht Monate nicht ganz den Fortschritt nahmen, wie er gemacht worden wäre, wenn der Krieg nicht einen Teil der Handwerksleute vom Schaffen abgehalten hätte und noch abhält. Aber das eine kann man doch sagen: ein großer Teil der netten Häuser sind bezogen worden…“
 
Die Planungen für einen Siedlungsbau in den Fronäckern gehen bis ins Jahr 1934 zurück und sind im Zusammenhang mit den Bemühungen der Stadtverwaltung zu sehen, die seit der Ansiedlung des Daimler-Werks 1915 notorische Wohnungsknappheit in Sindelfingen zu lindern. Dazu war bereits unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg der Bau- und Sparverein, die spätere Baugenossenschaft, als kommunales Wohnungsbauunternehmen gegründet worden. Der Bau- und Sparverein war auch Bauträger der Fronäckersiedlung. Dabei richteten sich Stadt und Unternehmen nach den Vorgaben und Plänen des „Heimstättenamts der NSDAP“ mit Sitz im Ludwigsburger Schloss. Von dort kamen die Vorgaben für die standardisierten Haustypen, die den Siedlungsbau während der NS-Zeit in ganz Deutschland maßgeblich prägten. Für die einfachste Hausvariante, „Typ 1“ wurde 1935 vom Stadtbauamt eine Kalkulation erstellt, die von Grundstückskosten von 1.100 Reichsmark (10 ar Grundstück a 55 Pfg. pro qm plus Erschließungskosten) und Baukosten von 4.900 RM, also Gesamtkosten von 6.000 RM ausging.
 
Planende Architekten waren die in Sindelfingen etablierten Georg Bürkle, Alfred Hess und Otto Reuff, deren kreative Möglichkeiten sich angesichts der weitgehenden parteiamtlichen Vorgaben aber in engen Grenzen gehalten haben dürften. So entstanden seit Mitte der dreißiger Jahre bis 1940 80 Wohnungen, für eine Stadt mit damals etwa 8.800 Einwohnern ein großes Siedlungsbauprojekt.
 
Allerdings waren die Wohnungsprobleme Sindelfingens damit bei weitem noch nicht gelöst. Im Sommer 1940 beschäftigte sich Bürgermeister Pfitzer auf Anregung des Verbands Württembergischer Wohnungsunternehmen mit „der Vorplanung von Wohnungsbauvorhaben nach dem Krieg“ und legt in diesem Zusammenhang für Sindelfingen einen Fehlbedarf von 500 Wohnungen zugrunde. Tatsächlich wurden mit zunehmender Kriegsdauer sämtliche Planungen für den Wohnungsbau wegen Material- und Arbeitskräfteknappheit eingestellt.  Unter welchen Vorzeichen der Wohnungsbau in der Nachkriegszeit dann tatsächlich stattfinden musste, das hat Bürgermeister Pfitzer im Sommer 1940 sicher noch nicht geahnt.
 
Abbildungen / Ausstellungsstücke
Postkarten, Fotos Pläne Zeitungsartikel 04.06.1940

(Text: Horst Zecha)

Quelle Foto: Strähle Luftbild Aufnahme vom 24.8.1936. Vorne Fronäckersiedlung, im Hintergrund Zimmerplatzsiedlung
Quelle Foto: Strähle LuftbildAufnahme vom 24.8.1936. Vorne Fronäckersiedlung, im Hintergrund Zimmerplatzsiedlung

Mai 1940 – Mai 2020: Ein HJ-Heim für Sindelfingen

Die Hitler-Jugend (HJ) gehörte wohl zu den bekanntesten nationalsozialistischen Organisationen. Nach der Machtergreifung wurde sie fest im NS-Staat institutionalisiert und ihr nahezu alle Jugendvereine und -organisationen einverleibt. Die HJ beeinflusste die Erziehung und das Weltbild von Jungen und Mädchen zwischen zehn und 18 Jahren. Ihren „Führern“ wurde neben Schule und Elternhaus das Erziehungsmonopol übertragen.
Ziel der HJ war es, die Jugend „körperlich, geistig und sittlich im Geiste des Nationalsozialismus zu erziehen“. Vor allem die körperliche Ertüchtigung als Vorbereitung auf den Wehrdienst war fester Bestandteil des „Lehrplanes“. Während man versuchte, die Jungen für alles Soldatische zu begeistern, wurden die Mädchen in das Rollenbild der Hausfrau und Mutter gezwängt. Die ideologische Erziehung fand während des „Heimunterrichts“ statt und befasste sich mit einer heroisierten Form der deutschen Geschichte, der nationalsozialistischen Rassenlehre und Schmähungen gegen den Versailler Vertrag.
Die HJ entwickelte sich in kurzer Zeit zu einer Millionenorganisation. Auch der Anteil der in der HJ organisierten Schüler der Sindelfinger „Adolf-Hitler-Oberschule“ (heute Goldberg-Gymnasium) stieg zwischen 1936 und 1939 von 64 auf 99 Prozent. Wie alle NS-Organisationen war auch die HJ nach dem „Führerprinzip“ aufgebaut. Getreu dem Grundsatz „Jugend führt Jugend“ übernahmen ältere Schüler die Führung von jüngeren. Über ein Viertel der Schüler der „Adolf-Hitler-Oberschule“ bekleidete solche HJ-Positionen im Kreis Böblingen.
 
Aufgrund ihres rasanten Aufstiegs war die HJ im Deutschen Reich größtenteils in Notbehelfen untergekommen. Gleiches galt für die 640 Sindelfinger Jungen und Mädchen, die im Frühjahr 1939 in der HJ organisiert waren. Treffen fanden mittwochs und samstags statt. Die zehn- bis 14-jährigen wurden hierzu eigens von der samstäglichen Schulpflicht befreit. Für Ausflüge in den Wald wurde eine Hütte im Spitzholz und eine „Waldhütte an der Straße nach Leonberg“ genutzt. Für den Samstagsdienst wurden acht Schulräume in der Volksschule beansprucht und ein Dienstzimmer eingerichtet. Zusätzlich belegte die HJ Räume im Alten Rathaus und in einem Jugendhaus in der Ziegelstraße. Für Sport wurde die Halle des VfL Sindelfingen in Anspruch genommen. Diese dezentrale Unterbringung in Gebäuden des „alten Systems“ war der Reichsjugendführung ein Dorn im Auge. Daher erklärte sie das Jahr 1937 zum „Jahr der Heimbeschaffung“, mit dem Ziel, repräsentative HJ-Heime zu schaffen, die den Geist des neuen nationalsozialistischen Deutschlands verkörpern sollten. Hierzu formulierte die HJ in einem Sonderheft der württembergischen Zeitschrift „Führerdienst“ architektonische Ansprüche.
Die Aktion schien auch in Sindelfingen Widerhall zu finden, denn im Oktober 1937 ging bei der Stadtverwaltung eine Bauplatzanfrage der HJ ein. Die Stadt wählte einen Bauplatz im Eichholz aus, an dem sich heute das Alten- und Pflegeheim „Haus Eichholzgärten“ befindet. In der Gemeinderatssitzung vom 30. Mai 1940 präsentierte der Bürgermeister erste Entwürfe des beauftragten Architekten Ernst Dobler aus Stuttgart. Die geplante Anlage hatte riesige Ausmaße: 24 Scharräume, vier Gefolgschaftsräume und eine Festhalle. Herzstück der Anlage sollte überdies eine „Ehrenhalle“ sein, in der mit Fahnen und Symbolen der Geist des Nationalsozialismus wie in einem Schrein verehrt werden sollte und in dessen Zentrum eine Büste Adolf Hitlers stehen würde. Dass dieser Entwurf für das damals 8.500 Einwohner zählende Sindelfingen überdimensioniert war, sah auch die Stadtverwaltung ein. Gegen den Widerstand des HJ- Gebietsleiters Uhland wurde die Anzahl der Scharräume reduziert und die Festhalle gestrichen. Als im Kriegsverlauf ein Baustopp verordnet und der Architekt zum Kriegsdienst eingezogen wurde, beschloss die Stadtverwaltung, das Projekt erst nach (siegreicher) Beendigung des Krieges fortzuführen. Anderen HJ-Heimen muss es ähnlich gegangen sein. Jedenfalls blieb die Heimbeschaffungspolitik der Reichsjugendführung weit hinter ihren Ansprüchen zurück. Von den geforderten 50.000 Heimen wurden nur etwas mehr als 1.000 gebaut.
 
(Verfasser: Oliver Weth)

Auszug aus der Niederschrift des Gemeinderats 30.05.1940.  Im Herbst 1941 erfolgte der Beschluss, das Vorhaben erst nach Ende des (siegreichen) Krieges fortzuführen.  (Stadtarchiv Sindelfingen)
Auszug aus der Niederschrift des Gemeinderats 30.05.1940. Im Herbst 1941 erfolgte der Beschluss, das Vorhaben erst nach Ende des (siegreichen) Krieges fortzuführen. (Stadtarchiv Sindelfingen)
Der Lageplan, erstellt um 1938, zeigt umfassende Planungen zum Bau des HJ-Heims und seines Umfeldes. So war die Straßenführung direkt auf die neue Anlage ausgerichtet.  Das HJ-Heim sollte im Gebiet, das heute als "Schleicher" bekannt ist, errichtet werden. Heute befindet sich an dieser Stelle das Pflege- und Altenheim "Haus Eichholzgärten". (Stadtarchiv Sindelfingen)
Der Lageplan, erstellt um 1938, zeigt umfassende Planungen zum Bau des HJ-Heims und seines Umfeldes. So war die Straßenführung direkt auf die neue Anlage ausgerichtet. Das HJ-Heim sollte im Gebiet, das heute als "Schleicher" bekannt ist, errichtet werden. Heute befindet sich an dieser Stelle das Pflege- und Altenheim "Haus Eichholzgärten".(Stadtarchiv Sindelfingen)
Sindelfinger HJ auf Fahrt (Foto: privat)
Sindelfinger HJ auf Fahrt (Foto: privat)

April 1940 – April 2020: Der Film unter dem Hakenkreuz

„Frau nach Maß“ (1940) zählt zu den ca. 1000 Spielfilmen, die während des NS-Regimes gedreht wurden. Und doch lässt in der Liebeskomödie nichts auf die menschenverachtende NS-Ideologie schließen. Ausgestrahlt wurden diese Filme auch im 1938 neugebauten Filmtheater in der Sindelfinger Gartenstraße 33. Im modernen Kinosaal für bis zu 374 Besucher fanden Vorstellungen in der Regel freitags bis montags statt. Der ausgestrahlte Film wurde wöchentlich gewechselt und in der Sindelfinger Zeitung beworben. Wie überall im „Dritten Reich“ waren auch die Sindelfinger eifrige Kinogänger. Besonders beliebt: Ausgaben des Illustrierten Film-Kuriers, der in charmanten Sammelheften einzelne Filme porträtierte und von vielen Sindelfingern gesammelt wurde. Doch auch unpolitische Unterhaltungsfilme wie „Frau nach Maß“ werfen dunkles Licht auf die NS-Filmpolitik.
Unmittelbar nach der Machtergreifung im Januar 1933 begannen die Nationalsozialisten durch eine Reihe von Maßnahmen das gesamte gesellschaftliche und politische Leben in Deutschland gemäß ihrer Ideologie umzugestalten. Die bis dato bunte Filmindustrie der Weimarer Republik wurde von diesen Gleichschaltungsbestrebungen nicht verschont.
Zuständig für die nationalsozialistische Filmpolitik waren das neugegründete Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und die Reichsfilmkammer. Beiden Einrichtungen stand der selbsternannte „Schirmherr des deutschen Films“, Joseph Goebbels, vor. Goebbels, seit jeher fasziniert vom Film, hatte bereits vor der Machtergreifung das Potenzial des Films zur Volksbeeinflussung erkannt. Als Propagandaminister verfolgte er eine radikale Politik der „Arisierung“, Zensur und Verstaatlichung der deutschen Filmlandschaft.
Die Gründung einer Zwangsberufsgenossenschaft für Filmschaffende zählte hierbei zu den ersten Maßnahmen. Ausgeschlossen wurden insbesondere jüdische Künstler und Systemkritiker. Dies kam faktisch einem Berufsverbot gleich. In der Folge emigrierten ca. 1500 Filmschaffende aus Deutschland. Viele Künstler, die nicht rechtzeitig flüchten konnten, wurden ermordet.
Die Nationalsozialisten betrieben eine umfangreiche Filmzensur, die insbesondere eine politische Stoßrichtung hatte. Neben der Überprüfung bereits abgedrehter Streifen wurde des Weiteren ein Reichsfilmdramaturg eingesetzt, dessen Aufgabe darin bestand, Drehbücher und Filmentwürfe zu zensieren. Filmunternehmen wurden zu Zusammenschlüssen gedrängt, sodass 1942 lediglich der UFI-Konzern als staatseigene Produktionsgesellschaft übrigblieb. Bei Spielfilmen war der Anteil der offenkundigen Propagandafilme mit ca. 10-15% relativ gering und sank während der zweiten Kriegshälfte nochmals merklich. Die meisten Werke waren Unterhaltungsfilme, in denen nationalsozialistische Alltagssymbolik wie Uniform, Hakenkreuz und Hitlergruß nur selten vorkam. Dies hatte jedoch politisches Kalkül: Propaganda und Indoktrination durchzogen bereits übrige Teile des gesellschaftlichen Lebens. Unterhaltungsfilme sollten hierzu als Ablenkung dienen und insbesondere zu Kriegszeiten die Illusion einer „heilen Welt“ erzeugen. Gerade deshalb war die Naziführung darauf bedacht, den Kinobetrieb so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Die zahllosen Kinosäle wurden, wie auch in Sindelfingen, überwiegend privat betrieben, unterlagen jedoch strengen Auflagen.
Über das Maß der Einflussnahme des Propagandaministeriums auf Unterhaltungsfilme wird bis heute diskutiert. Es gibt Beispiele dafür, dass Goebbels persönlich in Drehbücher eingriff. Andererseits berichten Regisseure auch von künstlerischer Freiheit. Auch wenn nicht alle Filme, die zwischen 1933 und 1945 gedreht worden sind, propagandistische Werke sind, so sind sie dennoch vor dem Hintergrund der Zeit ihrer Entstehung zu betrachten. Nach der Auffassung Goebbels, hatte Unterhaltung eine ausdrücklich politische Funktion; und so kann auch der cineastisch wertvolle, scheinbar unpolitische Unterhaltungsfilm dazu beitragen, von Diktatur, Unterdrückung und Krieg abzulenken.

(Verfasser: Oliver Weth absolviert im Kulturamt eine Praxisphase im Rahmen seines Verwaltungsstudiums. Zuvor studierte er einige Semester Geschichte)

Illustrierter Film-Kurier, 1940  Die Liebeskomödie „Frau nach Mass“ beruht auf einem Bühnenstück von Eberhard Foerster. Hinter dem Namen verbirgt sich Erich Kästner, der seit 1933 Berufsverbot hatte.  Der Illustrierte Film-Kurier (1919-1944) war Vorbild für spätere Kinoprogramme. In grafisch aufwendiger Gestaltung wurden in den mehrseitigen Heften Filminhalte attraktiv dargestellt.  Auch in Sindelfingen waren sie als Sammelobjekte begehrt. Im Jahr 1940 kostete ein Heft 10 Pfennig.  Scan: Stadtmuseum Sindelfingen
Illustrierter Film-Kurier, 1940
Die Liebeskomödie „Frau nach Mass“ beruht auf einem Bühnenstück von Eberhard Foerster. Hinter dem Namen verbirgt sich Erich Kästner, der seit 1933 Berufsverbot hatte. Der Illustrierte Film-Kurier (1919-1944) war Vorbild für spätere Kinoprogramme. In grafisch aufwendiger Gestaltung wurden in den mehrseitigen Heften Filminhalte attraktiv dargestellt. Auch in Sindelfingen waren sie als Sammelobjekte begehrt. Im Jahr 1940 kostete ein Heft 10 Pfennig.
Scan: Stadtmuseum Sindelfingen
Anzeige in der Sindelfinger Zeitung, 1940Am 26. April 1940 kam der Film „Sommer, Sonne, Erika“ ins Sindelfinger Kino. Filmwerbung erschien damals fast täglich in den Zeitungen. Scan: Stadtarchiv Sindelfingen
Anzeige in der Sindelfinger Zeitung, 1940
Am 26. April 1940 kam der Film „Sommer, Sonne, Erika“ ins Sindelfinger Kino. Filmwerbung erschien damals fast täglich in den Zeitungen.
Scan: Stadtarchiv Sindelfingen

März 2020 / März 1940: Propagandamaschinerie auf Hochtouren

Mit dem deutschen Überfall auf Polen begann am 1.September 1939 der Zweite Weltkrieg. Entsprechend ihrer Bündnisverpflichtungen erklärten Frankreich und England am 3.September dem Deutschen Reich den Krieg. Allerdings war diese Kriegserklärung zunächst nur mit geringen Kampfhandlungen an der Westfront verbunden. Während von der deutschen Propaganda für den schnellen Sieg über Polen der Begriff „Blitzkrieg“ geprägt wurde, wurde die zeitgleiche Situation an der deutsch-französischen Front häufig ironisierend als „Sitzkrieg“ bezeichnet. „Drôle de guerre“ – „komischer Krieg“ war die Bezeichnung, die sich auf französischer Seite für die Verhältnisse im Winter 1939/40 einbürgerte.
Zwar waren die Kampfhandlungen an der Westfront vergleichsweise gering, umso intensiver beschäftigte sich aber die nationalsozialistische Propagandamaschinerie mit den westlichen Alliierten, vor allen Dingen mit England. Jeden Tag findet sich in der Zeitung eine Vielzahl von Artikeln, in denen wahlweise englische Politiker als Lügner oder die englische Kriegsführung als brutal und völkerrechtswidrig angeprangert wird. Dabei treten zwei propagandistische Stoßrichtungen besonders auffällig hervor:
Zum einen schwingt sich die deutsche Propaganda zum Fürsprecher der englischen Kolonialvölker auf und prangert deren Unterdrückung an. So gibt es beispielsweise in der Sindelfinger Zeitung vom 6.März 1940 einen ausführlichen Artikel über indische Arbeiter, die wegen der schlechten Behandlung durch die britische Kolonialregierung in den Streik getreten sind, und auch in den folgenden Wochen gibt es viele Ausgaben, in denen die britische Kolonialpolitik unter der Vorspiegelung humanitären Interesses an den unterdrückten Völkern thematisiert und propagandistisch ausgeschlachtet wird.
Auch die zweite, in Variationen immer wieder aufgegriffene propagandistische Stoßrichtung kann nicht überraschen: sie stellt die Verbindung der als „internationalistisch“ verteufelten englischen Politik mit der in der NS-Propaganda allgegenwärtigen „Jüdischen Weltverschwörung“ her. So ist ein Artikel in der Sindelfinger Zeitung am 7. März beispielsweise „Englands Krieg ist Judas Krieg“ überschrieben. So abstrus uns die Herstellung solcher Zusammenhänge und die Krokodilstränen über koloniale Unterdrückung heute erscheinen mögen, sollte man die Wirkung dieser massiven Dauerbeeinflussung nicht unterschätzen.
Wie perfide und skrupellos die NS-Propaganda im Frühjahr 1940 vorging, wird anhand zahlreicher Artikel deutlich, in denen England vorgeworfen wird, permanent die niederländische und belgische Neutralität zu verletzen. Dabei lagen die deutschen Pläne, einen Sieg über Frankreich mit Hilfe eines Angriffs über die neutralen Länder Belgien und Holland zu erreichen, längst in der Schublade.
 

(Verfasser: Horst Zecha)

Februar 2020 / Februar 1940: Die Kraft der Musik

Die Sindelfinger Bevölkerung strömte am Wochenende des 10./11. Februars 1940 zahlreich in die Turnhalle des VfL im Eichholz. Von den NSDAP Ortsgruppen Eichholz und Goldberg wurde ein unterhaltsames Konzert zu „Ehren der Ausmarschierten“ veranstaltet. Die Musikstücke reichten von Klassik über Operetten bis hin zu Soldatenliedern und Liedern der „heiteren Muse“. Den Abschluss machte das Propagandalied „Fahrt nach Engeland“.
In der Ankündigung des Konzerts erfahren die Zeitungsleser Interessantes über die Entwicklung der „neuen Soldatenlieder“. „Diese Lieder sollen keine formvollendeten Dichtungen und Musikwerke sein. Aber man erwartet von ihnen Sauberkeit, Echtheit, natürliche Volkstümlichkeit…“ (Sindelfinger Zeitung 7.2.1940)
 
Mit der Gründung der Reichskulturkammer am 23.9.1933 unter dem Präsidenten Joseph Goebbels erfolgte die „Gleichschaltung“ und die Kontrolle des Kulturbetriebs. Die größte Einzelkammer war die Reichsmusikkammer. Für Musiker war die Mitgliedschaft Pflicht. Sie mussten politisch unbelastet sein und einen Ariernachweis vorlegen. Die Nichtmitgliedschaft war gleichbedeutend mit einem Berufsverbot.
 
Musik spielte im Alltag eine wichtige Rolle, wie umfangreiche Liederhefte der verschiedenen nationalsozialistischen Organisationen zeigen. So z.B. „Lieder der Hitlerjugend“. Vor allem dem gemeinsamen Singen als einfachster Art des Musizierens kam eine besondere Bedeutung zu. Der Musikunterricht in der Schule wurde in dieser Zeit ausgebaut. „In allen Schulgattungen werden die Kampflieder der Bewegung gesungen… Hier ist schon manches neues Lied aus der SA, dem freiwilligen Arbeitsdienst, der HJ in die Schulmusik eingegangen.“ (Josef Müller-Blattau, 1934)
 
Neben der Schule wurde in den Betrieben, in der Freizeit, bei den Jugendorganisationen und Großveranstaltungen musiziert. Die Musik bewirkte ein Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gemeinschaft vor allem auch während des Krieges: „In einer Zeit, in der der gesamten Nation so schwere Lasten und Sorgen aufgebürdet werden, ist auch die Unterhaltung staatspolitisch von besonderem Wert“. (Goebbels 1941)
 
Das Programm des Sindelfinger Konzerts zeigt klar, dass der Aspekt der Unterhaltung eine wichtige Rolle im Nationalsozialismus spielte. Ziel war die Ablenkung von den Sorgen des Alltags. Im Verlauf des Krieges reagierte die Bevölkerung zunehmend kritisch auf Liedertexte, die den Kriegsalltag konterkarierten. Ein Beispiel ist das Lied „Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei“ von F.Raymond (1942). Es erhielt mehrere Umdichtungen wie z.B. "Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei, zuerst Adolf Hitler, dann seine Partei" oder "... mein Mann ist in Rußland, ein Bett ist noch frei"
 
(Verfasserin Illja Widmann)

Januar 2020 / Januar 1940: „Ehemann im Lager verstorben – näheres durch Polizei“

Das Schicksal des Wilhelm Brendle
 
Die Gedenktafel für die Sindelfinger NS-Opfer neben dem Haupteingang des Rathauses dokumentiert eindrücklich, wie sehr die nationalsozialistische Terrorherrschaft auch in einer Kleinstadt wie Sindelfingen ihre Spuren hinterlassen hat.
 
Ein Name, der auf dieser Tafel zu finden ist, ist der von Wilhelm Brendle. Von seiner Familie und von den Nachbesitzern seines Hauses in der Uhlandstraße sind zahlreiche Originaldokumente ins Sindelfinger Stadtarchiv gelangt, so dass wir seinen Lebens- und Leidensweg detailliert nachvollziehen können.
 
Wilhelm Brendle wurde 1889 in Rommelsbach geboren und kam 1919 nach Sindelfingen,  wo er sich der Kommunistischen Partei (KPD) anschloss und für diese auch öffentlich in Erscheinung trat. 1931 kandidierte er für einen Sitz im Sindelfinger Gemeinderat.
 
Nachdem die Nationalsozialisten kurz nach Ihrer Machtergreifung den Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 zum Vorwand für die Zerschlagung der demokratischen Parteien genommen hatten, wurden zahlreiche Mitglieder und Funktionäre vor allem der KPD und der SPD verhaftet. Auch Wilhelm Brendle wurde inhaftiert und bis Juli 1933 im Konzentrations-lager auf dem Heuberg (Schwäbische Alb) festgehalten.
Familienmitglieder und Bekannte berichten, dass Wilhelm Brendle und seine Familie in der Folgezeit immer wieder Schikanen und Repressionen ausgesetzt waren. Nach einem Treffen mit ehemaligen Parteifreunden im August 1935 wurde Wilhelm Brendle erneut verhaftet und vom Amtsgericht Stuttgart zu zweieinhalb Jahren Gefängnis wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verurteilt. Nach Verbüßung der Haftstrafe folgte aber, wie in vielen anderen Fällen auch, nicht die Freilassung, sondern die Verbringung in ein Konzentrationslager. So führte der Weg von Wilhelm Brendle schließlich im Herbst 1939 ins österreichische KZ Maut-hausen. Von dort erhielt seine Frau am 25. Januar 1940 ein kurzes Telegramm: „Ehemann im Lager verstorben – näheres durch Polizei.“ Auf die Nachfrage nach der Todesursache ihres Mannes erhielt Maria Brendle im Februar 1940 ebenfalls nur eine lapidare Nachricht, die mit den tatsächlichen Verhältnissen nichts zu tun hatte: „Der am 25.01.40 verschiedene W.B. stand hier in Behandlung wegen einer Adernverkalkung bei Bluthochdruck. Trotz aller ärztlichen Bemühungen verstarb B. an den Folgen eines Gehirnschlages.“
Eine „ärztliche Behandlung“ und „ärztliche Bemühungen“ sind angesichts der Zustände in den Konzentrationslagern kaum vorstellbar, und so muss die wahre Todesursache offen bleiben. Durch die Einäscherung des Leichnams wurden auch alle späteren Untersuchungen unmöglich gemacht.
 
Wenige Tage vor seinem Tod, am 14. Januar 1940, hatte Wilhelm Brendle den letzten (selbstverständlich zensierten) Brief aus dem KZ Mauthausen an seine Familie gesandt. Dort schreibt er unter anderem: „Hoffe, dass ihr alle noch gesund seid, was ich von mir soweit auch berichten kann.“ Die Hoffnung, die Wilhelm Brendle in den ersten Zeilen des Briefes ausdrückt, hat sich für ihn und seine Angehörigen nicht mehr erfüllt: „Meine liebe gute Maria und alle Lieben in der Heimat! Ein Neues Jahr ist wiederum herangekommen, was wird es uns bringen? Hoffen wir den Völkerfrieden und die lang und heiß ersehnte Freiheit.“
 
(Verfasser Horst Zecha)

Dezember 2019 / Dezember 1939: Die erste Kriegsweihnacht

Jenseits der großen, von der NS-Propaganda geprägten Überschriften sind es in den Tageszeitungen vom Dezember 1939 eher die kleinen, unscheinbaren Kurzmeldungen, aus denen deutlich wird, dass sich das alltägliche Leben und damit auch die Vorbereitungen auf das alljährliche Weihnachtsfest durch den Krieg verändert hatten.
In der Sindelfinger Zeitung vom 9. Dezember findet sich unter der Überschrift „Mehl für die Weihnachtsbäckerei“ folgender Hinweis: „Für die Weihnachtsbäckerei soll den Verbrauchern die Möglichkeit gegeben werden, Mehl an Stelle von Brot zu beziehen.“ In der Folge wird das Verfahren dazu genauestens beschrieben. Notwendig wurde dieser Hinweis, weil diverse Lebensmittel, darunter auch Brot, seit Kriegsbeginn nur noch gegen die Vorlage von zugeteilten Bezugskarten verfügbar waren.
In der gleichen Ausgabe wird unter der Überschrift „Praktische und schöne Geschenke, die Freude machen“ erläutert, welches die richtigen Weihnachtsgaben für die Soldaten im Feld sein könnten. U.a. heißt es dort: „Heute, wo Mann, Sohn oder Bruder im Felde stehen, wird die Frage der Geschenkwahl verstärkt auftauchen. (…) In Wirklichkeit ist dies gar nicht so schwer; denn bei einiger Überlegung lässt sich vielerlei finden. Nur allzu umfangreich dürfen die Gaben nicht sein, damit sie das zulässige Feldpostgewicht des 1-Kilo-Päckchens nicht überschreiten. (…) Lesestoff ist im Felde immer willkommen. Der Buchhändler hilft gerne bei der Auswahl, wenn man ihm sagt, ob der Empfänger ernste oder heitere Kost bevorzugt.“
Ob die Frauen, deren Männer zur Wehrmacht eingezogen waren, tatsächlich nicht selbst am besten wussten, was notwendig und sinnvoll ist, sei dahingestellt. Aber auch die Empfehlungen des angesprochenen Buchhändlers sollten nicht dem Zufall überlassen werden. So finden sich sowohl am 9. als auch am 16. Dezember 1939 Empfehlungen der NSDAP-Kreisleitung unter der Überschrift „Bücher auf den Weihnachtstisch!“ Titel wie „Der Führer und sein Werk“, „Nationalsozialistische Leistungsauslese“ oder „Die Judengesetze Großdeutschlands“ lassen erahnen, dass es sich um Propagandaschriften der schlimmsten Sorte handelt.
Am 23. Dezember wird in der Sindelfinger Zeitung darauf hingewiesen, dass auf dem Balkon des Rathauses [heutige Galerie] selbstverständlich wieder der traditionelle Weihnachtsbaum aufgestellt sei, allerdings wegen der Verdunklungsanordnung in diesem Jahr ohne Beleuchtung.
Ebenfalls am 23. Dezember druckte die Sindelfinger Zeitung ein Gedicht des damaligen Sindelfinger Gewerbeschulleiters Eduard Eisele ab, das zeigt, wie perfekt es der nationalsozialistischen Propaganda mittlerweile gelungen war, auch in die Gedankenwelt gebildeter und reflektierter Menschen vorzudringen. In pathetischen Worten gibt Eisele die NS-Ideologie vom unterdrückten Volk auf der Suche nach Lebensraum wider:
„Und wieder ist das Weihnachtsfest nun da,
Wir steh’n in Waffen, denn der Feind ist nah!
Die Welt ist krank, sie liegt in bösen Wehen,
Sie kann die Wahrheit und uns Deutsche nicht verstehen.
Die Welt ist kalt wie Wintersnacht und – Grausen,
Man gönnt uns Licht und Leben nicht, da draußen,
Man will mit Mord und Krieg und eitler List
Vernichten, was uns Deutschen heilig ist.“
 
Auch wenn die Zeit der Luftangriffe und des unmittelbaren Kriegserlebens noch fern war – es war keine fröhliche Weihnachtszeit mehr, die die Sindelfingerinnen und Sindelfinger 1939 erlebten.
 
(Verfasserin Illja Widmann)

November 2019 / November 1939: Allgegenwärtig – der Einfluss der NSDAP

Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) wurde bereits 1920 gegründet und nach der Machtübernahme Hitlers 1933 zur alleinigen Staatspartei etabliert. Zunehmend wurde berufliches und gesellschaftliches Fortkommen in den dreißiger Jahren an die NSDAP-Mitgliedschaft geknüpft. Bei Kriegsende 1945 hatte die NSDAP etwa 8,5 Millionen Mitglieder.
 
Eigentlich war es nur eine nachrangige Personalfrage, die in der Sindelfinger Gemeinderatssitzung vom 16. November 1939 entschieden werden sollte, doch selbst hierbei wird der allgegenwärtige Einfluss der NSDAP deutlich: Unter dem Betreff „Kläranlage“ wird protokolliert: Der Bürgermeister beabsichtigt „in erster Linie den S. anzustellen, sofern er in politischer Beziehung einwandfrei ist…Vor endgültiger Entscheidung wird der Bürgermeister ein politisches Führungszeugnis von S. einverlangen.“
Bis zur nächsten Gemeinderatssitzung am 14. Dezember hatte sich allerdings ein überraschend neuer Sachverhalt ergeben. Das Protokoll hält fest: „Außer den in der Beratung vom 16. November 1939 mitgeteilten Bewerbern hat sich nachträglich noch der Schlosser K. von hier um die Stelle des Kläranlagenwärters beworben. K. ist seit 1934 in Sindelfingen wohnhaft und seither auch in der Ortsgruppe der NSDAP tätig. Der Bewerber S. tritt mit seiner Bewerbung zurück, sofern K. die Stelle übertragen erhalten soll. Nach Beratung und vorheriger Rücksprache mit den Ortsgruppenleitern [der NSDAP] beabsichtigt der Bürgermeister (…) die Stelle des Kläranlagenwärters dem Bewerber K. zu übertragen.(…) Die Ratsherren sind mit der Anstellung des K. einverstanden.“
Die Frage, ob der Rückzug des ursprünglichen Bewerbers freiwillig geschah muss ebenso offen bleiben wie die Frage, welche Rolle die fachliche Qualifikation (noch) gespielt hat.
 
Am 27.11.1939 erhielt ein Mitarbeiter des hiesigen Daimler-Benz-Werks Post von der Personalabteilung. Unter der Überschrift „Lehrstellengesuch“ wurde folgendes ausgeführt: „Wir nehmen Bezug auf das Gesuch um Einstellung Ihres Sohnes als Lehrling im Frühjahr 1940 und teilen Ihnen mit, dass wir uns nach Abschluss der Eignungsprüfung bereit erklärt haben, Ihren Sohn in unsere Abteilung Metallbearbeitung einzustellen. Der Eintritt erfolgt am 1. April 1940.
Beim Eintritt sind mitzubringen: Steuerkarte für 1940,(…), HJ-Ausweis,(…)
 
Es wird deutlich, dass nicht nur im Staatsdienst, sondern auch in Wirtschaftsunternehmen die Mitgliedschaft in der NSDAP und ihren angegliederten Verbänden Voraussetzung für eine Neueinstellung war. Der genannte HJ-Ausweis war der Nachweis für die Mitgliedschaft in der Hitlerjugend. Die Jugendorganisation der NSDAP war bereits 1926 gegründet worden und umfasste im Jahr 1938 rund 8,7 Millionen Mitglieder und damit fast alle Kinder und Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren im Deutschen Reich. Vorrangige Ziele der Hitlerjugend waren die ideologische Vereinnahmung und die vormilitärische Ausbildung.
 
Dass es mit dem Nachweis der HJ-Mitgliedschaft im Hinblick auf die avisierte Lehrstelle alleine noch nicht getan war, wird aus einem zweiten Schreiben deutlich, das am 14. März 1940 an den besagten Mitarbeiter des Daimler-Benz-Werks ging: „Im Anschluss an unser Einstellungsschreiben teilen wir Ihnen mit, dass der Lehrling … am Eintrittstage Montag, den 1. April 1940 vormittags 8 Uhr in H.J. Uniform zu erscheinen hat.“
 
Kommen wir am Ende des Beitrags nochmals auf die eingangs zitierte Gemeinderatssitzung vom 16. November 1939 zurück. Unter dem Betreff „NSDAP“ wird dort vermerkt: „Die Ortsgruppen der NSDAP müssen während der Dauer des Krieges ihre Mitgliedsbeiträge restlos an die Gauleitung abführen. Die Ortsgruppenleitungen bitten daher während der Dauer des Krieges um Nachlass der Miete für die Geschäftsräume im Schwanengebäude [ehemaliger Standort gegenüber heutiger Stadtbibliothek] und im Gebäude Adolf-Hitler-Platz [heute Marktplatz] 5. Im Einvernehmen mit den Ratsherren ergeht folgende Entschließung des Bürgermeisters: Den hiesigen Ortsgruppen der NSDAP werden vom 1. Oktober 1939 an für die Dauer des Krieges die Mietzinsen für die von der Stadt gemieteten Geschäftsräume erlassen.“
Weder Bürgermeister Pfitzer noch die Ratsherren dürften an diesem 16. November 1939 geahnt haben, dass nie mehr eine NSDAP-Ortsgruppe für städtische Räumlichkeiten Miete bezahlen würde.
 
(Verfasser Horst Zecha)
 

Oktober 2019 / Oktober 1939: Eintopfsonntag und Winterhilfswerk als Propagandainstrumente

„Erster Opfersonntag im Kriegs WHW. Im Gedenken an die eherne Front. Am gestrigen Sonntag wurde in jedem deutschen Haushalt und in jeder Gaststätte, in den Speisewagen der Deutschen Reichsbahn und auf allen deutschen Schiffen der Eintopf gegessen. Und von diesem symbolischen gemeinsamen Essen kreisten die Gedanken hinaus zu den feldgrauen Männern, die draußen als eherne Front die Wacht an unseren Grenzen halten und alltäglich ihren Eintopf essen und auf viele Annehmlichkeiten des heimischen Alltags verzichten müssen…“ So klang es am Montag, den 23. Oktober 1939 in der Sindelfinger Zeitung.
 
Das Winterhilfswerk (WHW) organisierte am Tag zuvor, dem 22. Oktober 1939 zum ersten Mal den sogenannten „Opfersonntag“. Alle Menschen im Deutschen Reich waren angehalten aus Solidarität mit den Soldaten auf ein reichhaltiges Sonntagsmahl zu verzichten und wie die Soldaten einen einfachen Eintopf zu sich nehmen. Damit sollten sich die Menschen in Verzicht und Entbehrung üben und ihre Opferbereitschaft bekunden.
 
Im Oktober 1933 wurden die „Eintopfsonntage“ eingeführt. Sie fanden regelmäßig von Oktober bis März einmal im Monat statt. Ziel war die Stärkung der „Volksgemeinschaft“ und des Zusammengehörigkeitsgefühls. Die Aktion, die durch die NS Volkswohlfahrt erfolgte, wandte sich gegen die bürgerliche Sitte des gemeinsamen großen Sonntagsmahls in der Familie. Mit bunten Plakaten wollte man vor allem Kinder zur Teilnahme bewegen und kontrollierte dies dann in der Schule.
Die Eintopfsonntage dienten neben der Stärkung des Gemeinschaftsgefühls vor allem zur Spendeneinwerbung. Der Eintopf sollte maximal 50 Pfennig kosten. Die Differenz gegenüber einem regulären Sonntagsessen musste gespendet werden und kam dem Winterhilfswerk zugute. Auch Restaurants boten Eintopfgerichte an.
 
Die erste Sammelaktion für das Winterhilfswerk erfolgte am 13.September 1933. Bis 1943 sammelten über eine Million Menschen regelmäßig auf der Straße und an der Haustüre Spenden ein. Als „Dank“ erhielt man eine Plakette. Wer kein aktuelles Abzeichen trug, wurde verdächtigt, nicht gespendet zu haben. Die Marketingidee war sehr erfolgreich, da sie die Sammelleidenschaft ansprach. Es wurden jeweils verschiedene Serien herausgegeben. Im Winterhalbjahr 1939/40 wurden 680 Millionen Reichsmark gespendet (heutiger Gegenwert ca. drei Milliarden Euro). Ein Großteil der „Spende“ wurde den Arbeitnehmern bereits mit dem Gehalt abgezogen und weitergeleitet.
Das Winterhilfswerk war ein zentrales Mittel der NS-Volkswohlfahrt, die über die Verteilung der Gelder frei verfügen konnte. Zunächst konnten sich alle Bedürftigen um Unterstützung bemühen, seit 1935 waren jedoch Juden ausgeschlossen und im Laufe der nächsten Jahre wurden nur noch „Erbgesunde“ unterstützt.
 
Einen Einblick in die Realität zeigt das Gedicht von Bertolt Brecht aus „Furcht und Elend des Dritten Reichs“
Die Winterhelfer treten
Mit Fahnen und Trompeten
Auch in das ärmste Haus.
Sie schleppen stolz erpreßte
Lumpen und Speisereste
Für die armen Nachbarn heraus.

Die Hand, die ihren Bruder erschlagen
Reicht, daß sie sich nicht beklagen
Eine milde Gabe in Eil.
Es bleiben die Almosenwecken
Ihnen im Halse stecken
Und auch das Hitlerheil
(Verfasserin Illja Widmann)

September 2019 / September 1939: Der Krieg – vom ersten Tag an organisiert

Wenn wir die Sindelfinger Zeitung vom 1. September 1939 betrachten, finden wir dort eine ganze Reihe von Bekanntmachungen, was sich mit Beginn des Krieges verändert. Das muss zunächst überraschen, da ja Hitler erst an diesem Tag mit seinem legendären Satz „Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen“ den Beginn der Kampfhandlungen verkündete.
Wir wissen, dass sowohl die von Hitler angedeutete Notwehrsituation eine glatte Lüge war, ebenso wie die genannte Uhrzeit.
Bereits seit Jahren hatte die nationalsozialistische Führung zielgerichtet auf einen Krieg hingearbeitet, um sich den in ihren ideologischen Vorstellungen notwendigen „Lebensraum im Osten“ gewaltsam anzueignen. Und ursprünglich hatte Hitler den Angriff auf Polen bereits eine Woche früher, für den 26. August geplant, ihn dann aber mit Rücksicht auf die italienischen Verbündeten nochmals verschoben.
Vor diesem Hintergrund kann es schon weniger verwundern, dass wir in der Sindelfinger Zeitung vom 1. September 1939 schon umfangreiche Informationen zur Einführung von Bezugscheinen und zur Verdunkelung und Luftschutzbereitschaft finden. Die Sindelfinger NSDAP-Ortsgruppen Eichholz und Goldberg informierten über die Ausgabe von Gasmasken am selben Abend um 19 Uhr.
Aufschlussreich ist auch die Information über die sofortige Sperrung der Hauptstraße zwischen Böblingen und Sindelfingen, der Böblinger Allee, für den Durchgangsverkehr. Diese Maßnahme war wohl der Herstellung einer direkten Verbindung der militärischen Anlagen diesseits und jenseits der Straße geschuldet.
Selbst die Buchhandlung Röhm hatte sich offensichtlich schon auf die beginnende militärische Auseinandersetzung vorbereitet und bot in einem Inserat eine Landkarte „Der deutsche Osten und Polen“ zum Preis von 1.20 Mark an, damit auch in der Heimat die Truppenbewegungen nachvollzogen werden konnten.
Auch in den Folgetagen des September 1939 ist – neben den propagandistisch gefärbten Berichten über den Kriegsverlauf im überregionalen Teil – der Lokalteil der Sindelfinger Zeitung gefüllt mit weiteren Hinweisen vor allem zur Kriegswirtschaft und zum Luftschutz. Das Verfahren, welche Lebensmittel und Güter des täglichen Gebrauchs nun nur noch über Bezugsscheine zu erhalten waren, wurde ausführlich erläutert, ebenso die Fragen, was mit verlorenen oder übrig gebliebenen Bezugsscheinen zu geschehen habe.
Für die Benutzung von Kraftfahrzeugen wurden strenge Nutzungsregelungen eingeführt, die „Vergnügungs- oder Spazierfahrten“ ausdrücklich verboten.
Im Zusammenhang mit den Verdunklungsmaßnahmen bot die Buchhandlung Röhm „Abdunkelungspapier“ an. Es finden sich aber auch eher skurril anmutende Verhaltensmaßregeln, wie der folgende Hinweis in der Zeitung vom 27. September: „Die Mahnung, keine Obstreste wegzuwerfen, ist an sich alt. Ihr kommt aber gerade jetzt in der Zeit der Verdunkelung größere Wichtigkeit zu. Die Wahrscheinlichkeit, dass Volksgenossen durch Obstreste zu Fall und damit zu Schaden kommen, ist durch die Dunkelheit nur noch größer.“
Insgesamt entsteht bei der Durchsicht der Lokalteile der Zeitungen vom September 1939 der Eindruck, dass es bei den zahllosen Verhaltenshinweisen nicht nur um die kriegsbedingte Organisation verschiedener Lebensbereiche, sondern auch um die propagandistische Einstimmung der Menschen auf den begonnenen Krieg geht. Ebenso wie militärisch war der Krieg auch propagandistisch von langer Hand vorbereitet und hat sofort auch in den Lebensbereich jedes einzelnen eingegriffen.
 
(Verfasser Horst Zecha)